Fran­ken im Höchst

DE­VI­SEN SNB gibt die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta frei – Gre­en­back tritt in Schwä­che­pha­se ein

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) hält in ih­rer geld­po­li­ti­schen La­ge­be­ur­tei­lung vom Don­ners­tag fest, dass sich die Eu­ro­schwä­che ge­gen­über dem Fran­ken brem­send auf die Ex­port­ak­ti­vi­tät aus­wir­ke. Aber die­se wer­de von der wach­sen­den Aus­land­nach­fra­ge ge­stützt. Zu­dem ent­wick­le sich der Bin­nen­sek­tor wei­ter güns­tig. Für das lau­fen­de Jahr rech­net die SNB mit ei­nem rea­len Wachs­tum des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) von 2%. Sie fügt an, dass an­ge­sichts die­ser er­freu­li­chen Ent­wick­lung das De­fla­ti­ons­ri­si­ko weit­ge­hend ver­schwun­den sei. Den Leit­zins be­lässt die SNB im bis­he­ri­gen Ziel­band von 0 bis 0,75% (vgl. Sei­te 5 und 31).

Mit dem «ver­schwun­de­nen De­fla­ti­ons­ri­si­ko» hat die No­ten­bank den Kurs der hel­ve­ti­schen Va­lu­ta wie­der frei­ge­ge­ben – die seit ver­gan­ge­nem März vor­ge­nom­me­ne Steue­rung des Fran­ken­kur­ses hat­te sie je­weils mit dem Ver­mei­den ei­ner De­fla­ti­on be­grün­det. Der Eu­ro re­agier­te un­ver­züg­lich und er­reich­te am Frei­tag auf 1,373 Fr./€ ein his­to­ri­sches Tief.

Tests schaf­fen Ver­trau­en

Zwar hat die eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­wäh­rung zum Fran­ken an Wert ver­lo­ren, zum Dol­lar hin­ge­gen konn­te sie sich in der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che fes­ti­gen. Das meist ge­han­del­te Wäh­rungs­paar no­tier­te am Frei­tag 1.24 $/€, ge­gen­über der Vor­wo­che im­mer­hin 3 Cent hö­her.

Die De­vi­sen­ex­per­ten von Bar­clays füh­ren die Be­we­gung auf drei Ur­sa­chen zu­rück: Ers­tens ha­be die eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­wäh­rung von der er­folg­rei­chen An­lei­hen­auk­ti­on Spa­ni­ens pro­fi­tiert (vgl. Text­kas­ten rechts). Zu­sätz­li­ches Ver­trau­en ge­schaf­fen ha­be die ab Ju­li vor­ge­se­he­ne Ver­öf­fent­li­chung der Ban­kenS­tress­tests durch die EU – ein Schritt, der wohl kaum er­wo­gen wor­den wä­re, falls wei­te­re Fi­nanz­markt­tur­bu­len­zen be­fürch­tet wür­den (vgl. Sei­te 32). Als zwei­ten Grund der Gre­en­back-Schwä­che füh­ren die Ex­per­ten die jüngs­ten, un­vor­teil­haft aus­ge­fal­le­nen ame­ri­ka­ni­schen Kon­junk­tur­da­ten an. Und drit­tens er­lau­be das der­zei­ti­ge Ni­veau der US-In­fla­ti­on der No­ten­bank, das Zins­ni­veau tief zu hal­ten.

Bar­clays er­war­tet aber, dass sich der Gre­en­back zum Eu­ro und Yen wie­der fes­ti­gen wird. Noch sei die Kri­se der Eu­ro­zo­ne nicht über­stan­den. Es sei frag­lich, ob Grie­chen­land den Staats­haus­halt sa­nie­ren kön­ne. Zu­sätz­lich wer­de die Fis­kal­kon­so­li­die­rung der üb­ri­gen Staa­ten der Eu­ro­zo­ne das Wachs­tum hem­men – ei­ne lo­cke­re Geld­po­li­tik und schwa­che Wäh­rung sei in die­sem Zu­sam­men­hang ein er­wünsch­tes, stüt­zen­des Ele­ment. Im Fal­le Ja­pans rech­nen die Ex­per­ten mit ei­ner wei­ter­hin deut­lich un­ter­schied­li­chen Geld­po­li­tik. Die Zins­dif­fe­renz wer­de zu­guns­ten der USA zu­neh­men und der Dol­lar an Wert ge­win­nen. Hin­ge­gen ab­wer­ten wer­de sich der Gre­en­back zum Pfund, denn die Ri­si­ko­prä­mie auf die bri­ti­sche Va­lu­ta ver­rin­ge­re sich. Eben­so wer­de der Teue­rungs­druck die Bank of En­g­land bald zu ei­nem Zins­schritt ver­an­las­sen. Schwä­cher no­tie­ren wer­de die US-Va­lu­ta ge­ne­rell ge­gen­über zy­kli­schen Wäh­run­gen.

