Gr­ü­bel lan­ciert die nächs­te Schlacht

UBS wehrt sich ge­gen For­de­run­gen der Na­tio­nal­bank und droht mit dem Ab­bau von Tau­sen­den von Stel­len in der Schweiz

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - MO­NI­CA HEGG­LIN

Kei­ne Ver­schnauf­pau­se für UBS: Kaum ist der US-Staats­ver­trag ge­neh­migt, der die Bank aus den Klau­en der US-Jus­tiz be­freit, schlägt Kon­zern­chef Os­wald Gr­ü­bel Alarm. In In­ter­views mit der Ta­ges­pres­se spricht er fak­tisch ei­ne Ge­winn­war­nung für das zwei­te Quar­tal aus. Aus­ser­dem warnt er vor zu stren­gen Too-big-to-fail-Re­geln in der Schweiz. Die wür­den die UBS zur Schaf­fung von 40 Mrd. Fr. zu­sätz­li­chem Ei­gen­ka­pi­tal zwin­gen, die Pro­fi­ta­bi­li­tät sen­ken und Tau­sen­de von Ar­beits­plät­zen kos­ten.

Falls es dar­um geht, Dank­bar­keit, Zu­rück­hal­tung, Ver­trau­ens­wür­dig­keit und Zu­ver­sicht aus­zu­strah­len, hat Os­wald Gr­ü­bel sich, der UBS und dem Fi­nanz­platz in ei­nem In­ter­view mit dem «Ta­ges­An­zei­ger» ei­nen schlech­ten Di­enst er­wie­sen. Es ist un­glück­lich, den von stän­di­gen Re­struk­tu­rie­run­gen und vom Leis­tungs­ab­bau er­schöpf­ten Mit­ar­bei­tern in der Schweiz zu sa­gen, die «wirk­lich gu­ten Mit­ar­bei­ter» wür­den bes­ser be­zahlt denn je.

Und es ist un­wahr­schein­lich, dass es der UBS dient, wenn der Chef ge­gen­über der Öf­fent­lich­keit so­wie an die Adres­se der ge­gen­wär­ti­gen und po­ten­zi­el­len Mit­ar­bei­ter ein Sze­na­rio ent­wirft, das den Ab­bau von «Tau­sen­den von Ar­beits­plät­zen» um­fasst, weil sich die Bank in der Schweiz mög­li­cher­wei­se aufs Schwei­zer Kern­ge­schäft be­gren­zen müs­se.

Gr­ü­bel ge­gen Hil­de­brand

Vi­el­leicht woll­te Gr­ü­bel bloss ein Ge­gen­pol zu Phil­ipp Hil­de­brand bil­den. Die Na­tio­nal­bank hat die UBS am Wi­ckel, so­lang sie im St­ab­fund Ri­si­ko­pa­pie­re der Bank hält. Der Na­tio­nal­bank-Prä­si­dent wird nicht mü­de, land­auf land­ab zu ver­kün­den, die Gross­ban­ken (vor al­lem die UBS) sei­en zu gross für die Schweiz, zu we­nig ka­pi­tal­kräf­tig, und ihr Ge­winn­po­ten­zi­al sei be­schei­den (vgl. Sei­te 21).

Die Na­tio­nal­bank ist sich nicht zu scha­de, dem Sta­bi­li­täts­be­richt er­neut ei­ne Klum­pen­ri­si­ko­dar­stel­lung bei­zu­fü­gen (vgl. Ta­bel­le). Sie trägt nichts zur Klä­rung der An­ge­le­gen­heit bei, sind doch auch die ge­mes­sen an der na­tio­na­len Wirt­schafts­leis­tung viel klei­ne­ren US-Ban­ken too big to fail (zu be­deu­tend für das Fi­nanz­sys­tem, um un­ter­ge­hen zu kön­nen).

Die bun­des­rät­li­che Kom­mis­si­on «Too big to fail» wird En­de Au­gust ei­nen Schluss­be­richt mit kon­kre­ten Emp­feh­lun­gen ver­öf­fent­li­chen. Of­fen­bar fin­det Gr­ü­bel, sein COO Ul­rich Körner, der zu­sam­men mit CS-Vi­ze­prä­si­dent Urs Roh­ner in der Kom­mis­si­on sitzt, kön­ne die Ar­gu­men­te der Bank (bei­spiels­wei­se ge­gen­über der Idee pro­gres­siv stei­gen­der Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen) un­ge­nü­gend ein­brin­gen. Wie­so sonst malt Gr­ü­bel den Teu­fel an die Wand?

Markt zwei­felt

Die UBS muss ge­mäss Gr­ü­bel wohl das Ka­pi­tal in­ner­halb von fünf Jah­ren ver­dop­peln – 40 Mrd. Fr. fri­sches Ei­gen­ka­pi­tal er­wirt­schaf­ten und/oder auf­neh­men und kaum Di­vi­den­de zah­len. Dass die UBSAk­ti­en am Frei­tag nicht ver­lo­ren, son­dern wei­te­re Kurs­fort­schrit­te ver­zeich­ne­ten, kann nur heis­sen, dass der Markt we­ni­ger schar­fe Mass­nah­men er­war­tet und Gr­ü­bels Aus­sa­gen nicht ganz ernst nimmt. Frag­lich, ob das im Sinn des CEO ist.

Seit Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se hat sich die An­zahl UBS-Ak­ti­en auf 3,8 Mrd. ver­dop­pelt. Auch un­ter der An­nah­me ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen Leis­tungs­ver­bes­se­rung und ei­nes ho­hen Cash­flows wür­de das Gr­ü­bel-Sze­na­rio neue mas­si­ve Ei­gen­ka­pi­tal­auf­nah­men nö­tig ma­chen – oder den Aus­stieg aus wei­te­ren Ge­schäf­ten.

Schwie­ri­ges zwei­tes Quar­tal

Vo­r­erst dürf­te die Leis­tungs­ver­bes­se­rung sto­cken. Die Eu­ro­kri­se, das Ge­frie­ren ge­wis­ser Markt­seg­men­te und die la­bi­le Stim­mung be­ein­träch­ti­gen so­wohl die In­vest­ment­bank (Aus­nah­me: De­vi­sen­han­del) als auch das Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­schäft. Es ist un­wahr­schein­lich, dass der Ge­winn des Vor­quar­tals (2,2 Mrd. Fr.) im zwei­ten Quar­tal er­reicht wird. Die Fest­stel­lung gilt al­ler­dings nicht nur für die UBS. Wir ra­ten von En­ga­ge­ments in

Statt am Image der ge­zähm­ten Bank zu ar­bei­ten, er­öff­net UBS den po­li­ti­schen Schlag­ab­tausch um die Too-big-to-fail-Pro­ble­ma­tik.

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