«Swiss Li­fe soll wie­der si­che­rer Wert sein»

BRU­NO PFIS­TER Der Kon­zern­chef er­klärt, was den Fi­nanz­dienst­leis­ter als ei­nen der in­ter­na­tio­nal füh­ren­den Vor­sor­ge­spe­zia­lis­ten aus­zeich­net

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ -

Kei­ne leich­ten Zei­ten für die Ak­tio­nä­re von Swiss Li­fe. Die mit dem Kauf von AWD ein­ge­schla­ge­ne Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­stra­te­gie hat­te Ent­täu­schun­gen zur Fol­ge, die noch nicht rich­tig weg­ge­steckt sind. Das Nein des Schwei­zer Stimm­volks zur Um­wand­lungs­satz­sen­kung be­las­tet die Per­spek­ti­ve des für Swiss Li­fe wich­ti­gen Pen­si­ons­kas­sen­ge­schäfts. Und zu­letzt hat die Sonn­tags­pres­se am letz­ten Wo­che­n­en­de in den Raum ge­stellt, das Un­ter­neh­men ar­bei­te an ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung von 2 Mrd. Fr. Kon­zern­chef Bru­no Pfis­ter de­men­tiert.

Herr Pfis­ter, braucht Swiss Li­fe zu­sätz­li­ches Ka­pi­tal? Un­sinn. Es han­delt sich um ei­ne Fal­sch­mel­dung der Wo­che­n­end­zei­tung ‹Sonn­tag›. Wir ha­ben auch in letz­ter Zeit im­mer wie­der deut­lich ge­sagt: Swiss Li­fe braucht kein zu­sätz­li­ches Ka­pi­tal.

Die Ak­ti­en von Swiss Li­fe sind ver­gan­ge­ne Wo­che aus dem SMI ge­fal­len. Wie schwie­rig wer­den da­mit die Be­mü­hun­gen um die Pfle­ge des Ak­tio­na­ri­ats? Die Pfle­ge des Ak­tio­na­ri­ats er­fährt da­durch kei­ne An­pas­sung. Sie ist und bleibt wich­tig. Der Wech­sel vom In­dex SMI in den SMIM, den Bör­sen­in­dex der mit­tel­gross ka­pi­ta­li­sier­ten Un­ter­neh­men, hat für Swiss Li­fe kei­nen Ein­fluss auf den Er­folg un­se­rer Ge­schäfts­tä­tig­keit.

Wel­chen Cha­rak­ter will das Un­ter­neh­men am An­la­ge­markt ent­wi­ckeln? Vor nur drei Jah­ren woll­te sich Swiss Li­fe als Sub­st­anz­ak­tie pro­fi­lie­ren. Kurz­fris­tig hängt un­ser Er­folg da­von ab, wie schnell sich die Fort­schrit­te des grup­pen­wei­ten Ef­fi­zi­enz­pro­gramms Mi­les­to­ne in den Ge­schäfts­zah­len nie­der­schla­gen. Mit­tel-und lang­fris­tig wol­len wir uns im at­trak­ti­ven Vor­sor­ge­markt als füh­ren­der An­bie­ter po­si­tio­nie­ren und für An­le­ger als si­che­rer Wert gel­ten.

Die In­ves­to­ren han­deln die Ak­ti­en auf hal­bem Buch­wert. Wes­halb ge­lingt es Ih­nen nicht, nä­her an den Bran­chen­schnitt der Be­wer­tung auf Hö­he des Buch­werts zu ge­lan­gen, re­spek­ti­ve was braucht es da­zu? Wir set­zen al­les dar­an, die Kon­kur­renz­fä­hig­keit und die Pro­fi­ta­bi­li­tät dau­er­haft zu stär­ken. Ers­te wich­ti­ge Er­fol­ge stim­men uns zu­ver­sicht­lich. Ich bin über­zeugt, dass sich die er­folg­rei­che Um­set­zung un­se­rer Ver­bes­se­rungs­mass­nah­men mit­tel­fris­tig in ei­ner hö­he­ren Be­wer­tung der Ak­ti­en spie­geln wird.

