So­zi­al­ver­si­che­rung bleibt auf Wachs­tums­kurs

Vie­le Be­rech­tig­te mit eher be­schei­de­nen Ren­ten im Aus­land – Zahl der AHV-Rent­ner steigt dop­pelt so stark wie Ge­samt­be­völ­ke­rung

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - GER­TRUD BOLLIER

Im Mai wur­de die de­tail­lier­te AHV-Sta­tis­tik 2009 auf­ge­legt. Im Be­richts­jahr wur­den 2151900 Ren­ten im Ge­samt­be­trag von 34,9 ( Vor­jahr 33,2) Mrd. Fr. aus­ge­rich­tet. Der­wei­len be­lie­fen sich die Ge­samt­aus­ga­ben der AHV auf 35,8 ( Vor­jahr 33,8) Mrd. Dem stan­den Ein­nah­men von 39,7 (31,6) Mrd. ge­gen­über. Da­von stam­men 27,3 Mrd. (68,8%) aus den Bei­trä­gen der Ver­si­cher­ten, 7 Mrd. von der öf­fent­li­chen Hand, 2,1 Mrd. aus der Mehr­wert­steu­er und 2,8 Mrd. aus Ka­pi­tal­er­trag (Aus­gleichs­fonds). 2008 hat­te der An­la­ge­ver­lust 4,3 Mrd. be­tra­gen. Des­halb re­prä­sen­tier­ten die Bei­trä­ge der Ver­si­cher­ten und der Ar­beit­ge­ber von 26,5 Mrd. 83,7% der Ge­samt­ein­nah­men, was Po­li­ti­ker zu fal­schen Rück­schlüs­sen ver­lei­te­te. Die Bei­trä­ge der öf­fent­li­chen Hand von 6,6 Mrd. und der Mehr­wert­steu­er von 2,4 Mrd. zeig­ten 2008 kei­ne Aus­reis­ser.

Die Jah­res­rech­nung der AHV hat mit ei­nem Über­schuss von 3,9 Mrd. ab­ge­schlos­sen. Da­durch ent­hielt der AHV-Aus­gleichs­fonds En­de 2009 42,3 Mrd. (inkl. Ver­lust­vor­trag der IV von 13,9 Mrd.), was 118,1% der Jah­res­aus­ga­ben ent­spricht.

Ver­hei­ra­te­ten­ren­te va­ri­iert

Im De­zem­ber 2009 wur­den 1929100 Al­ters-und 156 600 Hin­ter­las­se­nen­ren­ten aus­ge­zahlt, je 3,2% mehr als im Vor­jahr. Zu­sam­men mit den Kin­der­ren­ten zur Al­ters­ren­te sind dies 2151900 Ren­ten. Von den Al­ters­ren­ten wer­den 30% (12% der Ren­ten­sum­me) und von den Hin­ter­las­se­nen­ren­ten 56% (30% der Ren­ten­sum­me) an im Aus­land wohn­haf­te Per­so­nen aus- ge­rich­tet. 13,4% der Ren­ten­be­zü­ger im Aus­land ha­ben das Schwei­zer Bür­ger­recht. Die an­de­ren er­hal­ten ih­re Ren­te dort auf­grund ei­nes So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­mens in der Schweiz aus­ge­zahlt.

Dass ein Drit­tel der Rent­ner im Aus­land lebt, rührt da­her, dass um 80% der Aus­län­der, die ein­mal in der Schweiz ge­ar­bei­tet ha­ben, im Ren­ten­al­ter den Wohn­sitz im Aus­land be­grün­den. Da sie in der Re­gel nicht das gan­ze Er­werbs­le­ben in der Schweiz ver­bracht ha­ben, er­hal­ten sie nur ei­ne Teil­ren­te, so­dass sie 16% der Ren­ten­sum­me be­zie­hen.

