CBOE öff­net in Wal­ls­treet das IPO-Fens­ter

Er­folg­rei­cher Bör­sen­gang der gröss­ten US-Op­ti­ons­bör­se am Nas­daq – Han­dels­platt­form für In­dex­op­tio­nen auf US-Leit­ba­ro­me­ter – At­trak­ti­ve Ti­tel

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - THO­MAS PENTSY

Welt­weit mehr als dreis­sig Un­ter­neh­men ha­ben seit April we­gen der Schul­den­kri­se in Eu­ro­pa ih­ren Bör­sen­gang ab­ge­sagt oder auf un­be­stimm­te Zeit ver­scho­ben. Doch das Go­ing Pu­b­lic der Op­ti­ons­bör­se CBOE Hol­dings am Di­ens­tag in den USA hat nun das Fens­ter für In­iti­al Pu­b­lic Of­fe­rings (IPO) an der Welt­leit­bör­se Wal­ls­treet wie­der auf­ge­stos­sen. Die Pu­bli­kums­öff­nung der CBOE – der Chi­ca­go Bo­ard Op­ti­ons Ex­ch­an­ge – war in Wal­ls­treet der ers­te Bör­sen­gang seit Gen­mark Dia­gnostics am 28. Mai. Da­bei ha­ben die An­le­ger dem Go­ing Pu­b­lic ei­ner der welt­weit gröss­ten – und in Ame­ri­ka der äl­tes­ten – Op­ti­ons­bör­se ei­nen war­men Emp­fang be­rei­tet.

Am ers­ten Han­dels­tag am Nas­daq schlos­sen die Ak­ti­en CBOE ge­gen­über dem Emis­si­ons­preis 12% hö­her auf 32.49 $ und ha­ben die­ses Kurs­ni­veau seit­her mehr oder we­ni­ger ge­hal­ten. Dass das un­ter der Lei­tung von Gold­man Sachs durch­ge­führ­te IPO der CBOE ein Er­folg wer­den wür­de, hat­te sich we­gen des re­gen In­ter­es­ses in In­ves­to­ren­krei­sen be­reits in den Ta­gen vor dem Bör­sen­gang ab­ge­zeich­net. Der Aus­ga­be­preis der in ei­ner Band­brei­te von 27 bis 29$ zur Zeich­nung auf­ge­leg­ten Ti­tel wur­de denn auch am obe­ren En­de der in­di­ka­ti­ven Preis­span­ne fi­xiert. Durch den Ver­kauf von 11,7 Mio. Ak­ti­en zu 29$ je Ti­tel lös­te der Be­trei­ber der in Chi­ca­go do­mi­zi­lier­ten Op­ti­ons­bör­se rund 339 Mio. $.

Pio­nier im Op­ti­ons­han­del

Aus­schlag­ge­bend für den Bör­sen­ap­plaus der 1973 in den USA als ers­te Platt­form für den Han­del mit Op­tio­nen auf Ak­ti­en ge­grün­de­ten CBOE sind ihr Ge­schäfts­mo­dell und die Markt­füh­rer­schaft im hart um­kämpf­ten US-Markt für den Han­del mit De­ri­va­ten. Es gibt in den USA sie­ben be­deu­ten­de De­ri­vat­bör­sen, fünf da­von ha­ben ei­nen Markt­an­teil von mehr als 10%. Ob­wohl die CBOE in den letz­ten Jah­ren wie al­le an­de­ren tra­di­tio­nel­len Bör­sen­be­trei­ber – et­wa Nyse Eu­ronext oder Nas­daq OMX – Markt­an­tei­le an al­ter­na­ti­ve Han­dels­platt­for­men ver­lo­ren hat, wur­de im ers­ten Jah­res­vier­tel 2010 fast ein Drit­tel des in den USA ab­ge­wi­ckel­ten Op­ti­ons­han­dels über die CBOE durch­ge­führt.

Da­bei kommt ihr zu­gu­te, dass sich der De­ri­vat­han­del in den letz­ten zehn Jah­ren mehr als ver­fünf­facht hat und wei­ter gu­te Wachs­tums­per­spek­ti­ven bie­tet. Zu­dem wird die­ses Seg­ment in­zwi­schen über­wie­gend von In­sti­tu­tio­nel­len ge­nutzt. Nach An­ga­ben des Bro­ker­hau­ses CLSA Asia-Pa­ci­fic Mar­kets wur­de der De­ri­vat­han­del vor fünf­zehn Jah­ren noch zu 80% von Pri­vat­an­le­gern do­mi­niert. In­sti­tu­tio­nel­le in­des han­deln re­gel­mäs­si­ger und ak­ti­ver als Pri­vat­in­ves­to­ren.

Ein­zig­ar­tig

Ei­ner der gröss­ten Trümp­fe der CBOE ist, dass über ih­re Platt­form Op­tio­nen auf viel be­ach­te­te Leit­in­di­zes wie den S&P 500, den Down Jo­nes In­dus­tri­al oder den Vo­la­ti­li­täts­in­dex Vix ge­han­delt wer­den. Das Vo­la­ti­li­täts­ba­ro­me­ter Vix gilt in An­le­ger­krei­sen als ein wich­ti­ger Grad­mes­ser für die Ri­si­ko­be­reit­schaft der In­ves­to­ren. Das so­ge­nann­te «Angs­tba­ro­me­ter» misst die kurz­fris­ti­ge Schwan­kungs­in­ten­si­tät (im- pli­zi­te Vo­la­ti­li­tät) an­hand der Prei­se von Op­tio­nen auf den S&P-500-In­dex über dreis­sig Ta­ge. Der Vix hat sich als In­dus­trie­stan­dard für die Markt­vo­la­ti­li­tät eta­bliert und ist ur­sprüng­lich von der CBOE kre­iert wor­den, wes­halb sie im Han­del auf den Vix ein pro­prie­tä­res Recht be­sitzt. Nach dem S&P 500 ist der Vix der am zweit­meis­ten ge­han­del­te In­dex auf der Platt­form der CBOE.

