Die Gips er­hal­ten ein Face­lif­ting

Das CFA In­sti­tu­te über­ar­bei­tet die An­la­ge­per­for­man­ce­stan­dards – Chan­ce für al­ter­na­ti­ve Ma­na­ger

Finanz und Wirtschaft - - FONDS - SU­SAN­NE KLEMM UND EU­GE­NE SKRYNNYK

Die Glo­bal In­vest­ment Per­for­mance Stan­dards (Gips) sind ein 1999 erst­mals ver­öf­fent­lich­tes Selbst­re­gu­lie­rungs­werk. Da­mit wird die An­la­ge­per­for­mance von In­vest­ment­ge­sell­schaf­ten dar­ge­stellt. Im Fe­bru­ar hat das CFA In­sti­tu­te, die Be­rufs­ver­ei­ni­gung von In­vest­ment­spe­zia­lis­ten, mit Gips 2010 tur­nus­ge­mäss ei­ne um­fas­sen­de Über­ar­bei­tung der Stan­dards ver­öf­fent­licht. Die we­sent­li­chen Punk­te in der Aus­rich­tung nach Gips und ihr stra­te­gi­scher Wert sei­en hier kurz dar­ge­stellt.

Be­richt­er­stat­tung

Um ein Gips-kon­for­mes Be­triebs­mo­dell auf­zu­bau­en, soll­ten sich die Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­sell­schaf­ten zu­nächst mit der Per­for­man­ce­be­richt­er­stat­tung be­fas­sen. Ein Be­triebs­mo­dell mit Be­tei­li­gung und Über­wa­chung durch das Ma­nage­ment führt zu ei­ner lang­fris­ti­gen Über­ein­stim­mung mit Gips. Sie stel­len Fol­gen­des si­cher: die Er­fas­sung von Da­ten, ih­re Pfle­ge und Kor­rek­tur, die Com­po­si­teVer­wal­tung, die Be­rech­nung von Per­for­mance und Ver­mö­gen, das Per­for­mance Re­porting und sei­ne Prä­sen­ta­ti­on so­wie die Da­ten­ar­chi­vie­rung. Im Rah­men der Gips stellt ein Com­po­si­te ei­ne Ag­gre­ga­ti­on ei­nes oder meh­re­rer in­di­vi­du­el­ler Port­fo­li­os dar, die ge­mäss ei­ner ver­gleich­ba­ren An­la­ge­stra­te­gie ver­wal­tet wer­den.

In den Au­gen ei­ni­ger In­vest­ment­ge­sell­schaf­ten und Füh­rungs­kräf­te im Be­reich der al­ter­na­ti­ven An­la­gen sind die Gips in ih­ren Un­ter­neh­men nicht an­wend­bar – ein Ein­druck, der über­holt ist. Ei­ner­seits ent­hal­ten die Gips be­reits heu­te schon spe­zi­fi­sche Struk­tu­ren für den Be­reich der al­ter­na­ti­ven In­stru­men­te wie Im­mo­bi­li­en-und Pri­va­te-Equi­ty-An­la­gen. An­de­rer­seits emp­feh­len ver­schie­de­ne Bran­chen­ver­bän­de und Ar­beits­grup­pen, dar­un­ter das Hedge Fund Stan­dards Bo­ard in Gross­bri­tan­ni­en und die Pre­si­dent’s Wor­king Group on Fi­nan­ci­al Mar­kets in den USA, Gips zu über­neh­men. Es ist vor­ge­se­hen, die­ses Jahr ein Gui­dance State­ment zu pu­bli­zie­ren, das in an­lei­ten­der Form auf Hedge Funds und ih­re Be­hand­lung im Rah­men der Gips ein­geht.

An­le­ger pro­fi­tie­ren

Von In­vest­ment­ge­sell­schaf­ten wird heu­te er­war­tet, dass die aus­ge­wie­se­ne Per­for­mance ex­akt und ve­ri­fi­ziert ist. Mit stei­gen­der Be­deu­tung von Markt-, ope­ra­ti­ven und auf­sichts­recht­li­chen Ri­si­ken ver­lan­gen An­le­ger ro­bus­te­re Ri­si­ko-und Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Grund­sät­ze. Auch zie­hen sie im­mer mehr al­ter­na­ti­ve An­la­gen in Be­tracht und möch­ten die An­ge­bo­te ver­glei­chen. Des­halb for­dern sie stär­ker stan­dar­di­sier­te und ver­läss­li­che­re Per­for­mance-und Ri­si­ko­dar­stel­lun­gen. Gips­kon­for­me Fir­men wer­den die­sen An­for­de­run­gen eher ge­recht als In­vest­ment­ge­sell­schaf­ten, die Gips nicht über­neh­men. So ge­winnt der Be­griff der Trans­pa­renz an Be­deu­tung. Am meis­ten pro­fi­tie­ren An­le­ger von den Gips, da die Pro­dukt­da­ten in ei­nem ver­gleich­ba­ren For­mat vor­lie­gen.

