Grös­se ist nicht gleich Ef­fi­zi­enz

Vie­le eu­ro­päi­sche Gross­ban­ken wei­sen schlech­tes Ver­hält­nis von Auf­wand zu Er­trag auf – Auch Bo­ni na­gen an der Pro­fi­ta­bi­li­tät

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ADRI­AN BLUM

Lang­sam aber si­cher wird es ernst für die Ban­ken. Die Dis­kus­sio­nen um die künf­ti­gen Re­gu­lie­rungs­vor­schrif­ten wer­den im­mer in­ten­si­ver, und das (ge­gen­sei­ti­ge) Miss­trau­en am Markt bleibt hoch. Die Ge­schäf­te lau­fen zwar wie­der et­was bes­ser, und vie­le Bank­in­sti­tu­te sind et­was kri­sen­re­sis­ten­ter ge­wor­den. Doch was ge­nau auf die Ban­ken zu­kommt, ist un­ge­wiss.

Ak­ti­en der eu­ro­päi­schen Gross­ban­ken wei­sen ho­he Ri­si­ko­ab­schlä­ge und gros­se Kurs­schwan­kun­gen auf. Aus­ser­dem hat die Schul­den­kri­se er­neut zu Eng­päs­sen am In­ter­ban­ken­markt ge­führt, vie­le eu­ro­päi­sche Ban­ken sind in der Re­fi­nan­zie­rung ab­hän­gig von Mit­teln der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank. Die Pu­bli­ka­ti­on von Stress­tests, wie von der EU ab Ju­li vor­ge­se­hen, mag et­was mehr Ru­he brin­gen, die zu­grun­de lie­gen­den Pro­ble­me aber nicht lö­sen (vgl. ne­ben­ste­hen­den Kom­men­tar). Der Ka­pi­tal­be­darf bleibt, und da­mit der Druck, die ope­ra­ti­ven Er­geb­nis­se mas­siv zu ver­bes­sern.

At­trak­ti­ves Re­tail­ban­king

Un­ab­hän­gig da­von, wie die Re­gu­lie­rung ein­mal aus­se­hen wird, steht fest, dass die Ban­ken ih­re ope­ra­ti­ve Er­trags­kraft auf brei­ter Front er­hö­hen müs­sen. Das Au­gen­merk ist da­bei auch auf die Kos­ten zu rich­ten, da die Ge­winn­ent­wick­lung da­von mit be­ein­flusst wird. Ef­fi­zi­enz lässt sich un­ter an­de­rem an der Cost-In­co­me-Ra­tio ( Ver­hält­nis von Auf­wand zu Er­trag) mes­sen. Die­se Kenn­zahl war in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit aber sel­ten hilf­reich, da vie­le Ban­ken in den Jah­ren 2008 und 2009 der­art ho­he Wert­be­rich­ti­gun­gen, Ab­schrei­bun­gen oder an­de­re Be­las­tun­gen zu ver­kraf­ten hat­ten, dass sie ent­we­der ei­nen sehr ho­hen Ver­lust oder bes­ten­falls ein knapp aus­ge­gli­che­nes Er­geb­nis aus­wei­sen konn­ten.

Die Ak­ti­en­ana­lys­ten von Stan­dard & Poor’s (die ge­trennt von ih­ren Kol­le­gen agie­ren, die die Ra­ting ver­ge­ben) ha­ben da­her in ih­rer Un­ter­su­chung der Kos­tenEr­trags-Re­la­tio­nen die bei­den Zei­t­räu­me 2004 bis 2006 so­wie 2002 bis 2007 ge­wählt, wo­bei der als ers­tes ge­nann­te Zei­t­raum von ei­nem sehr freund­li­chen Kre­dit­um­feld ge­prägt war (sie­he Bal­ken­dia­gramm). S&P kommt zum Er­geb­nis, dass die di­ver­si­fi­zier­ten In­vest­ment­ban­ken ei­ne schwa­che Ef­fi­zi­enz auf­zei­gen. Da­zu ge­hö­ren UBS, CS Group und die Deut­sche Bank.

Ka­pi­tal­markt­ori­en­tier­te Uni­ver­sal­ban­ken wei­sen ge­mäss S&P schlech­te­re Kenn­zah­len auf – vor al­lem ge­mes­sen an Wett­be­wer­bern, die stär­ker auf das Re­tail- ban­king aus­ge­rich­tet sind. S&P führt die­se Min­der­per­for­mance auch dar­auf zu­rück, dass In­vest­ment­ban­ken ei­nen ho­hen An­teil des va­ria­blen Han­dels­er­geb­nis­ses als Bo­nus aus­zah­len.

Die Un­ter­su­chung ha­be aus­ser­dem ge­zeigt, dass es kei­ne po­si­ti­ve Re­la­ti­on zwi­schen Grös­se und Ef­fi­zi­enz ge­be. Dies las­se Zwei­fel an ei­nem wich­ti­gen Mo­tiv für Fu­sio­nen und Über­nah­men auf­kom­men. Es sei al­les an­de­re als ga­ran­tiert, dass die Ein­spa­rung von Kos­ten tat­säch­lich ein Ef­fekt ei­ner In­te­gra­ti­on sei. Denn of­fen­bar kön­nen auch klei­ne­re, un­ab­hän­gi­ge Ein­hei­ten Kos­ten spa­ren und ef­fi­zi­ent sein.

Wirk­sa­me M&A-Brem­se

S&P un­ter­such­te aus­ser der CI-Ra­tio der eu­ro­päi­schen Gross­ban­ken auch die Ver­hält­nis­grös­sen von Kos­ten zu Bi­lanz­sum­me und von Ein­nah­men zu Bi­lanz­sum­me. Auch hier kom­men di­ver­si­fi­zier­te Ka­pi­tal­markt­in­sti­tu­te schlecht weg. Es zeigt sich er­neut, dass Grös­se und Di­ver­si­fi­zie­rung In­sti­tu­ten wie UBS, Cre­dit Suis­se oder Deut­sche Bank nicht da­zu ver­hol­fen ha­ben, ef­fi­zi­en­ter als an­de­re zu sein.

An­ge­sichts sol­cher Er­geb­nis­se kom­men die S&P-Ana­lys­ten zum Schluss, dass die Fu­si­ons-und Über­nah­me­tä­tig­keit im Ban­ken­sek­tor in den kom­men­den Jah­ren ge­ring sein wird. Die Dis­kus­sio­nen um Too-big-to-fail, al­so über die Fra­ge, was mit Ban­ken ge­sche­hen soll, die zu gross sind, um sie un­ter­ge­hen zu las­sen, wer­den oh­ne­hin die M&A-Ak­ti­vi­tät brem­sen. Wenn Grös­se und Di­ver­si­fi­zie­rung nicht zwin­gend die Ef­fi­zi­enz der Ban­ken stei­gern, son­dern so­gar eher ver­rin­gern, fällt in der Too-big-to-fail-Dis­kus­si­on den Be­für­wor­tern von Gross­in­sti­tu­ten ein wei­te­res Ar­gu­ment weg.

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