Syn­gen­ta setzt Monsan­to un­ter Druck

Monsan­to ver­liert ei­nen Teil des tech­no­lo­gi­schen Vor­sprungs – Saat­gut-Mar­ge von Syn­gen­ta dürf­te sich bis 2012 ver­drei­fa­chen – Ak­ti­en wei­ter ers­te Wahl

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - ANDRE­AS MEI­ER

Das Ge­schäft für gen­tech­nisch ver­än­der­tes Mais­saat­gut, der gröss­te Saat­gu­t­ein­zel­markt (rund 5 Mrd. $, bzw. et­wa 50% des ge­sam­ten welt­wei­ten Gen­sa­at­mark­tes), steht vor ei­ner be­deu­ten­den Wen­de. Platz­hirsch Monsan­to, der es ge­wohnt war, neue gen­ver­än­der­te Saat­gut­va­rie­tä­ten mit kla­rem zeit­li­chem und tech­no­lo­gi­schem Vor­sprung zur Kon­kur­renz auf den Markt zu brin­gen, ist dar­an, sei­ne Vor­macht zu ver­lie­ren. Und der Pflan­zen­schutz-und Saat­gut­her­stel­ler Syn­gen­ta dürf­te der gröss­te Ge­win­ner die­ser Ent­wick­lung sein.

Der Weg zum Do­mi­na­tor

Der US-Agro­kon­zern Monsan­to war Vor­rei­ter in der Ent­wick­lung gen­ver­än­der­ter Saa­ten. 1997 brach­te das Un­ter­neh­men das ers­te gen­ver­än­der­te Mais­saat­gut auf den Markt. Es schützt die Pflan­ze vor dem Mais­züns­ler­insekt. 1998 folg­te ei­ne Mais­sor­te, die ei­ne To­le­ranz ge­gen­über dem Breit­band­her­bi­zid Gly­pho­sat auf­wies. 2003 wur­de so­wohl ein Saat­gut ge­gen den Mais­wur­zel­wurm so­wie das ers­te kom­bi­nier­te Saat­pro­dukt mit Gly­pho­sat­to­le­ranz und Mais­wur­zel­wurm­schutz lan­ciert (ers­tes Dou­bleSt­ack-Saat­gut). Das ers­te Drei­fach­nut­zen­Saat­gut ( Triple St­ack) mit zu­sätz­li­chem Züns­ler­schutz kam 2005 auf den Markt.

So hol­te Monsan­to bis 2007 ge­gen 80% Markt­an­teil im Gen­mais­ge­schäft (rund die Hälf­te da­von wur­de von Li­zenz­neh­mern von Monsan­to be­dient, vor al­lem Du­pont). In die­ser Zeit stieg der An­teil der Gen­pflan­zun­gen im US-Mais­markt von null auf 90% – ein über­wäl­ti­gen­der Er­folg Monsan­tos und ih­rer Li­zenz­neh­mer.

Syn­gen­ta ent­wi­ckel­te zwar auch schon in den Neun­zi­ger­jah­ren ein Gen­saat­gut ge­gen Mais­züns­ler, al­ler­dings mit li­zen­zier­ter Monsan­to-Tech­no­lo­gie. Erst 2005, nach­dem das Un­ter­neh­men sich durch Ak­qui­si­tio­nen ei­ne brei­te Saat­gut-Ver­triebs­prä­senz in den USA ge­schaf­fen hat­te, wur­de der Gen­tech-Be­reich for­ciert, an­fäng­lich mit (eng­mar­gi­gen) Li­zenz­pro­duk­ten, dank gros­sem For­schungs­ef­fort je­doch im­mer mehr mit ei­ge­ner Tech­no­lo­gie. 2005 kam das ers­te Dou­ble-St­ackSaat­gut auf den Markt, 2008 das ers­te Triple-St­ack-Pro­dukt. Der­zeit hält Syn­gen­ta rund 10% des Mais­saat­gut­markts.

Syn­gen­ta holt auf

In die­ser Zeit der in­ves­ti­ti­ons­rei­chen Trans­for­ma­ti­on sank die Be­triebs­ge­winn­mar­ge des Saat­ge­schäf­tes von Syn­gen­ta deut­lich auf noch 1% im Jahr 2007 und 2% im Jahr dar­auf. Erst 2009 wur­den wie­der 4% ver­dient (was rund 100 Mio. $ ent­spricht). Syn­gen­ta konn­te das ver­kraf­ten, denn im Pflan­zen­schutz­ge­schäft, das 75% des Kon­zern­um­sat­zes ein­bringt, wer­den Be­triebs­mar­gen von über 20% er­zielt. Syn­gen­ta ge­hört nach Monsan­to und Du­pont mitt­ler­wei­le zum Tri­um­vi­rat im Gen­techSaat­ge­schäft, die nach­fol­gen­den Kon­kur­ren­ten, et­wa die deut­sche Bayer, sind viel klei­ner und da­mit auch in Be­zug auf For­schung und Ent­wick­lung schwä­cher. Syn­gen­tas Be­mü­hun­gen ha­ben sich aus­be­zahlt: Monsan­to hat die­ses Jahr das ers­te Mul­ti-St­ack-Mais­saat­gut (Smar­ts­tax) lan­ciert (mehr als drei Gen­ver­än­de­run­gen), Syn­gen­ta wird schon 2011 mit ei­nem ähn­li­chen Pro­dukt ( Vip­te­ra) fol­gen (die Zu­las­sung der Ge­sund­heits­be­hör­den hat Syn­gen­ta schon er­hal­ten).

