Tot­ge­sag­te le­ben län­ger

Bör­se trotzt schlech­ter Nach­rich­ten­la­ge – Fi­nanz­wer­te stüt­zen – Neu­es aus der Phar­ma­bran­che

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - THO­MAS WYSS

Das war ei­ne schlech­te Wo­che – für Crash­pro­phe­ten. Er­neut wa­ren Spe­ku­la­tio­nen über die Pro­ble­me von Spa­ni­en ein The­ma, und die Ängst­li­chen flüch­te­ten in Fran­ken und Gold. Die Ak­ti­en­märk­te hiel­ten sich je­doch über­ra­schend gut, ob­wohl de­fen­si­ve Wer­te nicht bril­lier­ten. Der SMI wur­de durch Fi­nanz­ti­tel, vor­ab UBS, ge­stützt und stieg in der Wo­che 0,3% auf 6447,1.

Das ist ab­so­lut ge­se­hen kei­ne be­rau­schen­de Per­for­mance. Mit Blick auf die Spe­ku­la­tio­nen um Spa­ni­en und an­de­re Ängs­te zeigt sich die Schwei­zer Bör­se je­doch re­sis­tent. Ein Grund da­für könn­te auch die Tat­sa­che sein, dass in un­si­che­ren Zei­ten nicht nur der Fran­ken und Gold, son­dern auch die Bör­se Schweiz zu den Ge­win­nern ge­hört. Mel­dun­gen, der­zeit wür­den aus Eu­ro­pas Kri­sen­län­dern Gel­der en mas­se in die Schweiz trans­fe­riert, ge­ben zu­erst Bank­ak­ti­en Im­pul­se. Letzt­lich sind sol­che Geld­flüs­se je­doch ge­eig­net, den ge­sam­ten Ak­ti­en­markt zu stüt­zen. Das Geld will an­ge­legt sein, und ein Teil lan­det in Schwei­zer Ak­ti­en.

Ra­ke­te UBS

Die­ser Fak­tor und die ge­ne­rel­le Geld­schwem­me sind ge­eig­net, den Ak­ti­en­markt auch in den nächs­ten Wo­chen zu stüt­zen. Die Chan­cen auf ein Som­mer­ral­ly sind so ge­se­hen in­takt. Da­zu kommt, dass der­zeit nichts dar­auf hin­deu­tet, dass die Halb­jah­res­zah­len ent­täu­schen wer­den. Ver­steck­te Ge­winn­war­nun­gen blie­ben bis­her aus, wo­mit da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass die Zah­len die Er­war­tun­gen min­des­tens er­fül­len wer­den.

Im Fi­nanz­sek­tor wird die Lis­te der gröss­ten Wo­chen­ge­win­ner von UBS (+6,9%) an­ge­führt. Der Ent­scheid des Schwei­zer Par­la­ments, den Staats­ver­trag mit den USA in Sa­chen USA zu ge­neh­mi­gen, wur­de von den In­ves­to­ren ganz of­fen­sicht­lich gou­tiert. Die Ra­ke­te UBS wä­re wohl noch hö­her ge­stie­gen, hät­te CEO Os­wald Gr­ü­bel am Frei­tag nicht ein Brems­ma­nö­ver ein­ge­lei­tet (vgl. Sei­te 15). Er warn­te, ein zu for­sches Vor­ge­hen der Schweiz in der To-big-to-fail-Fra­ge könn­te der Schwei­zer Volks­wirt­schaft gros­sen Scha­den zu­fü­gen. Falls die aus­län­di­schen Zweigstellen der Gross­ban­ken di­rekt mit Ka­pi­tal aus­ge­stat­tet wer­den müss­ten, wür­de das die bei­den Gross­ban­ken 100 Mrd. Fr. kos­ten.

Die Tak­tik von Gr­ü­bel, die Pro­ble­ma­tik auf die­se Art und Wei­se in die Öf­fent­lich- keit zu tra­gen, wirft Fra­gen auf. Ei­ne mög­li­che Ant­wort gibt er in ei­nem In­ter­view mit dem «Ta­ges-An­zei­ger». In an­de­rer Sa­che sagt Gr­ü­bel: «Wir möch­ten das wei­te­re Vor­ge­hen mit dem Bun­des­rat dis­ku­tie­ren.» Das deu­tet dar­auf hin, dass die­ser Dia­log ver­bes­se­rungs­fä­hig ist und sich UBS ge­zwun­gen sieht, via Me­di­en mit den Be­hör­den zu spre­chen.

In der Ver­si­che­rungs­bran­che war­ten Ak­teu­re auf die In­ves­to­ren­kon­fe­renz von Zu­rich Fi­nan­ci­al Ser­vices (+4,4%) am Di­ens­tag. Swiss Li­fe (+0,4%, vgl. Sei­te 17) fal­len aus dem SMI und wer­den durch Tran­so­ce­an er­setzt.

