Ver­si­che­rung auf gu­tem Weg

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - BG

2009 be­tru­gen die Aus­ga­ben der In­va­li­den­ver­si­che­rung (IV) 9,3 Mrd. Fr. ( Vor­jahr 9,5 Mrd.), 6,2 Mrd. (6,3 Mrd.) ent­fie­len auf Ren­ten. Dem stan­den Ein­nah­men von 8,2 Mrd. (8,2 Mrd.) ge­gen­über, die Hälf­te da­von Bei­trä­ge der Ver­si­cher­ten und Ar­beit­ge­ber. Der Fehl­be­trag von 1,1 Mrd. (1,3 Mrd.) wur­de dem Ka­pi­tal­kon­to des AHVAus­gleichs­fonds an­ge­las­tet. Dort sind die Ne­ga­tiv­sal­den auf 13,9 Mrd. ge­wach­sen.

460 000 Per­so­nen (260 000 Män­ner und 200 000 Frau­en) ha­ben 2009 Leis­tun­gen der IV be­zo­gen. Von ih­nen hat­ten 40000 den Wohn­sitz im Aus­land. In der Schweiz ha­ben 417 000 Per­so­nen 2009 min­des­tens ein­mal ei­ne IV-Leis­tung zu­ge­spro­chen er­hal­ten. Dies ent­spricht 6,6% der Ver­si­cher­ten. Un­ter Frau­en war der An­teil in al­len Al­ters­klas­sen ge­rin­ger. 40% al­ler IV-Be­zü­ger wa­ren un­ter 40 Jah­re, 26% un­ter 20 Jah­re alt. 19,4% der Män­ner und 15,5% der Frau­en er­hiel­ten zwi­schen ih­rem 60. Al­ters­jahr und dem Er­rei­chen des or­dent­li­chen Ren­ten­al­ters ei­ne IV-Leis­tung. Von den 417 000 IV-Be­zü­gern ha­ben 244 000 (59%) ei­ne Ren­te und 194 000 (47%) ei­ne in­di­vi­du­el­le Ein­glie­de­rungs­mass­nah­me in An­spruch ge­nom­men.

Frü­her­fas­sung greift

Im Rah­men der 5. IV-Re­vi­si­on wur­de die Mög­lich­keit der Frü­her­fas­sungs­mel­dung ge­schaf­fen. Durch ein früh­zei­ti­ges Er­fas­sen und In­ter­ve­nie­ren der IV-Stel­le soll bei arbeitsunfähig ge­wor­de­nen Ver­si­cher­ten ei­ne psy­chi­sche Über­la­ge­rung des Ge­sund­heits­scha­dens und des­sen Chro­ni­fi­zie­rung ver­hin­dert wer­den. 2009 wur­den 11300 Per­so­nen ge­mel­det. Ein Vier­tel der Mel­dun­gen stammt von den Ver­si­cher­ten selbst oder ih­rem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter, 27% ka­men von Ar­beit­ge­bern. Häu­fig mel­den auch die Kran­ken­tag­geld-und Pri­vat­ver­si­che­rer (je 13) so­wie die Ärz­te (9).

Im De­zem­ber 2009 rich­te­te die IV 284 000 Ren­ten im Um­fang von 451 Mio. Fr. aus. Dar­in ent­hal­ten sind 100 000 Kin­der­ren­ten für El­tern­tei­le mit IV-Ren­te. Von den In­va­li­den­ren­ten gin­gen 193000 (292 Mio. Fr.) an schwei­ze­ri­sche und 91000 (106 Mio.) an aus­län­di­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge. In der Schweiz wur­den 244000 Ren­ten (357 Mio.) und im Aus­land 40000 (41 Mio.) aus­ge­rich­tet. Im Aus­land kön­nen nur Schwei­zer und An­ge­hö­ri­ge von Staa­ten, mit de­nen die Schweiz ein So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men un­ter­hält, Ren­ten der AHV/IV be­zie­hen.

