Nest­lé im Wan­del

2020 fast die Hälf­te des Um­sat­zes aus Schwel­len­märk­ten – Wachs­tums­chan­cen auch in ent­wi­ckel­ter Welt

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - SEI­TE 17

Der Nah­rungs­mit­tel­mul­ti er­wirt­schaf­tet der­zeit rund ein Drit­tel des Um­sat­zes in Schwel­len­märk­ten – in zehn Jah­ren soll es ge­gen die Hälf­te sein. Die In­ves­ti­tio­nen spie­geln das: je et­wa 50% sol­len in ent­wi­ckel­te be­zie­hungs­wei­se auf­stre­ben­de Märk­te flies­sen.

Oh­ne den Um­satz aus Schwel­len­märk­ten wä­re Nest­lé rund ein Drit­tel klei­ner. Die­ses Jahr wer­den 35% An­teil an­ge­strebt, 2020 sol­len es 45% sein (zu kon­stan­ten Wech­sel­kur­sen), und zwar zu Be­triebs­ge­winn­mar­gen, die im Grup­pen­ver­gleich über dem Durch­schnitt lie­gen. Das setzt vor­aus, dass Nest­lé bis da­hin in den Emer­ging Mar­kets jähr­lich rund 8% wächst – für Frits van Di­jk, Chef der Re­gi­on Asi­en, Ozea­ni­en, Afri­ka, ei­ne sehr glaub­haf­te Pro­jek­ti­on, wie er am Di­ens­tag an ei­nem In­ves­to­r­en­se­mi­nar sag­te.

2009 er­wirt­schaf­te­te der Nah­rungs­mit­tel­kon­zern 35 Mrd. Fr. Um­satz in den Em­Ma, in ei­nem Jahr­zehnt kön­nen es so­mit rund 75 Mrd. Fr. sein. Nest­lé ist mit dem ak­tu­el­len Vo­lu­men in die­sen Re­gio­nen der Kon­kur­renz klar vor­aus (vgl. Gra­fik). Der­zeit stam­men je rund 15 Mrd. Fr. Um­satz aus den Zo­nen Asi­en, Afri­ka, Nah­ost bzw. aus Latein­ame­ri­ka. Et­wa 5 Mrd. Fr. er­ar­bei­tet Nest­lé in den Em­Ma in Zen­tral-und in Ost­eu­ro­pa in­klu­si­ve Russ­land.

Po­ten­zi­al in Chi­na und In­di­en

Schon die Ver­tei­lung des Ge­schäfts nach Län­dern zeigt, wie gross das Po­ten­zi­al noch ist. In den bei­den weit­aus be­völ­ke­rungs­reichs­ten Em­Ma-Staa­ten Chi­na und In­di­en er­wirt­schaf­tet Nest­lé «erst» gut 2 bzw. gut 1 Mrd. Fr. Um­satz. In Bra­si­li­en sind es über 5, in Me­xi­ko et­wa 3 Mrd. Fr. In die glei­che Ka­te­go­rie wie Chi­na (we­nigs­tens 2 Mrd. Fr.) ge­hö­ren Russ­land und Ve­ne­zue­la, zur glei­chen wie In­di­en (1 Mrd. Fr. und mehr) zäh­len Süd­afri­ka, Chi­le, die Phil­ip­pi­nen und Po­len. Auf über ei­ne Drei­vier­tel­mil­li­ar­de brin­gen es je­weils Ma­lay­sia, Thai­land und In­do­ne­si­en. Nest­lé führt al­so be­reits drei­zehn Lan­des­ge­sell­schaf­ten, die mehr­fa­che oder we­nigs­tens an­nä­hernd mehr­fa­che Um­satz­mil­li­ar­dä­re sind.

CEO Paul Bul­cke un­ter­strich die zu­neh­men­de Be­deu­tung der Em­Ma für Nest­lé mit dem Hin­weis dar­auf, dass die­se Län­der in den nächs­ten zehn Jah­ren schät­zungs­wei­se 70% zum welt­wei­ten Wirt­schafts­wachs­tum bei­tra­gen wer­den – schliess­lich stel­len sie über 80% der Welt­be­völ­ke­rung. Ge­ra­de die Re­zes­si­on ha­be den Trend noch kla­rer her­aus­ge­schält.

