Vom Immo- an den Ak­ti­en­markt

Ana­lys­ten er­war­ten in Chi­na Ka­pi­tal­rück­fluss an die Bör­se von bis zu 60 Mrd. $ – Stei­gen­de Löh­ne be­güns­ti­gen Kon­sum­ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ERNST HERB,

Chi­nas Ak­ti­en­märk­te schos­sen zwi­schen März und Ok­to­ber 2009 als Re­ak­ti­on auf das staat­li­che Kon­junk­tur­pro­gramm rund 100% in die Hö­he. Seit die­se Kon­junk­tur­stütz­mass­nah­men dank ei­ner er­neut boo­men­den Volks­wirt­schaft be­hut­sam zu­rück­ge­fah­ren wer­den, hat an den chi­ne­si­schen Bör­sen aber ei­ne deut­li­che Kor­rek­tur ein­ge­setzt. Der Han­gSeng-In­dex, das Leit­ba­ro­me­ter in Hong­kong, hat seit An­fang Jahr 7% ver­lo­ren, wäh­rend der Haupt­in­dex der Fest­land­bör­se Schang­hai mehr als 20% ein­ge­knickt ist und da­bei im lau­fen­den Jahr un­ter al­len asia­ti­schen Bör­sen am schlech­tes­ten ab­ge­schnit­ten hat.

Sor­gen über die Ne­ben­ef­fek­te ei­nes über­hitz­ten Im­mo­bi­li­en­mark­tes, ra­sant stei­gen­de Löh­ne, an­zie­hen­de Prei­se für Agrar­pro­duk­te so­wie die Be­fürch­tun­gen ei­nes er­neu­ten Wachs­tum­s­ein­bruchs in Eu­ro­pa ha­ben in den ver­gan­ge­nen Ta­gen zu­sätz­li­che Markt­vo­la­ti­li­tät ver­ur­sacht. Aber nach wie vor zir­ku­liert sehr viel Li­qui­di­tät im chi­ne­si­schen Fi­nanz­we­sen – Geld, das ab 2008 zur Stüt­zung des Wachs­tums ins Sys­tem ein­ge­schos­sen und bis­her erst zu ei­nem ge­rin­gen Teil ab­ge­schöpft wur­de.

Über­schüs­si­ges Ka­pi­tal

Ein be­deu­ten­der Teil die­ser Gel­der floss 2009 zu­nächst an den Ak­ti­en-und in ei­ner zwei­ten Pha­se in den Im­mo­bi­li­en­markt. Nach­dem die Re­gie­rung zur Be­kämp­fung ei­ner sich auf­blä­hen­den Spe­ku­la­ti­ons­bla­se mit zu­neh­mend schar­fen Mass­nah­men in das Markt­ge­sche­hen ein­griff, ist ver­mehrt Ka­pi­tal in den Markt für Agrar­pro­duk­te ge­flos­sen. Das wie­der­um hat mass­geb­lich zur Teue­rung der ver­gan­ge­nen Wo­chen bei­ge­tra­gen.

Jetzt gibt die Re­gie­rung zur Be­kämp­fung der In­fla­ti­on auch hier Ge­gen­steu­er. Zu­min­dest ein Teil der über­schüs­si­gen Li­qui­di­tät dürf­te im Zu­ge der kon­junk­tu­rel­len Be­ru­hi­gungs­mass­nah­men aus dem Sys­tem ge­pumpt wer­den. Als Pe­king 2004 von ei­ner lo­cke­ren zu ei­ner stren­gen Geld­po­li­tik ge­wech­selt hat­te, bra­chen die chi­ne­si­schen Ak­ti­en­märk­te 24% ein. Doch chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men wei­sen heu­te im Un­ter­schied zu da­mals ein wei­ter­hin kräf­ti­ges Ge­winn­wachs­tum auf. Ge­mäss Schät­zun­gen des zur fran­zö­si­schen Gross­bank Cré­dit Ag­ri­co­le ge­hö­ren­den Bro­ker­hau­ses CLSA Asia-Pa­ci­fic Mar­kets wer­den die Ge­win­ne 2010 mehr als 20% und nächs­tes Jahr 17% wach­sen.