Glei­ches gilt für die Darstel­lung des Per­for­man­ce­aus­wei­ses der Ver­mö­gens­ver­wal­ter. Hedge-Fund-Ma­na­ger ha­ben da­mit be­gon­nen, Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­man­da­te zu be­treu­en. Gips-kon­for­me Ma­na­ger stel­len so den Track Re­cord ih­rer Man­da­te mit ei­nem oder meh­re­ren Com­po­si­tes dar. Da­mit lässt sich die Per­for­mance des Hedge Fund und der Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­man­da­te, die nach ei­ner ähn­li­chen An­la­ge­stra­te­gie ver­wal­tet wer­den, bes­ser ver­glei­chen. Auch der Be­griff der Re­pu­ta­ti­on ist wich­tig.

Gips Com­p­li­an­ce macht den Per­for­mance-Track-Re­cord glaub­wür­dig, ins­be­son­de­re wenn er un­ab­hän­gig ve­ri­fi­ziert wor­den ist. Nach Gips han­deln­de al­ter­na­ti­ve In­vest­ment­ma­na­ger wen­den Best­Prac­tice-Pro­zes­se und -Ver­fah­ren an, die ih­re ope­ra­ti­ven Ri­si­ken ver­rin­gern. Schliess­lich hel­fen die Gips, al­ter­na­ti­ve Ma­na­ger ge­nau­so sorg­fäl­tig aus­zu­wäh­len und zu über­prü­fen wie tra­di­tio­nel­le. Un­se­re Er­fah­rung zeigt, dass die An­wen­dung der Gips ein Wett­be­werbs­vor­teil ist.

Die wich­tigs­ten Gips-An­pas­sun­gen: Ver­mö­gens­wer­te oh­ne Markt­preis sind nach dem Fair-Va­lue-Prin­zip zu be­wer­ten. Gips 2010 ent­hal­ten Be­wer­tungs­grund­sät­ze, die sich an in­ter­na­tio­na­le Rech­nungs­le­gungs­grund­sät­ze an­leh­nen, und emp­feh­len ei­ne Be­wer­tungs­hier­ar­chie. Die In­vest­ment­ge­sell­schaf­ten ha­ben die Vo­la­ti­li­tät (Stan­dard­ab­wei­chung) der Com­po­si­te-und der Bench­mark-Ren­di­te auf der Ba­sis von Mo­nats­da­ten der letz­ten drei Jah­re aus­zu­wei­sen. Zu­dem müs­sen sie ein wei­te­res Ri­si­ko­mass ver­öf­fent­li­chen, wenn sie der An­sicht sind, dass die Vo­la­ti­li­tät kein für die Stra­te­gie re­le­van­tes oder an­ge­mes­se­nes Ri­si­ko­mass ist. Mit die­sen Ver­pflich­tun­gen wird die Be­deu­tung des Ri­si­kos in den Gips ver­an­kert.

Ve­ri­fi­zie­rungs­sta­tus

Im Im­mo­bi­li­en­be­reich gilt, dass ab 1. Ja­nu­ar 2012 Lie­gen­schaf­ten min­des­tens ein­mal jähr­lich durch ei­nen un­ab­hän­gi­gen Gut­ach­ter be­wer­tet wer­den, so­fern mit den An­le­gern nichts an­de­res ver­ein­bart wur­de. An­dern­falls wird die Be­wer­tung min­des­tens al­le drei Jah­re durch ei­nen ex­ter­nen Gut­ach­ter durch­ge­führt.

Im Gips Com­p­li­an­ce State­ment sind An­ga­ben zum Ve­ri­fi­zie­rungs­sta­tus der Ge­sell­schaf­ten er­for­der­lich. Sie müs­sen künf­tig klar dar­le­gen, ob sie von un­ab­hän­gi­ger Sei­te ve­ri­fi­ziert bzw. nicht ve­ri­fi­ziert wur­den. Die Darstel­lung der Per­for­man­ce­er­geb­nis­se für die Zeit nach dem 1. Ja­nu­ar 2011 muss mit den Gips-Re­geln von 2010 über­ein­stim­men. Zu­dem ha­ben Gips­kon­for­me Ge­sell­schaf­ten auch Gui­dance State­ments und In­ter­pre­ta­tio­nen zu be­ach­ten (www.gips­stan­dards.org), die im Ver­lauf von 2010 eben­falls an­ge­passt wer­den, nicht nur die Stan­dards selbst. Su­san­ne Klemm, Se­ni­or Ma­na­ger, He­ad In­vest­ment Per­for­mance Ser­vices, Eu­ge­ne Skrynnyk, Ma­na­ger, As­set Ma­nage­ment, Ernst & Young.

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