«Eu­ro ge­gen 1.30»

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - OLI­VER AD­LER IN­TER­VIEW: ELI­SA­BETH TES­TER

Herr Ad­ler, die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank SNB hat sich letz­te Wo­che ent­schie­den, die Stüt­zungs­käu­fe für den Eu­ro zu be­en­den. Wo­hin geht der Wech­sel­kurs? Ei­ne Auf­wer­tung Rich­tung 1.30 Fr./€ scheint wahr­schein­lich zu sein. Der Zins­vor­teil im Eu­ro­raum ist ge­gen­über der Schweiz ge­ring und wird eher noch ab­neh­men: Die SNB möch­te den Leit­satz an­he­ben, wäh­rend die EZB wohl noch län­ge­re Zeit Li­qui­di­tät schöp­fen wird. Dass die SNB nun von In­ter­ven­tio­nen ab­sieht, kann die Auf­wer­tung kurz­fris­tig ver­stär­ken. Flaut die Fis­kal­kri­se in Eu­ro­pa wei­ter ab und sind die Stress­tests der eu­ro­päi­schen Ban­ken pu­bli­ziert, soll­te der Auf­trieb je­doch nach­las­sen.

Wel­cher Kurs wird für die Schwei­zer Ex­port­wirt­schaft pre­kär? Emp­feh­len Sie Ex­por­teu­ren ei­ne Ab­si­che­rung? Es gibt kei­ne ab­so­lu­te Schmerz­gren­ze. Die Schwel­le ist je nach Bran­che und Un­ter­neh­men recht un­ter­schied­lich. Un­se­re Um­fra­gen er­ge­ben, dass 1.30 bis 1.35 Fr./€ für ei­nen Gross­teil der Ex­por­teu­re ver­kraft­bar sind. Ei­ne Ab­si­che­rung ist zur­zeit re­la­tiv güns­tig und liegt des­halb na­he. Ne­ben den Kos­ten sind aber auch un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­sche Über­le­gun­gen wich­tig.

Setzt der Dol­lar sei­ne jüngs­te Schwä­che­pha­se zum Eu­ro und Fran­ken fort? Nein, es gibt mo­men­tan zu we­nig Grün­de, die für ei­ne nach­hal­ti­ge Er­ho­lung des Eu­ros spre­chen. Die Schaf­fung des eu­ro­päi­schen Sta­bi­li­sie­rungs­me­cha­nis­mus und die er­folg­rei­che Re­fi­nan­zie­rung von spa­ni­schen Staats­an­lei­hen ha­ben ei­ne ge­wis­se Be­ru­hi­gung ge­bracht, aber die Pro­ble­me sind nicht aus­ge­stan­den. Vo­r­erst pro­fi­tiert der Dol­lar noch von sei­ner Sa­feHa­ven-Rol­le.

Auf wel­che Wäh­run­gen soll der In­ves­tor bis En­de Jahr set­zen? Wo dro­hen Ver­lus­te? Aus Schwei­zer Sicht emp­feh­len wir vo­r­erst ei­ne er­höh­te Ge­wich­tung des Fran­kens. Im Eu­ro dro­hen, wie er­wähnt, noch Rück­schlä­ge. Be­ru­higt sich die eu­ro­päi­sche Schul­den­si­tua­ti­on, könn­te ge­gen En­de Jahr dann auch der Dol­lar er­neut un­ter Druck kom­men. Ei­ne gut di­ver­si­fi­zier­te Al­lo­ka­ti­on in Wäh­run­gen von Schwel­len­län­dern und in eu­ro­päi­sche Ne­ben­wäh­run­gen, sei es in Skan­di­na­vi­en oder in Ost­eu­ro­pa, soll­te Ge­win­ne brin­gen.

Chi­na will die Wäh­rungs­an­bin­dung lo­ckern. Wann fol­gen den Wor­ten Ta­ten? Die chi­ne­si­sche Wäh­rungs­po­li­tik wird si­cher sehr gra­du­ell und vor­sich­tig blei­ben. Wir er­war­ten bis En­de Jahr nur ei­ne et­wa fünf­pro­zen­ti­ge Auf­wer­tung des Ren­min­bis zum Dol­lar. Lang­fris­tig kann sich Chi­na ei­ne we­sent­lich stär­ke­re Auf­wer­tung er­lau­ben – das ist aber nicht schmerz­frei und über Nacht zu ma­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.