Die knapp 2 Mrd. Fr. teu­re Ak­qui­si­ti­on des deut­schen Fi­nanz­ver­triebs AWD hat sich bis­lang nicht ge­lohnt. Ist der Wie­der­ver­kauf ei­ne Op­ti­on? Nein. AWD hat in den letz­ten drei Quar­ta­len ei­ne ein­drück­li­che Wen­de hin­ge­legt und ope­ra­tiv pro­fi­ta­bel ge­ar­bei­tet. Mit der Ent­wick­lung im lau­fen­den Jahr sind wir auf Kurs. Wir ha­ben die Re­struk­tu­rie­rung letz­tes Jahr ab­ge­schlos­sen und die Ba­sis für künf­ti­gen Er­trsg ge­legt. AWD wird zu­dem als Ver­triebs­ka­nal für Swiss Li­fe im­mer be­deu­ten­der. Die­ses Un­ter­neh­men er­öff­net uns vie­le Chan­cen.

Wie und wann soll es da­zu kom­men, dass sich der Er­werb von AWD wirt­schaft­lich rech­net? Ich bin da­von über­zeugt, dass AWD be­reits im lau­fen­den Jahr ei­nen Vor­steu­er­ge­winn von 40 bis 50 Mio. € er­reicht und da­mit ei­nen gu­ten Bei­trag zum Ge­samt­er­geb­nis der Grup­pe bei­steu­ern wird. Am Ziel, mit AWD bis 2012 ei­nen Vor­steu­er­ge­winn von 80 bis 100 Mio. € zu er­wirt­schaf­ten, hal­ten wir fest.

Bis 2012 soll der Ge­schäfts­auf­wand der Grup­pe um 350 bis 400 Mio. Fr. ge­senkt wer­den, ha­ben Sie letz­ten Au­gust an­ge­kün­digt. Lie­gen Sie im Plan? Ja, wir sind so­gar et­was schnel­ler un­ter­wegs als ge­plant. Be­reits 2009 konn­ten wir die Kos­ten­ba­sis um rund 10% sen­ken. Un­ser Ziel für ei­ne wei­te­re Ver­rin­ge­rung im lau­fen­den Jahr wer­den wir eben­falls er­rei­chen. Ich bin be­ein­druckt von der ho­hen Um­set­zungs-und Kos­ten­dis­zi­plin in al­len Tei­len des Un­ter­neh­mens.

Gros­se Ener­gie ver­wen­den Sie für den Aus­bau des All­fi­nanz­ge­schäfts mit in­ter­na­tio­na­len Pri­vat­kun­den. We­gen des Steu­er­the­mas ist da­mit ein er­heb­li­ches Re­pu­ta­ti­ons­ri­si­ko ver­bun­den, wie die Auf­sichts­stel­le Fin­ma an ih­rer Jah­res­me­di­en­kon­fe­renz warn­te. Wie ge­fähr­lich ist die­ses Ge­schäft wirk­lich? Wir wol­len kein Geld, das nicht de­kla­riert ist. Un­ser Ge­schäft mit ver­mö­gen­den Pri­vat­kun­den ist kein In­stru­ment zur Steu­er­hin­ter­zie­hung, son­dern bie­tet viel­mehr fle­xi­ble Lö­sun­gen zum Bei­spiel im Be­reich der Nach­lass­pla­nung. Al­le un­se­re Pro­duk­te sind in al­len Län­dern ab­so­lut rechts- und steu­er­kon­form und un­ter­ste­hen der ent­spre­chen­den Auf­sicht. Grund­sätz­lich be­grüs­sen wir ei­ne star­ke Re­gu­lie­rung, be­deu­tet das doch mehr Si­cher­heit für al­le Be­tei­lig­ten.

Wie rasch kom­men Chan­cen und Ri­si­ko in der Ver­si­che­rungsum­man­te­lung gros­ser Pri­vat­ver­mö­gen ins Gleich­ge­wicht? Das pri­mär kom­mis­si­ons­ba­sier­te Ge­schäft ist ja bis­lang im­mer noch un­ter der Ge­winn­schwel­le. Die Ent­wick­lung im Ge­schäft mit ver­mö­gen­den Pri­vat­kun­den ist nach wie vor sehr gut. Noch in die­sem Jahr wer­den wir die Ge­winn­schwel­le er­rei­chen. Dies ent­spricht un­se­rem Ge­schäfts­plan, mit dem wir uns vor sechs Jah­ren dar­an­mach­ten, die­ses Ge­schäfts­feld auf­zu­bau­en.

