«Chan­cen am Ak­ti­en­markt fle­xi­bel nut­zen»

DWS-Ak­ti­en­stra­te­ge Klaus Kal­de­mor­gen hält eu­ro­päi­sche Ak­ti­en für be­son­ders aus­sichts­reich – Pro­fi­teu­re des tie­fen Eu­ro­kur­ses – At­trak­ti­ve Di­vi­den­den­ren­di­ten

Finanz und Wirtschaft - - FONDS - FRANZ SCHNEI­DER

Ak­ti­ve An­le­ger un­ter­schei­den sich da­durch von pas­si­ven, dass sie sich zu­trau­en, Chan­cen zu er­ken­nen und sie rasch und kon­se­quent, vor der gros­sen Mas­se, zu nut­zen. Wer nur pas­siv In­di­zes nach­bil­det oder sol­che Pro­duk­te er­wirbt, gibt mit dem ers­ten En­ga­ge­ment die Chan­ce preis, je­mals bes­ser als der Durch­schnitt zu sein.

Klaus Kal­de­mor­gen von DWS In­vest­ments, Frank­furt, traut sich zu, sol­che Chan­cen zu er­ken­nen und zu nut­zen – und er kann es auch be­le­gen. Zeit sei­nes Le­bens war er über­zeug­ter und über­zeu­gen­der Ver­fech­ter des ak­ti­ven An­sat­zes. In sei­nen Funk­tio­nen für die Fond­s­toch­ter der Deut­schen Bank, seit 1982 als Fonds­ma­na­ger, heu­te als glo­ba­ler Lei­ter Ak­ti­en, hat er im­mer wie­der de­mons­triert, dass es sehr wohl mög­lich ist, mit Ak­ti­en­fonds die Ver­gleichs­in­di­zes klar und über ei­ne län­ge­re Zeit zu über­tref­fen.

Ge­gen Markt­kon­sens

Er­folg­rei­ches ak­ti­ves In­ves­tie­ren be­deu­tet al­ler­dings auch, dass man zum Teil ge­gen den Markt­kon­sens han­deln muss und sich nicht be­ir­ren las­sen darf, wenn man wäh­rend län­ge­rer Zeit in Fra­ge ge­stellt wird, weil man an­geb­lich gründ­lich fal­schliegt. Dies er­klär­te Kal­de­mor­gen an ei­ner DWSIn­vest­ment­kon­fe­renz in Bad Ra­gaz (vgl. FuW Nr. 44 vom 9. Ju­ni), wo es um das Come­back des ak­ti­ven In­ves­tie­rens und die sich bie­ten­den An­la­ge­chan­cen ging. Be­son­ders gu­te Mög­lich­kei­ten sieht Kal­de­mor­gen heu­te für eu­ro­päi­sche Di­vi­den­den­wer­te, vor al­lem für Ak­ti­en von Un­ter­neh­men mit star­kem Ex­port­ge­schäft.

Was den DWS-Stra­te­gen heu­te aus kon­trä­rer Sicht zu­ver­sicht­lich stimmt, sind die vie­len Vor­ur­tei­le ge­gen­über Ak­ti­en­an­la-

Klaus Kal­de­mor­gen: gen und da­mit auch Ak­ti­en­fonds. «Dass die In­ves­to­ren ge­misch­te Ge­füh­le ge­gen­über Ak­ti­en ha­ben, kann ich ver­ste­hen, ha­ben sie doch in den letz­ten Jah­ren da­mit zwei­mal viel Geld ver­lo­ren. Die noch im­mer oft hef­ti­gen Kurs­be­we­gun­gen tra­gen zu­dem nicht da­zu bei, das Ver­trau­en in die Ak­ti­en als lang­fris­ti­ge An­la­ge zu ver­bes­sern», räumt Kal­de­mor­gen ein.

Vor­ur­tei­le

Die gän­gi­gen Vor­ur­tei­le, mit de­nen er im­mer wie­der kon­fron­tiert wird: In den letz­ten zehn Jah­ren konn­te mit Ak­ti­en kein Geld ver­dient wer­den, Ak­ti­en sind län­ger­fris­tig halt doch nicht bes­ser als Fest­ver­zins­li­che, Ak­ti­en sind für vie­le In­ves­to­ren zu ris­kant, die meis­ten Fonds kön­nen län­ger­fris­tig ih­re Re­fe­ren­zin­di­zes nicht über­tref­fen. All die­se Vor­ur­tei­le, die sich auch mit gu­ten Ge­gen­ar­gu­men­ten nicht aus der Welt schaf­fen las­sen, er­öff­nen da­für gu­te Mög­lich­kei­ten, sich zu at­trak­ti­ven Prei­sen (tie­fen Be­wer­tun­gen) am Ak­ti­en­markt zu en­ga­gie­ren.