Monsan­tos tech­no­lo­gi­scher Vor­sprung hat sich dem­nach ge­ra­de noch auf ein Jahr ver­kürzt. Das be­rei­tet dem er­folgs­ver­wöhn­ten Un­ter­neh­men Mü­he. Es hat­te sei­ne Saa­ten je­weils zu rund 10% hö­he­ren Prei­sen als die Kon­kur­renz ver­kau­fen kön­nen und war es ge­wohnt, re­gel­mäs­sig Preis­er­hö­hun­gen durch­zu­set­zen. Gleich­zei­tig kam der US-Kon­zern durch den Preis­krieg im Gly­pho­sat­ge­schäft un­ter Druck. Gly­pho­sat ist ein Her­bi­zid, das zu­sam­men mit den gen­ver­än­der­ten Saa­ten ver­wen­det wird. Es steht längst nicht mehr un­ter Pa­tent­schutz, wes­halb di­ver­se Ge­ne­ri­kaan­bie­ter in den Markt drän­gen und Monsan­to kon­kur­rie­ren.

Güns­ti­ger als Monsan­to

Monsan­to hat er­klärt, die Markt­an­tei­le mit Preis­er­mäs­si­gun­gen ver­tei­di­gen zu wol­len, so­wohl im Saat­gut-als auch, teil­wei­se, im Gly­pho­sat­ge­schäft. Das schnei­det in die Mar­ge, und der US-Kon­zern muss­te im Mai die Ge­winn­pro­gno­se für 2010 von 3.10 $ bis 3.30 $ pro Ak­tie auf noch 2.40 $ bis 2.60 $ kür­zen. Doch all­zu ag­gres­siv dürf­te Monsan­to nicht vor­ge­hen. Die Ak­ti­en sind we­gen der schlech­te­ren Ge­winn­pro­gno­sen schon deut­lich ge­fal­len, und die Ak­tio­nä­re wer­den ei­ne all­zu­lan­ge Durst­stre­cke kaum ak­zep­tie­ren. Monsan­to wird da­her die Er­trags­kraft im Au­ge be­hal­ten müs­sen.

Des­halb dürf­te es für Syn­gen­ta mög­lich sein, in den nächs­ten Jah­ren im Mais­saat­gut (aber nicht nur dort) über­durch­schnitt­lich zu wach­sen und kon­ti­nu­ier­lich Markt­an­tei­le zu ge­win­nen. Die Be­triebs- ge­winn­mar­ge könn­te in die­ser Spar­te von den er­wähn­ten 4% bis 2012 durch­aus auf 12% stei­gen. Aus den 100 Mio. $ Be­triebs­ge­winn im Jahr 2009 könn­ten so bis 2012 ge­gen 400 Mio. $ wer­den.

Im Ver­hält­nis zur Pflan­zen­schutz­di­vi­si­on, die 2009 ei­nen Be­triebs­ge­winn von 1,9 Mrd.$ ein­fuhr, ist das Saat­ge­schäft noch un­be­deu­tend. Doch in den nächs­ten Jah­ren wird die Ge­winn­dy­na­mik des Kon­zerns vor­nehm­lich im Saat­ge­schäft er­zeugt. Der Pflan­zen­schutz wird dank ei­ner Rei­he neu­er Prä­pa­ra­te und hö­he­rer Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten eben­falls wach­sen.

Nach ei­nem (wäh­rungs­be­dingt) ver­hal­te­nen 2010 dürf­te der Ge­winn 2011 deut­lich stei­gen (Schät­zung: 19 Fr. pro Ak­tie, nach 16.80 Fr. für 2010). Die Ak­ti­en sind zum Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 16 (2010) bzw. 14 (2011) im­mer noch güns­ti­ger be­wer­tet als die stark ge­sun­ke­nen Monsan­to (KGV 20 für 2010) und des­halb wei­ter­hin kau­fens­wert.

Mais ist mit 50% An­teil der gröss­te Markt für Gen­tech-Saat­gut, ge­folgt von So­ja (35%), Baum­wol­le (11%), Raps (3%) und Zu­cker­rü­ben (1%).

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