Nest­lé kauft Ak­ti­en

Nest­lé (–1,8%) wird sein In­ves­to­r­en­se­mi­nar am Mon­tag und Di­ens­tag durch­füh­ren. Am Frei­tag gab der Nah­rungs­mit­tel­kon­zern be­kannt, dass das im Au­gust 2007 be­gon­ne­ne Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm über ge­samt­haft 25 Mrd. Fr. mit dem rest­li­chen Ak­ti­en­rück­kauf in der Hö­he von 10 Mrd. Fr. ab­ge­schlos­sen ist. Seit 13. Au­gust 2009 hat Nest­lé 203,4 Mio. ei­ge­ne Ak­ti­en im Ge­samt­wert von 10 Mrd. Fr. er­wor- ben, zum Durch­schnitts­preis von 49.17 Fr. Der durch­schnitt­li­che Kauf­preis je Ak­tie für das ge­sam­te Pro­gramm über 25 Mrd. Fr. be­trug 48.31 Fr. Von den zu­rück­ge­kauf­ten Ak­ti­en wer­den 185 Mio. noch im Ju­ni ver­nich­tet, das Ak­ti­en­ka­pi­tal wird dem­ent­spre­chend (um rund 5%) her­ab­ge­setzt.

Am 29. Ju­ni wird ein neu­es Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm in der Hö­he von 10 Mrd. Fr. ein­ge­lei­tet, das im Ver­lauf von 2011 ab­ge­schlos­sen wer­den soll­te. Nest­lé er­war­tet, im Rah­men des neu­en Pro­gramms Ak­ti­en für rund 5 Mrd. Fr. in der zwei­ten Jah­res­hälf­te zu­rück­zu­kau­fen. Die­se Mass­nah­men stüt­zen den Kurs und ver­dich­ten den Ge­winn je Ak­tie.

Ro­che (–0,2%) gab be­kannt, dass sich die Ent­wick­lung des neu­ar­ti­gen Dia­be­tesMe­di­ka­men­tes Taspog­lutid, we­gen Ne­ben­wir­kun­gen um 12 bis 18 Mo­na­te ver­län­gern dürf­te. Das hat die Ana­lys­ten über­rascht und den Bör­sen­kurs am Frei­tag un­ter Druck ge­setzt. Taspog­lutid ist ei­nes der we­ni­gen Ent­wick­lungs­pro­gram­me von Ro­che aus­ser­halb des für den Kon­zern do­mi­nan­ten Krebs­be­reichs.

Da­ge­gen mel­de­te No­var­tis (Ak­ti­en –2,6%) die Zu­las­sung des Blut­krebs­prä­pa­ra­tes Ta­si­gna als Erst­be­hand­lungs­the­ra­pie ge­gen CML-Blut­krebs. Ta­si­gna ist ein Nach­fol­ge­prä­pa­rat für Gli­vec; die Zu­las­sung war er­war­tet wor­den, wes­halb ei­ne Kurs­re­ak­ti­on aus­blieb.

San­the­ra (+25,2%) war­te­te nach dem Fehl­schlag im Mai, als das Prä­pa­rat Id­ebe­no­ne ge­gen Fried­reich-Mus­kel­schwund kei­ne Wir­kung zeig­te, mit po­si­ti­ven Test­da­ten für den­sel­ben Wirk­stoff ge­gen ei­ne sel­te­ne Au­gen­krank­heit auf (vgl. Sei­te 14).

War­ten auf Tran­so­ce­an

Der Win­ter­thu­rer Kon­zern Rie­ter (+3,3%) ver­kauft das zur Au­to­spar­te ge­hö­ren­de Un­ter­neh­men Idea In­sti­tu­te an die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Quan­tum Ka­pi­tal. Ein Preis wur­de nicht ge­nannt. Die auf De­si­gn­ent­wick­lun­gen spe­zia­li­sier­te ita­lie­ni­sche Ge­sell­schaft be­schäf­tigt rund 155 Mit­ar­bei­ter. Rie­ter be­grün­det den Schritt mit der Kon­zen­tra­ti­on aufs Kern­ge­schäft.

Der In­ves­to­ren­tag von Schaff­ner am Don­ners­tag (vgl. Ex­po­sé auf Sei­te 13) sti­mu­lier­te den Ak­ti­en­kurs des In­dus­trie­un­ter­neh­mens (+5,6%). Die Chan­cen ste­hen gut, dass die Pro­gno­sen für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr über­trof­fen wer­den.

Zu den Ge­win­nern zähl­ten auch Tran­so­ce­an (+10,9%). Die Ti­tel der Öl­bohr­ge­sell­schaft, die am Frei­tag nach Han­dels­schluss in den SMI auf­ge­nom­men wur­den, pro­fi­tier­ten von ver­schie­de­nen Fak­to­ren. Die Aus­sa­gen des CEO Ste­ven New­man vor ei­nem Aus­schuss in den USA zur Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko sorg­ten für Ver­trau­en. Zu­dem brach­te der von BP ein­ge­rich­te­te Fonds über 20 Mrd. $ zur Be­wäl­ti­gung der Öl­ka­ta­stro­phe Ru­he. Auch der drei­fa­che Op­ti­ons­ver­fall zeig­te Wir­kung. Den gröss­ten Ein­fluss hat­ten je­doch Zu­käu­fe im Vor­feld der SMI-Auf­nah­me. Der Han­dels­um­satz war mehr als zehn­mal so hoch wie vor Wo­chen­frist.

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