Die von der IV aus­ge­rich­te­ten Ren­ten sind nach dem In­va­li­di­täts­grad ab­ge­stuft. Drei Vier­tel (208 000) der im De­zem­ber 2009 aus­ge­rich­te­ten IV-Ren­ten wa­ren gan­ze, d. h. für Ver­si­cher­te mit ei­ner in­va­li­di­täts­be­ding­ten Ein­kom­mens­ein­bus­se ab 70%. Im Schnitt be­lief sich ei­ne gan­ze Ren­te auf 1609 Fr. Wei­ter wur­den 17 000 Drei­vier­tel­ren­ten (ab 60%; 1204), 46000 hal­be Ren­ten (ab 50; 832) und 14 000 Vier­tels­ren­ten (ab 40; 392 Fr.) aus­ge­rich­tet.

Kran­ke Psy­che do­mi­niert

Mit der In­va­li­di­tät wird un­ter Um­stän­den auch die be­ruf­li­che Vor­sor­ge und die Un­fall­ver­si­che­rung leis­tungs­pflich­tig oder/ und es be­steht ein An­spruch auf Er­gän­zungs­leis­tun­gen. In der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge wur­den 134200 In­va­li­den­ren­ten über 2,25 Mrd. Fr. durch Pen­si­ons­kas­sen aus­be­zahlt. Der Be­trag ist in Re­la­ti­on zu set­zen mit den 6,1 Mrd. Fr., die für al­le IVRen­ten der ers­ten Säu­le auf­ge­wen­det wur­de. Rund 45% der IV-Rent­ner be­zie­hen Leis­tun­gen der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge.

Struk­tur und Ent­wick­lung der Neu­ren­ten sind ei­ne zen­tra­le In­for­ma­ti­on für die Füh­rung der IV. Die Zahl der Neu­be­ren­tun­gen in der Schweiz er­reich­te im Jahr 2003 mit 27700 Per­so­nen (0,6% der Ver­si­cher­ten) ein Höchst. Seit­her ist die Zahl zu­rück­ge­gan­gen, bis auf 15 600 im Jahr 2009 (0,32% der Ver­si­cher­ten).

85% der 18 400 Neu­rent­ner 2009 hat­ten den Wohn­sitz in der Schweiz. Die mit Ab­stand häu­figs­te In­va­li­di­täts­ur­sa­che sind Krank­hei­ten (88%). 7% ge­hen auf Un­fäl­le und 5% auf Ge­burts­ge­bre­chen zu­rück. Un­ter den Neu­be­ren­tun­gen we­gen Krank­heit do­mi­nie­ren – v. a. un­ter den 18-bis 44-Jäh­ri­gen – die «psy­chi­schen Er­kran­kun­gen». Erst ab den 55-Jäh­ri­gen wer­den sie als häu­figs­te Ur­sa­che von den Be­ein­träch­ti­gun­gen im Be­reich der «Kno­chen und Be­we­gungs­or­ga­ne» ab­ge­löst.

Die Initia­ti­ve ver­langt kon­kret ge­samt­schwei­ze­risch gül­ti­ge mi­ni­ma­le Steu­er­sät­ze auf ho­hen Ein­kom­men und Ver­mö­gen. Da­hin­ter steht letzt­lich das al­te SP-An­lie­gen der ma­te­ri­el­len Steu­er­har­mo­ni­sie­rung. Ja, das ist das Haupt­ziel der Initia­ti­ve. Und ich ha­be noch nie er­lebt, dass nach un­ten har­mo­ni­siert wird, es wird stets nach oben har­mo­ni­siert. Dar­um ist es ei­ne Steu­er­er­hö­hungs­in­itia­ti­ve.

Ist die Initia­ti­ve ge­mes­sen am An­spruch der Ge­rech­tig­keit ein Eti­ket­ten­schwin­del? Ja. Sie wur­de auch so ter­mi­niert, dass sie mög­lichst vor den Na­tio­nal­rats­wah­len 2011 zur Ab­stim­mung ge­langt. Da­mit kön­nen die Ab­zo­cker­de­bat­te und an­de­re steu­er­po­li­ti­sche Streit­fra­gen zum Wahl­kampf­the­ma ge­macht wer­den.