Kei­nes­falls sei­en die letz­ten zehn Jah­re ein ver­lo­re­nes Jahr­zehnt für Ak­ti­en ge­we­sen, be­teu­ert Kal­de­mor­gen. Wer auf den fal­schen Markt, als pas­si­ver An­le­ger auf den fal­schen In­dex, ge­setzt ha­be und in­ves­tiert ge­blie­ben sei, ha­be in der Tat viel Geld ver­lo­ren. Zum Bei­spiel wenn er zehn Jah­re im MSCI-Welt­in­dex en­ga­giert ge­we­sen sei. Von April 2000 bis April 2010 ha­be die­ser glo­ba­le In­dex 25,3% ein­ge­büsst bzw. 2,9% pro Jahr (in Eu­ro). Ak­ti­ve An­le­ger in­des, die recht­zei­tig auf die Ver­schie­bung der wirt­schaft­li­chen Kräf­te in der Welt­wirt­schaft re­agiert und ei­nen Teil des Ver­mö­gens in die Schwel­len­län­der di­ver­si­fi­ziert hät­ten, hät­ten im sel­ben Zei­t­raum mit dem MSCI Emer­ging Mar­kets ei­ne Wert­stei­ge­rung von 100,3% oder 7,2% p. a. er­reicht. Mit ak­ti­vem Ma­nage­ment ha­be in den letz­ten Jah­ren viel Mehr­wert er­zielt wer­den kön­nen, be­tont Kal­de­mor­gen. Die un­ter­schied­li­che Ent­wick­lung der Per­for­mance ein­zel­ner Län­der, Re­gio­nen und Bran­chen er­öff­ne gu­te Chan­cen.

Auch den schon fast ge­bets­müh­len­ar­tig im­mer wie­der vor­ge­brach­ten Vor­wurf, die meis­ten ak­ti­ven Ak­ti­en­fonds könn­ten den Re­fe­ren­z­in­dex nicht über­tref­fen, hält Kal­de­mor­gen für falsch. Er ver­weist auf Er­geb­nis­se der Pro­duk­te aus sei­nem Haus, zu­dem sei­en Per­for­man­ce­ver­glei­che häu­fig be­wusst wis­sen­schaft­lich nicht kor­rekt durch­ge­führt wor­den.

Gros­se Chan­cen sieht Kal­de­mor­gen wei­ter­hin für Ak­ti­en­an­la­gen in den Schwel­len­län­dern. «Emer­ging-Mar­ket­sLän­der sind die glo­ba­len Wachs­tums­trei­ber, wäh­rend das Wachs­tum aus­ser­halb der Schwel­len­län­der we­gen der re­strik­ti­ven Fis­kal­po­li­tik un­ter­durch­schnitt­lich bleibt.» Sehr zu­ver­sicht­lich zeigt er sich so­dann für Län­der, die vom tie­fen Eu­ro- kurs pro­fi­tie­ren könn­ten, Län­der mit star­kem Ex­port­ge­schäft. Da­zu zählt er vor al­lem Deutsch­land. Noch sä­hen An­le­ger den tie­fen Eu­ro zu sehr als Ri­si­ko und zu we­nig als gros­se Chan­ce, sag­te Kal­de­mor­gen in Bad Ra­gaz. Eu­ro­päi­sche Ak­ti­en hält er heu­te für aus­ge­spro­chen at­trak­tiv be­wer­tet, und zwar so­wohl ver­gli­chen mit Fest­ver­zins­li­chen (vgl. Gra­fik) als auch mit ame­ri­ka­ni­schen Di­vi­den­den­pa­pie­ren.

Per­for­man­ce­trei­ber

Apro­pos Di­vi­den­de: Auch das ist ein Fak­tor, der laut Klaus Kal­de­mor­gen heu­te klar für Ak­ti­en spricht. In zahl­rei­chen Sek­to­ren sind heu­te in Eu­ro­pa die Di­vi­den­den­ren­di­ten aus­ge­spro­chen hoch, zum Bei­spiel Tele­com (5,6%), Ver­sor­ger (5,4%), Ener­gie (4,6%) und Phar­ma (3,5%). Di­vi­den­den­ren­di­ten schla­gen An­lei­hen­ren­di­ten klar, die Dif­fe­renz zwi­schen den bei­den be­fin­det sich auf ei­nem Mehr­jah­res­höchst. Die Di­vi­den­den sei­en ein wich­ti­ger Trei­ber der Per­for­mance. Lang­fris­tig tra­gen sie rund 40% zur Ge­samt­per­for­mance der Ak­ti­en­märk­te bei.

Noch et­was gibt der DWS-Ak­ti­en­stra­te­ge zu be­den­ken: Vom über­durch­schnitt­li­chen Po­ten­zi­al der Schwel­len­län­der kann nicht nur mit Di­rekt­an­la­gen pro­fi­tiert wer­den, son­dern auch über den Kauf aus­ge­wähl­ter Ak­ti­en von Ex­port­un­ter­neh­men aus In­dus­trie­län­dern, die in die Emer­ging Mar­kets ver­kau­fen – und dies sei erst noch der güns­ti­ge­re und ef­fek­ti­ve­re Weg. Als Ex­po­nent ei­ner füh­ren­den Fonds­ge­sell­schaft rät Kal­de­mor­gen denn auch we­ni­ger zum Kauf von Ein­zel­ti­teln, son­dern zu Fonds. Zum Bei­spiel zum DWS Ak­ku­mu­la. Die­ser welt­weit an­le­gen­de, eher de­fen­siv auf­ge­stell­te Ak­ti­en­fonds ge­hört üb­ri­gens zu den Fonds, die die Bench­mark (MSCI Welt) auch län­ger­fris­tig über­tref­fen konn­ten (fünf Jah­re: +37,3%; MSCI Welt: +18,1%).

«Über Ex­port­un­ter­neh­men in Schwel­len­län­der in­ves­tie­ren.»

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