Das Pen­si­ons­kas­sen­ge­schäft macht rund 40% der Kon­zern­ak­ti­ven aus. 2009 hat das Un­ter­neh­men deut­lich an Markt­an­teil ein­ge­büsst. Wie soll die­ser Trend ge­stoppt wer­den? Er­wä­gen Sie gar ei­nen Aus­stieg aus den BVG-Voll­ver­si­che­rungs­lö­sun­gen? Wir sind stolz dar­auf, im BVG-Ge­schäft für klei­ne und mit­tel­gros­se Un­ter­neh­men in der Schweiz ei­ne der­art star­ke Stel­lung ein­zu­neh­men. Swiss Li­fe will je­doch kein Wachs­tum um je­den Preis, son­dern pro­fi­ta­bles Wachs­tum. Der Markt­an­teil spielt da­bei ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Ein Aus­stieg aus dem Voll­ver­si­che­rungs­mo­dell steht nicht zur De­bat­te – auch die­se Un­ter­stel­lung ist ei­ne Zei­tungs­en­te.

Den­noch ist die­ses Ge­schäfts­feld we­gen des an­hal­ten­den Tief­zins­um­felds in der De­fen­si­ve. Wir ver­fol­gen im Schwei­zer BVG-Ge­schäft ei­ne Voll­sor­ti­men­ter­stra­te­gie. Sie ent­hält die Aus­wei­tung des An­ge­bots auf teil­au­to­no­me und au­to­no­me Lö­sun­gen, in de­nen die ver­si­cher­ten Un­ter­neh­men und ihr Per­so­nal ei­nen Teil oder sämt­li­che Markt­ri­si­ken tra­gen. Zu­dem bie­ten wir Be­ra­tungs­dienst­leis­tun­gen. Auf der an­de­ren Sei­te hal­ten wir an der Wei­ter­ent­wick­lung des be­ste­hen­den Voll­ver­si­che­rungs­an­ge­bots fest. So de­cken wir das ge­sam­te Spek­trum der Be­dürf­nis­se un­se­rer Kun­den ab.

Die Kol­lek­tiv­le­bens­par­te ist zu­letzt ver­gleichs­wei­se we­nig er­trag­reich ge­blie­ben. BVG-Min­dest­zins und Um­wand­lungs­satz en­gen ein. Wird da­durch zu viel Ei­gen­ka­pi­tal ge­bun­den oder gar ein Neu­ka­pi­tal­be­darf aus­ge­löst? Un­se­re Ka­pi­tal­ba­sis ist so­lid. Der Aus­bau des Voll­sor­ti­men­ter­ge­dan­kens mit der Stär­kung der halb­au­to­no­men und au­to­no­men Lö­sun­gen und des Be­ra­tungs­ge­schäf­tes führt zu­dem zu sin­ken­den Ei­gen­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen. Dies er­mög­licht uns künf­tig ei­nen grös­se­ren Spiel­raum.

Der Ka­pi­tal­stand von Swiss Li­fe ist aus­rei­chend, mit der Sol­venz­quo­te I von 165% aber im Ver­gleich mit an­de­ren Schwei­zer Ver­si­che­rern nicht üp­pig. Wie sta­bil steht das Un­ter­neh­men? Swiss Li­fe be­sitzt viel Sub­stanz. Un­se­re Sol­venz­quo­te er­ach­te ich – ge­ra­de auch im eu­ro­päi­schen Ver­gleich – als gut. Un­se­re Solva­bi­li­tät hat sich in den letz­ten Quar­ta­len leicht po­si­tiv ent­wi­ckelt.

Der Wech­sel der Auf­sichts­stel­len zu den Re­geln von Sol­vency II, die in der Schweiz über den SST Swiss Sol­vency

Füh­rend sein nicht pri­mär auf­grund von Grös­se, will Bru­no Pfis­ter, son­dern dank der Art und Wei­se, wie das Ge­schäft be­trie­ben wer­de.

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