Wel­ches sind Ih­re wich­tigs­ten Ar­gu­men­te ge­gen die Initia­ti­ve? Ich set­ze mich für den Steu­er­wett­be­werb ein, er hält die Steu­ern tief. Wir ha­ben in der Schweiz sehr un­ter­schied­li­che Aus­gangs­la­gen. Der Kan­ton Zug bei­spiels­wei­se zeich­net sich nicht nur durch tie­fe Steu­ern, son­dern um­ge­kehrt auch durch ho­he Woh­nungs­mie­ten aus. Zu­dem ha­ben wir mit dem neu­en Fi­nanz­aus­gleich ei­nen wich­ti­gen Aus­gleichs­me­cha­nis­mus ge­gen­über kan­to­na­len Dis­pa­ri­tä­ten. Da­ne­ben gibt es ei­ne gan­ze Rei­he wei­te­rer Um­ver­tei­lungs­me­cha­nis­men. Ich will hö­he­re Steu­ern und noch mehr Um­ver­tei­lung ver­hin­dern. Steu­er­wett­be­werb be­dingt, dass die Ein­nah­men-und die Aus­ga­ben­kom­pe­ten­zen auf der­sel­ben Ebe­ne an­ge­sie­delt sind, und zwar mög­lichst na­he beim Bür­ger. Wenn das Ge­mein­we­sen ef­fi­zi­ent mit den ihm an­ver­trau­ten Mit­teln um­ge­hen und die Kos­ten tief hal­ten kann, so ist das für Un­ter­neh­men at­trak­tiv. Dar­aus re­sul­tie­ren wie­der­um mehr Steu­er­ein­nah­men und Ar­beits­plät­ze. Wir se­hen in ver­schie­de­nen Län­dern Eu­ro­pas, wo über­bor­den­de Staats­aus­ga­ben und Steu­ern hin­füh­ren. Die Pri­vat­in­itia­ti­ve und das Un­ter­neh­mer­tum wer­den ab­ge­würgt.

Die Lin­ke spricht stets vom rui­nö­sen Steu­er­wett­be­werb, es ge­be in den Staats­leis­tun­gen ein ‹Race to the Bot­tom›. Lässt sich das be­ob­ach­ten? Nein, schau­en Sie sich nur die Fi­nanz­haus­hal­te an. Sie sind in der Ver­gan­gen­heit nie ge­schrumpft, der Ku­chen ist im Ge­gen­teil Jahr für Jahr ge­wach­sen.

Wie weit wird die Fi­nanz­au­to­no­mie der Kan­to­ne durch die Initia­ti­ve ein­ge­schränkt? Heu­te fi­xiert das Steu­er­har­mo­ni­sie­rungs­ge­setz ge­wis­se Leit­plan­ken, was be­steu­ert wer­den kann. Die Sät­ze al­ler­dings kön­nen die Kan­to­ne in­di­vi­du­ell fest­le­gen. Die Initia­ti­ve wä­re ein Ein­griff in die Be­mes­sung

Sie ha­ben ein­lei­tend fest­ge­hal­ten, es sei ei­ne Steu­er­er­hö­hungs­in­itia­ti­ve. Die Mi­ni­mal­sät­ze wür­den je­doch nicht in al­len Kan­to­nen stei­gen. Ei­ne Har­mo­ni­sie­rung nach un­ten gibt es nicht. Letzt­lich geht es dar­um, Spiel­raum für ei­ne wei­te­re Aus­deh­nung der Staats­tä­tig­keit zu schaf­fen. In Re­la­ti­on zu den Ent- wick­lun­gen im Aus­land mit den ex­tre­men Kos­ten der über­bor­den­den Staats­tä­tig­keit ist das ein Anachro­nis­mus. Wir wol­len die Steu­ern eher sen­ken, da­mit wir die Staats­tä­tig­keit un­ter Kon­trol­le hal­ten kön­nen.

Wie weit wür­den mit der Initia­ti­ve auch die mitt­le­ren Ein­kom­men, die nicht di­rekt be­trof­fen sind, steu­er­lich hö­her be­las­tet? Die Hö­her­be­las­tung der obe­ren Ein­kom­men dürf­te da­zu füh­ren, dass sich zu­min­dest ein Teil der Be­trof­fe­nen güns­ti­ge­re Steu­er­do­mi­zi­le su­chen wür­de. Das ist gut mög­lich, die Schweiz ist kein Steu­er­pa­ra­dies mehr. Wenn gros­se Steu­er­zah­ler weg-

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