Im Ge­gen­satz zu bi­la­te­ra­len Wech­sel­kur­sen – dem Ver­hält­nis zwei­er Wäh­run­gen – lie­fern han­dels­ge­wich­te­te In­di­zes ein um­fas­sen­de­res Bild. Die­ser ef­fek­ti­ve Wech­sel­kurs wird aus den Wäh­run­gen der wich­tigs­ten Han­dels­part­ner ge­bil­det. Die der­zei­ti­ge Fran­ken­stär­ke spie­gelt sich auch im han­dels­ge­wich­te­ten In­dex (vgl. Gra­fik). Der Par­al­lel­ver­lauf der bei­den Kur­ven er­staunt nicht, ist doch die Eu­ro­zo­ne mit Ab­stand der wich­tigs­te Han­dels­part­ner der Schweiz.

An­ders ist die Si­tua­ti­on für den Dol­lar und Eu­ro: Der han­dels­ge­wich­te­te Eu­ro­in­dex spie­gelt ei­ne kla­re Schwä­che. Die Be­we­gung auf der Dol­lar­se­i­te ist je­doch we­ni­ger aus­ge­prägt, als es die Kurs­ent­wick­lung des Paars Dol­lar-Eu­ro ver­mu­ten lässt (vgl. Gra­fi­ken rechts). Wich­tigs­ter Han­dels­part­ner der USA ist nicht die Eu­ro­zo­ne, son­dern sind Ka­na­da (Ex­por­te) und Chi­na (Im­por­te).

Apro­pos Chi­na: Am 26. und 27. Ju­ni tref­fen sich die Re­gie­rungs­chefs der G-20 in To­ron­to. Be­reits im Vor­feld ver­bit­tet sich Chi­na ei­ne Wäh­rungs­dis­kus­si­on: «Der Ren­min­bi ist Chi­nas Wäh­rung, dar­über soll­te nicht auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne dis­ku­tiert wer­den», liess ein Re­gie­rungs­ver­tre­ter ver­lau­ten. Die Zen­tral­bank zog am sel­ben Strick: «Die Re­gie­rung wird über ih­re Wech­sel­kurs­po­li­tik ge­mäss der hei­mi­schen und glo­ba­len Wirt­schafts­la­ge ent­schei­den». Der Ren­min­bi gilt als bis zu 40% un­ter­be­wer­tet.

Is­land bald in der EU?

Im Ju­li des ver­gan­ge­nen Jah­res hat­te Is­land ei­nen An­trag zur Auf­nah­me in die EU ein­ge­reicht. Letz­ten Don­ners­tag ha­ben die EU-Mit­glie­der be­schlos­sen, die Bei­tritts­ge­sprä­che zu er­öff­nen. Doch noch im­mer ist ein wich­ti­ger Punkt of­fen: das Ices­a­veAb­kom­men. Die­ses war in ei­nem Volks­ent­scheid ab­ge­lehnt wor­den. Un­klar ist, ob und wie bri­ti­sche und nie­der­län­di­sche Gläu­bi­ger ent­schä­digt wer­den.

Zu­sätz­lich er­war­tet die EU von Is­land ei­ne Öff­nung der Ge­wäs­ser für die Fisch­fang­flot­ten – dies war mit­un­ter ein Grund, wes­halb die In­sel der EU bis an­hin nicht bei­tre­ten woll­te. Die Fi­sche­rei ist für 8% des is­län­di­schen BIP ver­ant­wort­lich. Da Is­land be­reits Mit­glied des Eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­raums und der Schen­genzo­ne ist, er­füllt der Staat be­reits ei­nen Gross­teil der Kri­te­ri­en für die Auf­nah­me in die EU. Die Uni­on führt auch Bei­tritts­ver­hand­lun­gen mit Kroa­ti­en und der Tür­kei.

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