Die durch­schnitt­li­che mo­nat­li­che Al­ters­ren­te hat 2009 für Män­ner 1978 Fr. und für Frau­en 1970 Fr. be­tra­gen. Wäh­rend die Ren­ten für Le­di­ge et­wa gleich hoch lie­gen, sind die Ren­ten­hö­hen un­ter Ver­hei­ra­te­ten sehr un­ter­schied­lich ver­teilt. Vie­le Frau­en er­hal­ten die Mi­ni­mal­ren­te, Aus­län­de­rin­nen auf­grund der un­voll­stän­di­gen Bei­trags­dau­er ei­ne mi­ni­ma­le Teil­ren­te. In al­len an­de­ren Per­so­nen­grup­pen sind Mi­ni­mal­ren­ten re­la­tiv sel­ten. 45% der Wit­wen und 49% der Wit­wer er­hal­ten (auch auf­grund der Be­rech­nungs­for­mel) ei­ne Ma­xi­mal­ren­te. Un­ter den Ehe­paa­ren, von de­nen bei­de ei­ne AHV-Ren­te in der Schweiz be­zie­hen, er­hal­ten 60% ei­ne Ma­xi­mal­ren­te. Für 284500 Paa­re (86%!) wur­de die Ren­te auf­grund der ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen pla­fo­niert.

Die Ren­ten­hö­he wird ei­ner­seits durch die Hö­he der ge­leis­te­ten Bei­trä­ge und an­der­seits durch Er­zie­hungs-und Be­treu­ungs­gut­schrif­ten be­stimmt. Im De­zem­ber 2009 ha­ben von den 1 929 100 Per­so­nen mit ei­ner Al­ters­ren­te 889 500 von Er­zie­hungs-und 3300 von Be­treu­ungs­gut­schrif­ten pro­fi­tiert.

Per­so­nen mit Wohn­sitz und ge­wöhn­li­chem Auf­ent­halt in der Schweiz, die in ih­ren täg­li­chen Le­bens­ver­rich­tun­gen dau­ernd in er­heb­li­chem Um­fang auf die Hil­fe von Drit­ten an­ge­wie­sen sind, ha­ben An­spruch auf ei­ne Hilf­lo­sen­ent­schä­di­gung. 2009 wur­de 44 913 Per­so­nen ei­ne sol­che Ent­schä­di­gung aus­ge­rich­tet, 21 800 Per­so­nen wa­ren in sämt­li­chen Le­bens­ver­rich­tun­gen auf Dritt­hil­fe und auch auf per­sön­li­che Über­wa­chung an­ge­wie­sen (Hilf­lo­sig­keit schwe­ren Gra­des).

Trans­fers zu den Al­ten

Wäh­rend die schwei­ze­ri­sche Wohn­be­völ­ke­rung zwi­schen 1999 und 2009 um 9% ge­wach­sen ist, hat die An­zahl Per­so­nen mit Al­ters­ren­te (ab 65-Jäh­ri­ge) 18% zu­ge­nom­men. Mar­kant ist die Zu­nah­me von 28% un­ter den Hoch­be­tag­ten, d. h. ab 80-Jäh­ri­gen (Frau­en +24%, Män­ner +37).

Ge­mäss Ein­kom­mens-un­dVer­brauch­s­er­he­bung (EVE) des Bun­des­amts für Sta­tis­tik von 2003 bis 2005 stamm­te das Ein­kom­men in Haus­hal­ten mit ei­ner Re­fe­renz­per­son ab 65 Jah­ren im Durch­schnitt zu 43% aus AHV-Ren­ten und zu 29% aus Be­zü­gen von Pen­si­ons­kas­sen. Im Ver­gleich zur letz­ten Er­he­bung (2000 bis 2002) ist der AHV-An­teil un­ver­än­dert, der aus Pen­si­ons­kas­sen um 2 Pro­zent­punk­te hö­her. Trans­fer­zah­lun­gen bil­den in Haus­hal­ten mit Re­fe­renz­per­so­nen im AHV-Al­ter mit 80% den gröss­ten Ein­nah­men­pos­ten. In jün­ge­ren Haus­hal­ten da­ge­gen ist es lo­gi­scher­wei­se da­ge­gen das Ein­kom­men aus Ar­beit (87%).

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