Mit Stan­dard & Poor’s hat die CBOE ein ex­klu­si­ves Ab­kom­men, das ihr bis 2018 das Recht auf den Han­del von Op­tio­nen auf In­di­zes wie den S&P 500 oder den S&P 100 ein­räumt. Ei­ne ähn­li­che Ver­ein­ba­rung be­steht mit dem US-In­dex­an­bie- ter Dow Jo­nes bzw. mit der CME Group, die die In­dex­se­rie von Dow Jo­nes über­nom­men hat. Die­ses Ab­kom­men läuft bis 2012, sieht aber die Mög­lich­keit vor, den Ver­trag bis 2017 zu ver­län­gern.

Reich an Er­fah­rung

Zu den Vor­tei­len zählt auch, dass die CBOE von ei­nem er­fah­re­nen Ma­nage­ment ge­führt wird. CEO Wil­li­am Brods­ky hat in der Bör­sen­be­trei­ber­bran­che mehr als 35 Jah­re Be­rufs­er­fah­rung und war wäh­rend zwölf Jah­ren Chef der Ter­min­wa­ren­bör­se Chi­ca­go Mer­can­ti­le Ex­ch­an­ge (CME), ehe er 1997 das Amt des Kon­zern­chefs der CBOE an­trat. Ed­ward Joy­ce, Prä­si­dent und Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer (COO), hat eben­falls mehr als 35 Jah­re Know-how im Bör­sen­ge­schäft und ist seit 2000 ver­ant­wort­lich für das ope­ra­ti­ve Ta­ges­ge­schäft der Op­ti­ons­bör­se. Mit ei­nem Dur­schnitts­al­ter von 56 Jah­ren ge­niesst das CBOE-Ma­nage­ment in Bör­sen­krei­sen den Ruf der er­fah­rens­ten Füh­rungs­crew un­ter den öf­fent­li­chen US-Bör­sen­un­ter­neh­men.

Ana­lys­ten be­ur­tei­len der­weil die Ge­winn­per­spek­ti­ven der CBOE als ro­bust. Nach ei­nem Ge­winn pro Ak­tie von 0.86 $ im ver­gan­ge­nen Jahr pro­gnos­ti­ziert CLSA bei­spiels­wei­se für 2010 ein Er­geb­nis pro Ti­tel von 1.20 $ und für 2011 ei­nes von 1.65 $. Ba­sie­rend auf der Ge­winn­pro­gno­se 2011 wer­den CBOE zu ei­nem KGV von 19 ge­han­delt. Ge­mes­sen dar­an sind sie ge­gen­über den eben­falls in Wal­ls­treet ko­tier­ten Pa­pie­ren der Nyse Eu­ronext (KGV von 11) oder der Nas­daq OMX (KGV von 9) mit ei­nem deut­li­chen Auf­schlag be­wer­tet. Im Ver­gleich zu In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge (KGV von 19) oder CME Group (KGV von 17) sind die Va­lo­ren mehr oder we­ni­ger gleich hoch ein­ge­stuft.

Die Kurs­aus­sich­ten für CBOE er­schei­nen auch nach dem IPO at­trak­tiv. Ge­mäss Emis­si­ons­pro­spekt ist un­ter an­de­rem vor­ge­se­hen, dass 60 bzw. 120 Ta­ge nach der Bör­sen­ein­füh­rung Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gram­me ge­star­tet wer­den kön­nen. Die­se Pro­gram­me könn­ten wo­mög­lich dann zum Tra­gen kom­men, wenn die Hal­te­fris­ten für Al­t­ak­tio­nä­re nach 180 bzw. 360 Ta­gen aus­lau­fen. Durch das Aus­lau­fen der Sperr­fris­ten ent­steht oft ein künst­li­cher Ver­kaufs­druck durch ei­nen Ak­ti­en­über­hang, des­sen Ef­fekt so ab­ge­fe­dert wer­den kann. Auch will die CBOE je­weils 20 bis 30% des letzt­jäh­ri­gen Un­ter­neh­mens­ge­winns als Di­vi­den­de an die An­le­ger aus­schüt­ten. Nicht zu­letzt of­fe­rie­ren CBOE ei­ne ge­wis­se Über­nah­me­fan­ta­sie. Die Kon­so­li­die­rung in der Bör­sen­land­schaft ist noch nicht ab­ge­schlos­sen, und in der Ver­gan­gen­heit wur­den da teil­wei­se statt­li­che Über­nah­me­prä­mi­en ge­zahlt.

Tra­di­ti­on ge­paart mit Er­folg: Ame­ri­kas äl­tes­te Op­ti­ons­bör­se, die CBOE, fei­ert ih­ren ge­lun­ge­nen Bör­sen­e­in­stand.

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