Ers­ter ETF auf Öl in Eu­ro­pa

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In­ves­to­ren, die an ei­ner all­fäl­li­gen Stei­ge­rung des Öl­prei­ses par­ti­zi­pie­ren möch­ten, hat­ten es bis­lang nicht ein­fach, ein ge­eig­ne­tes An­la­ge­instru­ment zu fin­den. Ak­ti­en von För­de­rern und Pro­du­zen­ten tra­gen das Un­ter­neh­mens­ri­si­ko und bil­den die Ent­wick­lung des Öl­prei­ses nur zum Teil ab. Ein ent­spre­chen­der Fonds di­ver­si­fi­ziert zwar das Ti­tel­ri­si­ko, ist den Ent­wick­lun­gen der Bran­che als Gan­zes je­doch eben­falls aus­ge­setzt. Wer­den die re­gu­la­to­ri­schen An­for­de­run­gen und Si­cher­heits­stan­dards stren­ger, z. B. als Fol­ge der jüngs­ten Um­welt­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko, könn­te die Bran­che lei­den, ob­wohl der Öl­preis steigt.

We­ni­ger Roll­ver­lust

Fu­tures ( Ter­min­kon­trak­te) bil­den di­rekt den Preis für Roh­öl ab, wei­sen aber die Pro­ble­ma­tik des Rol­lens auf: Da­mit es nicht zu ei­ner phy­si­schen Lie­fe­rung kommt und län­ger­fris­ti­ge En­ga­ge­ments mög­lich wer­den, wird der Fu­tures je­weils vor dem Lie­fer­ter­min ver­kauft. Mit dem Er­lös wird ein neu­er Kon­trakt mit ei­nem spä­te­ren Lie­fer­ter­min er­wor­ben.

Ist der neue Kon­trakt güns­ti­ger als der aus­lau­fen­de (Back­war­da­ti­on), bleibt dem An­le­ger ein Roll­ge­winn. Im um­ge­kehr­ten Fall (Con­tan­go) re­sul­tiert ein Roll­ver­lust, der die Per­for­mance emp­find­lich be­ein­träch­ti­gen kann – wie ver­gan­ge­nes Jahr in Roh­öl. Struk­tu­rier­te Pro­duk­te auf Roh­stoff­in­di­zes, die den Vor­teil ei­nes ge­rin­gen Min­dest­an­la­ge­be­trags ha­ben, ba­sie­ren eben­falls auf Fu­tures.

Ver­schie­de­ne Roh­stoff­in­di­zes op­ti­mie­ren das Rol­len recht er­folg­reich. Der UBS Bloom­berg Con­stant Ma­tu­ri­ty In­dex (CMCI) in­ves­tiert in Fu­tures ver­schie­de­ner Fris­tig­keit und hält je­weils die Rest­lauf­zeit kon­stant. Auch der S&P GSCI und der Rici exis­tie­ren in er­wei­ter­ten (En­han­ced-)Ver­sio­nen, die ver­su­chen, die Ei­gen­schaf­ten der Ter­min­kur­ve aus­zu­nut­zen und sai­so­na­len Ge­ge­ben­hei­ten ge­recht zu wer­den. Die ent­spre­chen­den Zer­ti­fi­ka­te auf die­se In­di­zes stel­len un­ge­si­cher­te Schuld­ver­schrei­bun­gen der Emit­ten­ten dar – der An­le­ger trägt al­so das Ge­gen­par­tei­en­ri­si­ko – und oft teu­er.

Kein Ge­gen­par­tei­en­ri­si­ko

UBS lan­cier­te am Di­ens­tag den ers­ten ko­tier­ten Öl­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Fund, ETF) für den eu­ro­päi­schen Markt. Er ist in Dol­lar auf­ge­legt und rich­tet sich an pri­va­te In­ves­to­ren. An­teils­klas­sen für in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger so­wie in Eu­ro sind ge­plant. ETF sind recht­lich ge­se­hen Son­der­ver­mö­gen und ber­gen so­mit kein Emit­ten­ten­ri­si­ko. Ba­sis­wert des Öl-ETF ist der WTI CMCI Cru­de Oil In­dex, die Re­pli­ka­ti­on er­folgt syn­the­tisch durch den Ein­satz von Swaps. Sym­pa­thisch ist, dass die­se Tat­sa­che im Pro­dukt­na­men durch den Zu­satz SF (für Struc­tu­red Fund) klar er­sicht­lich ist.

An­ge­spro­chen auf das Ge­gen­par­tei­en­ri­si­ko der Swap-Trans­ak­tio­nen er­klärt Chris­ti­an Gast, Lei­ter ETF UBS: «SwapGe­gen­par­tei ist die UBS In­vest­ment Bank. Das Ge­gen­par­tei­ri­si­ko ist zu min­des­tens 100% voll­stän­dig be­si­chert. Als Si­cher­heit die­nen Staats­an­lei­hen ho­her Qua­li­tät, der Korb wird täg­lich über­wacht.»

Ob­schon UBS ih­re ETF seit Jah­ren grund­sätz­lich phy­sisch re­pli­ziert, wur­de für das neue Pro­dukt die syn­the­ti­sche Ab­bil­dung ge­wählt. Gast er­läu­tert: «Die syn­the­ti­sche Re­pli­ka­ti­on er­mög­licht den Zu­gang zu Roh­stof­fen wie Öl, wel­che auf Grund der not­wen­di­gen La­ger­ka­pa­zi­tät mit phy­si­scher Re­pli­ka­ti­on bis­her nicht ab­ge­deckt wer­den konn­ten. Die phy­si­sche La­ge­rung des Roh­öls wä­re zu teu­er, und zu­dem könn­ten die Vor­tei­le des op­ti­mier­ten Rol­lpro­zess des CMCI-Kon­zepts nicht zum Tra­gen kom­men.»

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