Neue Kla­gen ge­gen For­tis

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - HTZ,

Die bel­gisch-nie­der­län­di­sche All­fi­nanz­grup­pe For­tis, die im Herbst 2008 auf dem Hö­he­punkt der in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­markt­kri­se ver­staat­licht wur­de, hat­te die An­le­ger in der ein Jahr zu­vor statt­ge­fun­de­nen Ka­pi­tal­er­hö­hung zur Fi­nan­zie­rung der Teil­über­nah­me der nie­der­län­di­schen Gross­bank ABN Am­ro feh­ler­haft in­for­miert. Zu die­sem Schluss kommt ein Un­ter­su­chungs­be­richt ei­nes nie­der­län­di­schen Ge­richts.

Dem da­ma­li­gen For­tis-Ma­nage­ment un­ter Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer (CEO) Je­anPaul Vo­tron wird vor­ge­wor­fen, das Ri­si­ko­po­ten­zi­al des En­ga­ge­ments auf dem ame­ri­ka­ni­schen Sub­pri­me-Hy­po­the­ken­markt ver­schwie­gen zu ha­ben. Im Emis­si­ons­pro­spekt hiess es, das Ri­si­ko in den USA be­tra­ge höchs­tens 20 Mio. €. In­tern sei zu die­sem Zeit­punkt aber schon von Ver­lus­ten in Hö­he von über 500 Mio. € die Re­de ge­we­sen.

«Das Er­geb­nis der Un­ter­su­chung ist knall­hart», sagt Niels Lem­mers, Chef­ju­rist der nie­der­län­di­schen Ak­tio­närs­ver­ei­ni­gung VEB. «Des­halb wer­den wir die For­tis Hol­ding und das For­tis-Ma­nage­ment er­neut ver­kla­gen. Das Ri­si­ko der Sub­pri­meAn­la­gen wur­de ge­gen­über den An­le­gern ver­schwie­gen.» Die neue Kla­ge rich­tet sich ge­gen die bel­gi­sche For­tis Hol­ding, die sich vor kur­zem in Age­as um­be­nannt hat.

Aber auch ge­gen den nie­der­län­di­schen und den bel­gi­schen Staat lau­fen Kla­gen der VEB und der bel­gi­schen Ak­tio­närs­ver­ei­ni­gung De­mi­nor, weil die je­wei­li­gen Re­gie­run­gen im Ok­to­ber 2008 gros­se Tei­le der For­tis-Grup­pe ver­staat­licht hat­ten, oh­ne vor­ab die Ak­tio­nä­re zu be­fra­gen. Ge­gen Lu­xem­burg liegt kei­ne Kla­ge vor.

Die Bank­ak­ti­vi­tä­ten in Bel­gi­en und Lu­xem­burg wur­den in­zwi­schen gröss­ten­teils an die fran­zö­si­sche Gross­bank BNP Pa­ri­bas wei­ter­ver­kauft. Die nie­der­län­di­sche For­tis Bank be­fin­det sich hin­ge­gen im­mer noch zu 100% in staat­li­cher Hand und soll mit dem da­mals eben­falls ver­staat­lich­ten Teil der ABN Am­ro Bank ver­schmol­zen wer­den. Die Ver­staat­li­chung und Fu­si­on der bei­den In­sti­tu­te kos­ten die nie­der­län­di­schen Steu­er­zah­ler rund 30 Mrd.€.

Nach Ein­schät­zung des Wert­schrif­ten­hau­ses Rabo Se­cu­ri­ties könn­ten sich die Scha­den­er­satz­an­sprü­che ge­gen­über der For­tis-Grup­pe auf ins­ge­samt 400 Mio. € be­lau­fen. Es sei aber mit jah­re­lan­gen Ge­richts­ver­fah­ren zu rech­nen. «Wir wol­len Age­as nicht rui­nie­ren», hält Niels Lem­mers von der VEB fest, «aber die For­tis-Ak­tio­nä­re ha­ben Recht auf ei­ne Ent­schä­di­gung.»

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