«Stra­fe für ho­he Ein­kom­men»

BÄR­NER APÉ­RO NA­TIO­NAL­RAT HANS KAUF­MANN (SVP/ZH) zur «Steu­er­ge­rech­tig­keits­in­itia­ti­ve» der SP und zur Fi­nanz­markt­re­gu­lie­rung

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - IN­TER­VIEW: PE­TER MORF

Herr Kauf­mann, der Na­tio­nal­rat hat die so­ge­nann­te Steu­er­ge­rech­tig­keits­in­itia­ti­ve der SP dis­ku­tiert und ab­ge­lehnt. Was ist Steu­er­ge­rech­tig­keit? Da­zu gibt es sehr un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen. Die Ver­fas­sung hält fest, dass die Steu­ern ge­mäss der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen er­ho­ben wer­den müs­sen. Das klingt zwar sehr ein­fach, ist es in der Pra­xis aber nicht. Heisst das, es zahlt je­der gleich viel, oder im­pli­ziert das ei­ne Pro­gres­si­on? Eben­so we­nig ist klar, ob sich die Leis­tungs­fä­hig­keit nach den Mög­lich­kei­ten des Ein­zel­nen rich­tet, al­so wo­zu er fä­hig ist, oder nach sei­nem Wil­len. Das wird kaum dis­ku­tiert.

Bringt die Initia­ti­ve mehr Ge­rech­tig­keit? Nein, letzt­lich ist es ei­ne Steu­er­er­hö­hungs­in­itia­ti­ve, es geht um ei­ne Ab­stra­fung der­je­ni­gen mit ho­hen Ein­kom­men und Ver­mö­gen. Da­bei wird un­ter­schla­gen, dass letzt­lich ge­nau die­se Leu­te mit ih­ren In­ves­ti­tio­nen und Ka­pi­tal­an­la­gen Ar­beits­plät­ze fi­nan­zie­ren. zie­hen, die Aus­ga­ben des Staa­tes je­doch kon­stant blei­ben, wer­den die mitt­le­ren Ein­kom­men hö­her be­las­tet. Zu­dem müss­te die Pro­gres­si­ons­kur­ve wohl auch für die mitt­le­ren Ein­kom­men an­ge­ho­ben wer­den. Es ist ein grund­sätz­li­cher Irr­tum zu mei­nen, es ge­he den Ar­men bes­ser, wenn man die Rei­chen schwächt.

Was wä­ren die Aus­wir­kun­gen der Initia­ti­ve auf die in­ter­na­tio­na­le Stand­ort­qua­li­tät der Schweiz? Es wür­de für Un­ter­neh­men si­cher we­ni­ger in­ter­es­sant, in die Schweiz zu kom­men. Bei sol­chen Stand­ort­fra­gen spielt auch das Steu­er­um­feld für die Mit­ar­bei­ter und das Ma­nage­ment ei­ne Rol­le. Da ste­hen wir im har­ten Wett­be­werb.

Ein an­de­res, jüngst sehr kon­tro­vers dis­ku­tier­tes Steu­er­the­ma ist die Bo­nus­steu­er für Bank­ma­na­ger. Ih­re Par­tei hat sich strikt da­ge­gen ge­wandt. War­um? Was uns im Zu­sam­men­hang mit dem Staats­ver­trag auf­ge­tischt wor­den ist, war gar kei­ne Bo­nus­steu­er, son­dern ei­ne zu­sätz­li­che Un­ter­neh­mens­steu­er. Die Be­zü­ger der ho­hen Bo­ni müss­ten des­we­gen nicht mehr Steu­ern zah­len. Wir wol­len kei­ne neue Steu­er, die zu­dem sehr leicht zu um­ge­hen wä­re. Das Pro­blem muss über ei­ne Stär­kung der Ei­gen­tü­mer im Ak­ti­en­recht an­ge­gan­gen wer­den. Wenn der Ei­gen­tü­mer sehr ho­he Sa­lä­re zah­len will, ist das in Ord­nung. Es ist nicht Sa­che des Staa­tes, in die Lohn­struk­tu­ren von Pri­vat­un­ter­neh­men ein­zu­grei­fen.

Gibt es an­de­re We­ge, die Sa­lär­ex­zes­se in den Griff zu be­kom­men? Der Un­mut im Volk ist gross. Das be­grei­fe ich auch. Un­ser Ak­ti­en­recht wird den An­for­de­run­gen nicht mehr ge­recht. Die lau­fen­de Ak­ti­en­rechts­re­vi­si­on und vor al­lem die Fi­nanz­markt­re­gu­lie­rung wer­den ei­ni­ges ver­än­dern. Ich ge­he da­von aus, dass sich die Ei­gen­mit­tel­an­for­de­run­gen an die Ban­ken in ei­nem ge­stuf­ten Ver­fah­ren mit­tel­fris­tig ver­dop­peln wer­den. Als Fol­ge wird die Ren­ta­bi­li­tät der Ban­ken sin­ken, da­mit wird auch der Spiel­raum für ex­zes­si­ve Bo­ni be­schränkt.

Lässt sich über die Fi­nanz­markt­re­gu­lie­rung die nächs­te Kri­se ver­hin­dern? Wer­den da nicht zu ho­he Er­war­tun­gen ge­schürt? Die hö­he­ren Ei­gen­mit­tel­an­for­de­run­gen müss­ten glo­bal gel­ten, das wür­de die Puf­fer ver­grös­sern. In der Pra­xis wird dies aber kaum ge­sche­hen. Zu­dem ha­ben wir Pro­ble­me mit der Staats­ver­schul­dung, wenn nicht gar mit Staats­plei­ten. Wir wer­den Kri­sen si­cher nicht ganz ver­hin­dern kön­nen, aber ei­ni­ges kann ge­tan wer­den und ist auch un­ter­wegs. Wir müs­sen aber sehr be­hut­sam vor­ge­hen und dür­fen nicht pro­zy­klisch wir­ken.

Na­tio­nal­rat Hans Kauf­mann warnt vor über­bor­den­der Staats­tä­tig­keit.

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