Wirt­schafts­da­ten un­ter den Er­war­tun­gen

Wal­ls­treet ten­diert hö­her dank Spa­ni­ens er­folg­rei­cher Pla­zie­rung von Staats­an­lei­hen – Le­bens­mit­tel­bran­che setzt po­si­ti­ve Zei­chen – Chev­ron mit Pro­jekt in Russ­land

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - MI­SCHA STÜNZI

Er­nüch­ternd fal­len die ak­tu­el­len Wirt­schafts­zah­len in den USA aus. Der Phil­ly-Fed-In­dex, ein In­di­ka­tor für die Wirt­schafts­tä­tig­keit in der Re­gi­on Phil­adel­phia, sank von 21,4 Punk­ten im Mai auf 8 Punk­te. Da­mit er­reicht er den tiefs­ten Stand seit zehn Mo­na­ten. Der In­dex­stand im Plus zeigt aber, dass die Wirt­schafts­er­ho­lung wei­ter­geht, wenn auch auf deut­lich tie­fe­rem Ni­veau. An­lass zur Sor­ge ge­ben auch die zahl­rei­chen Neu­an­trä­ge auf Ar­beits­lo­sen­gel­der. Ent­ge­gen den Er­war­tun­gen sprang ih­re Zahl letz­te Wo­che um 12 000 auf 472 000. Erst wenn sich we­ni­ger als 425 000 Per­so­nen bei der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung an­mel­den, kön­ne von ei­ner nach­hal­ti­gen Wirt­schafts­er­ho­lung ge­spro­chen wer­den, sa­gen Öko­no­men. Der Se­nat hat sich zu­dem am Don­ners­tag ge­gen die von Ba­rack Oba­ma be­an­trag­te Ver­län­ge­rung der tem­po­rä­ren Zu­satz­ar­beits­lo­sen­gel­der aus­ge­spro­chen.

Be­reits am Mitt­woch wur­de be­kannt, dass die Neu­bau­be­gin­ne im Mai un­er­war­tet stark ein­ge­bro­chen sind. Ana­lys­ten ha­ben zwar da­mit ge­rech­net, dass nach dem Weg­fal­len der staat­li­chen Sub­ven­tio­nen we­ni­ger Häu­ser ge­baut wür­den. Der Rück­gang von 10% war aber mar­kant hö­her als pro­gnos­ti­ziert und schick­te die Ti­tel der Bran­che – un­ter an­de­rem Pul­te (9.51 $ am Don­ners­tag, –2,7% im Wo­chen­ver­gleich) und Toll Bro­thers (18.03 $, –4,2%) – auf ei­ne Tal­fahrt, die am Don­ners­tag an­hielt. Für die na­he Zu­kunft ist kei­ne Bes­se­rung in Sicht: Die Zahl der Bau­be­wil­li­gun­gen fiel im Mai 5,9%, ob­wohl ein An­stieg von 2,6% er­war­tet wor­den war.

Smu­cker’s sind ge­fragt

Die un­er­freu­li­chen Ma­kro­da­ten ha­ben die Bör­sen am Don­ners­tag zwi­schen­zeit­lich ins Mi­nus ge­zo­gen. Po­si­ti­ve Nach­rich­ten aus Spa­ni­en über die ge­lun­ge­ne Pla­zie­rung von Staats­an­lei­hen sorg­ten aber für gu­te Stim­mung in Wal­ls­treet. Zu­dem zog App­le (271.87 $, +8,5%) die Bör­se nach oben. Das neue iPho­ne ent­wi­ckelt sich zum Ver­kaufs­schla­ger. Noch be­vor es am 24. Ju­ni of­fi­zi­ell in den Han­del kommt, sind über 600 000 Vor­be­stel­lun­gen ein­ge­gan­gen. So vie­le, dass AT&T (25.57 $, +0,5%) mitt­ler­wei­le kei­ne Be­stel­lun­gen mehr ent­ge­gen­nimmt. App­le klet­ter­ten ob die­ser Nach­rich­ten zwi­schen­zeit­lich gar auf ein All­zeit­hoch von 272.90 $.

Der S&P-500-In­dex be­en­de­te ei­nen tur­bu­len­ten Han­dels­tag mit ei­nem Plus von 0,1% auf 1116,04. Auch der Dow Jo­nes In­dus­tri­al stieg 0,2% auf ei­nen Schluss­kurs von 10434,17. Mit 2307,16 schloss der Tech­no­lo­gie­in­dex Nas­daq Com­po­si­te na­he­zu un­ver­än­dert.

Gu­te Nach­rich­ten ka­men aus der Le­bens­mit­tel­bran­che: Smith­field (16.35 $, 0,4%), der welt­gröss­te Schwei­ne­zucht­und Schwei­ne­metz­ge­rei­kon­zern, er­holt sich lang­sam von der Kri­se. Dank stei­gen­dem Um­satz re­du­zier­te er sei­nen Quar­tals­ver­lust auf 5 Mio. $ oder 3 Cent pro Ak­tie. Smith­field rutsch­te im letz­ten Jahr we­gen der Schwei­ne­grip­pe und der ho­hen Roh­stoff­prei­se in die ro­ten Zah­len. Der CEO C. Lar­ry Po­pe sieht die Zu­kunft po­si­tiv. Stei­gen­der Um­satz und tie­fe Fut­ter­prei­se wür­den das Ge­schäft un­ter­stüt­zen. Op­ti­mis­tisch kann sich auch der Le­bens­mit­tel­her­stel­ler J. M. Smu­cker (61.55 $, +9,2%) ge­ben. Sein Quar­tals­ge­winn stieg im Ver­gleich zur glei­chen Pe­ri­ode im Vor­jahr 28% auf 121 Mio. $ oder 1.01 $ pro Ti­tel. Der Kon­zern zählt zu den Ge­win­nern der Re­zes­si­on. Weil die Leu­te sel­te­ner ins Re­stau­rant ge­hen, wer­den mehr Le­bens­mit­tel von Smu­cker’s ge­kauft. Das Un­ter­neh­men geht da­von aus, dass die­ser Trend an­hal­ten wird, und über­trifft mit sei­nen Pro­gno­sen für das kom­men­de Jahr die Er­war­tun­gen der Ana­lys­ten.