Wei­te­re Li­qui­di­tät dürf­te durch den wohl welt­weit gröss­ten Bör­sen­gang im lau­fen­den Jahr ab­sor­biert wer­den. Die Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na (ABC) hofft, dass ihr die für Mit­te Ju­li ge­plan­te Dual­ko­tie­rung an den Ak­ti­en­märk­ten Hong­kong und Schang­hai schät­zungs­wei­se 23 Mrd.$ in die Kas­se spü­len wird. Das ist al­ler­dings ein weit tie­fe­rer Be­trag als die 32 Mrd.$, die sich Chi­nas viert­gröss­tes Geld­haus ur­sprüng­lich aus­ge­malt hat­te. Ein Grund da­für ist, dass ge­gen­wär­tig auch an­de­re be­deu­ten­de chi­ne­si­sche Fi­nanz­in­sti­tu­te zur Stär­kung ih­rer Ka­pi­tal­de­cke den Fi­nanz­markt an­zap­fen.

Trotz­dem dürf­te in Chi­na wei­ter viel frei ver­füg­ba­res Ka­pi­tal – auf der Su­che nach ei­nem si­che­ren Ha­fen und ei­ner hö­he­ren Ren­di­te – im Sys­tem zir­ku­lie­ren. Nach­dem der Ak­ti­en­markt in den ver­gan­ge­nen acht Mo­na­ten kräf­ti­ge Ein­bus­sen er­lit­ten hat, könn­te die­ses Ka­pi­tal nun er­neut an die Bör­se flies­sen. Seit An­fang Jahr hat das KGV der Fest­land­bör­se Ge­mäss Schät­zun­gen des chi­ne­si­schen Bro­ker­hau­ses Ci­tic Se­cu­ri­ties wer­den in den nächs­ten Mo­na­ten bis zu 60 Mrd.$ vom Im­mo­bi­li­en-in den Ak­ti­en­markt zu­rück­flies­sen. Die­se Sum­me ent­spricht ei­nem Drit­tel al­ler 2009 in den 35 gröss­ten Städ­ten des Lan­des durch­ge­führ­ten Im­mo­bi­li­en­trans­ak­tio­nen. Nicht al­le Sek­to­ren wür­den vom Rück­fluss im glei­chen Aus­mass pro­fi­tie­ren. Un­ter Ab­ga­be­druck ste­hen kurz-und mit­tel­fris­tig Ex­port-, Im­mo­bi­li­en-und Bank­ti­tel. Im Fall ei­ner mög­li­cher­wei­se schar­fen Kor­rek­tur der Im­mo­bi­li­en­prei­se wür­de der An­teil der not­lei­den­den Kre­di­te in den Bi­lan­zen der chi­ne­si­schen Geld­häu­ser stei­gen.

«Er­heb­li­ches Auf­wärts­po­ten­zi­al ha­ben Ak­ti­en von Un­ter­neh­men, die stark auf den chi­ne­si­schen Markt von Mas­sen­kon­sum­gü­tern aus­ge­rich­tet sind», heisst es in ei­ner Stu­die der Cre­dit Suis­se. Die For­de­run­gen chi­ne­si­scher Ar­bei­ter nach hö­he­ren Löh­nen und die sich da­mit in den ver­gan­ge­nen Wo­chen häu­fen­den Streiks ber­gen zwar ein ge­wis­ses po­li­ti­sches Ri­si­ko. Auch die Ge­win­ne in sehr ar­beits­in­ten­si­ven Un­ter­neh­men dürf­ten des­halb un­ter Druck ge­ra­ten. Doch dank hö­he­ren Löh­nen wird die Kauf­kraft vie­ler Chi­ne­sen zu­neh­men. Ge­mäss Cre­dit Suis­se wird sich der Pri­vat­kon­sum im Zei­t­raum von 2009 bis 2015 von 10 auf 24 Bio. Yuan (3,5 Bio. $) mehr als ver­dop­peln. Zu den Nutz­nies­sern die­ser Ent­wick­lung zäh­len un­ter an­de­ren die Ak­ti­en des Mo­bil­funk­kon­zerns Chi­na Mo­bi­le, des Ver­si­che­rers Chi­na Li­fe oder des Sport­ar­ti­kel­pro­du­zen­ten An­ta Sports.

Die Kurs­kor­rek­tur er­öff­net an der Bör­se Schang­hai Kauf­ge­le­gen­hei­ten.

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