Nest­lé wird die Markt­stel­lung und das er­war­te­te Wachs­tum in den Em­Ma mit er­heb­li­chen In­ves­ti­tio­nen stüt­zen. Im Zei­t­raum 2010 bis 2012 sol­len in den BricStaa­ten (Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en, Chi­na) um die 1,5 Mrd. Fr. in­ves­tiert wer­den, in Asi­en 2 Mrd. Fr., in Latein­ame­ri­ka 1,6 Mrd. Fr. so­wie in Afri­ka (wo Nest­lé rund 3,5 Mrd. Fr. Um­satz er­wirt­schaf­tet) rund 1 Mrd. Fr. In Afri­ka bei­spiels­wei­se er­schliesst der Kon­zern bis­her nicht be­ar­bei­te­te Märk­te und will die Pro­duk­ti­ons­ba­sis von 26 auf 31 Fa­b­ri­ken aus­wei­ten.

Die In­ves­ti­tio­nen in den Em­Ma ste­hen für rund die Hälf­te des In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­mens des Kon­zerns, was un­ter­streicht, dass Nest­lé auch in der ent­wi­ckel­ten Welt wei­ter­hin gros­ses Po­ten­zi­al sieht und nicht aus­schliess­lich auf Wachs­tum in den Em­Ma setzt. In den ent­wi­ckel­ten Län­dern gibt es et­wa «Emer­ging Con­su­mers», zum Bei­spiel die Latein­ame­ri­ka­ner in den USA oder die Nord­afri­ka­ner in Frank­reich, de­ren Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten be­dient wer­den wol­len.

When in Ro­me. . .

Ein we­sent­li­cher Wachs­tums­trei­ber in den Em­Ma sind die PPP, die Po­pu­lar­ly Pri­ced Pro­ducts, al­so Wa­re für die (noch) brei­ten Schich­ten mit ge­rin­ger Kauf­kraft. Nest­lé rech­net je­doch da­mit, dass die Kauf­kraft rasch zu­neh­men und die Mit­tel­schicht so­wie die Zahl der Wohl­ha­ben­den grös­ser wer­den wird. Dem­ent­spre­chend wird das Sor­ti­ment ge­zielt viel­fäl­tig aus­ge­stal­tet.

In man­chen die­ser Län­der muss auch der Ver­trieb den vor­han­de­nen Struk­tu­ren an­ge­passt wer­den. So ope­riert Nest­lé man­chen­orts über klei­ne Wie­der­ver­käu­fer: Auf den Phil­ip­pi­nen kur­ven Ne­sca­féHänd­ler auf Mo­tor­rä­dern her­um, de­ren Sei­ten­wa­gen aus ei­ner gros­sen Kis­te für die Wa­re be­steht – «when in Ro­me, do as the Ro­mans do». Zum Wachs­tum in den Em­Ma tra­gen auch Ak­qui­si­tio­nen bei. Nest­lé hat et­wa jüngst den ukrai­ni­schen Fer­ti­gnah­rungs­her­stel­ler Mi­vina ge­kauft.

Ak­ti­en mit Em­Ma-Charme

In wel­chem Mass die gu­ten Em­Ma-Po­si­tio­nen Nest­lés bzw. die viel­ver­spre­chen­den Aus­sich­ten be­reits für die Über­per­for­mance im Bran­chen­ver­gleich (vgl. Kurs­gra­fik) ver­ant­wort­lich sind, ist schwer ab­zu­schät­zen, doch ein vor­teil­haf­ter Be­wer­tungs­fak­tor soll­te die­ses Ge­schäft auf je­den Fall sein. Die­se Märk­te sind über die nächs­ten Jah­re «the place to be» und statt ris­kan­ter Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen in chi­ne­si­sche oder in­di­sche Ak­ti­en emp­feh­len sich Ti­tel be­währ­ter west­li­cher Ge­sell­schaf­ten mit gros­sem Em­Ma-Ge­schäft, eben Nest­lé, Hol­cim (vgl. Sei­te 13) oder ABB.

Fi­nanz­chef Jim Singh er­war­tet im Kern­ge­schäft Nah­rungs­mit­tel und Ge­trän­ke (der Ver­kauf der Au­gen­heil­mit­tel­toch­ter Al­con soll­te im zwei­ten Se­mes­ter voll­zo­gen wer­den) die­ses und auch kom­men­des Jahr ei­nen Fort­schritt auf Stu­fe Ge­winn pro Ak­tie. Nest­lé wird wei­ter­hin die Li­nie ver­fol­gen, die Aus­schüt­tung ste­tig zu stei­gern; für 2009 wur­de erst­mals mehr als die Hälf­te des Ge­winns an die Ak­tio­nä­re aus­be­zahlt. Grund­sätz­lich zieht das Ma­nage­ment der Grup­pe In­ves­ti­tio­nen in or­ga­ni­sches und ex­ter­nes Wachs­tum dem Rück­kauf von Ak­ti­en vor, aber je nach Be­darf und Cash­flow sind wei­ter­hin Rück­käu­fe mög­lich; ein Pro­gramm über 10 Mrd. Fr. ist auf­ge­legt.

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