In­di­zes New York

Eben­falls im Plus schlos­sen Hu­man Ge­no­me Sci­en­ces (27.77 $, +7,8%). Das Bio­tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men und der bri­ti­sche Phar­ma­kon­zern Gla­xo Smith Kli­ne er­klär­ten, ihr ge­mein­sam ent­wi­ckel­tes Me­di­ka­ment ge­gen die Au­to­im­mun­krank­heit Lu­pus ha­be in ei­ner Pha­se-III-Stu­die die Er­war­tun­gen er­füllt.

BP wei­ter un­ter Druck

Neu­es Un­ge­mach kommt auf BP zu: Der Pen­si­ons­kas­sen­fonds des Staa­tes New York – ei­ner der gröss­ten des Lan­des – prüft ei­ne Kla­ge we­gen Miss­wirt­schaft ge­gen den bri­ti­schen Öl­kon­zern. Wäh­rend sich BP-Chef To­ny Hay­ward vor dem Kon­gress für die Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko recht­fer­tig­te, prä­sen­tier­te der Kon­kur­rent Chev­ron (75.32 $, +1,6%) ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit dem rus­si­schen Mit­be­wer­ber Ros­neft. Mit vo­r­erst 1 Mrd.$ er­kun­den die Öl­för­de­rer ein 8600 Qua­drat­ki­lo­me­ter gros­ses Ge­biet im öst­li­chen Schwar­zen Meer. Soll­te die Öl­su­che er­folg­reich ver­lau­fen, kann das Pro­jekt auf ein Ge­samt­in­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men von 32 Mrd.$ wach­sen.

AOL (22.65 $, +7,3%) hat ihr So­ci­al Net­work ver­kauft. Für den On­li­ne­an­bie­ter wur­de das Pro­jekt Be­bo zum Flop. Das Netz­werk, das er 2008 für 850 Mio. $ er­wor­ben hat­te, bringt es heu­te auf 5 Mio. Nut­zer. Der Markt­füh­rer Face­book zählt 210 Mio. Teil­neh­mer. Käu­fer von Be­bo ist die In­vest­ment­ge­sell­schaft Cri- te­ri­on Ca­pi­tal Part­ners. Über den Preis ha­ben die bei­den Par­tei­en Still­schwei­gen ver­ein­bart.

Nicht ver­kau­fen, son­dern zu­rück­kau­fen will der Rüs­tungs­kon­zern Nor­throp Grum­man (61.50 $, 4,1%) – und zwar sei­ne Ak­ti­en. Das Un­ter­neh­men hat be­kannt­ge­ge­ben, es wer­de mit ei­nem Be­trag von 2 Mrd.$ 11% sei­ner Ti­tel er­wer­ben.

He­xen­sab­bat am Frei­tag

Im frei­en Fall be­fin­den sich die Va­lo­ren der qua­si-ver­staat­lich­ten Hy­po­the­ken­fi­nan­zie­rer Fred­die Mac (0.51 $, –57,5%) und Fan­nie Mae (0.43 $, –53,4%). Seit am Mitt­woch die Fe­deral Hou­sing Fi­nan­ce Agen­cy be­schlos­sen hat­te, die Va­lo­ren von der Bör­se zu neh­men, büss­ten sie 58,2 bzw. 53,6% ein. Grund für die De­ko­tie­rung ist, dass die Ak­ti­en seit län­ge­rem um die 1-$-Mar­ke no­tie­ren. Ge­mäss Re­geln der New York Stock Ex­ch­an­ge (Nyse) wer­den Ti­tel, die län­ger als dreis­sig Ta­ge am Stück un­ter 1$ han­deln, von der Nyse aus­ge­schlos­sen.

Am Frei­tag hat das gros­se War­ten auf die Er­geb­nis­se der Stress­tests der eu­ro­päi­schen Ban­ken an­ge­fan­gen (vgl. Sei­te 32). Im­pul­se von Wirt­schafts-oder Un­ter­neh­mens­zah­len wur­den kei­ne er­war­tet. Be­ein­flusst hat den Markt, dass der Frei­tag Ver­falls­tag für vier Ar­ten von Op­tio­nen und Fu­tures – ein so­ge­nann­ter He­xen­sab­bat oder gros­ser Ver­falls­tag – war. An sol­chen Ta­gen ist je­weils mit un­ge­wöhn­li­chen Kurs­schwan­kun­gen zu rech­nen. Der Dow Jo­nes In­dus­tri­al er­öff­ne­te am Frei­tag leicht im Plus und stand ge­gen Mit­tag Orts­zeit auf 10463.

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