De­ri­vat­märk­te

Deutsch­lands An­le­ger kau­fen ver­mehrt struk­tu­rier­te Pro­duk­te – Ka­pi­tal­schutz ist be­liebt – Ver­gleich mit der Schweiz ist schwie­rig

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - SEI­TE 37

Deutsch­lands In­ves­to­ren kau­fen wie­der ver­mehrt struk­tu­rier­te Pro­duk­te. In der Schweiz geht es lang­sa­mer auf­wärts.

Deutsch­lands De­ri­vat­markt er­holt sich ste­tig, es sieht so aus, als ob dort die In­ves­to­ren zu­ver­sicht­li­cher sei­en als hier­zu­lan­de. Seit dem Tief im Früh­ling 2009 ist der Wert der aus­ste­hen­den Pro­duk­te 32% auf um­ge­rech­net 150 Mrd. Fr. ge­wach­sen. Das zeigt die ak­tu­el­le Sta­tis­tik des Deut­schen De­ri­va­te Ver­bands ( DDV) für März 2010. Der Schwei­zer Markt ist mit 224 Mrd. Fr. zwar deut­lich grös­ser, doch das in­ves­tier­te Ver­mö­gen sta­gniert (vgl. Gra­fi­ken). Wes­halb ent­wi­ckeln sich die zwei gröss­ten Märk­te Eu­ro­pas so un­ter­schied­lich?

Zu­erst hat­te das hie­si­ge Ge­schäft et­was we­ni­ger ge­lit­ten, seit dem Re­kord im Herbst 2007 ist der Markt 38% ge- schrumpft. In Deutsch­land sank der in­ves­tier­te Be­trag zu­erst 45%, nach der Er­ho­lung liegt er nun nur noch 25% un­ter dem Re­kord. Die Sta­tis­ti­ken der bei­den Län­der wei­sen zwar Un­ter­schie­de auf, den­noch ist die Dif­fe­renz be­acht­lich.

Pri­va­te und In­sti­tu­tio­nel­le

An­zei­chen für Op­ti­mis­mus gibt es al­ler­dings auch dies­seits des Rheins. Der An­teil an He­bel­pro­duk­ten ist von Ju­li 2009 bis April 2010 von 5 auf 7,6% ge­stie­gen, zeigt das «Sta­tis­ti­sche Mo­nats­heft Ju­ni» der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB). Das ist ein wich­ti­ger In­di­ka­tor, denn An­le­ger kau­fen in der Re­gel Call-Op­ti­ons­schei­ne, um auf Kurs­ge­win­ne zu set­zen. Sind sie skep­tisch, war­ten sie da­ge­gen ab. Die Zu- nah­me spie­gelt sich auch im Han­dels­vo­lu­men an der Bör­se Scoach in Zü­rich.

In Deutsch­land in­ves­tie­ren An­le­ger nur 1% ih­res Gel­des in He­bel­pro­duk­te, der An­teil ist sta­bil. Ge­prägt wird der Markt von Pri­vat­an­le­gern, die ih­re Po­si­ti­on oft vor Bör­sen­schluss wie­der schlies­sen (Day Tra­der). In der Schweiz ge­ben in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren wie Ver­mö­gens­ver­wal­ter und Pri­vat­ban­ken den Ton an, sie kau­fen auch grös­se­re Po­si­tio­nen und hal­ten sie län­ger, et­wa um ein Porte­feuille mit Pu­tOp­ti­ons­schei­nen oder Mi­ni-Fu­tures ab­zu­si­chern. Das dürf­te ein Grund da­für sein, dass die SNB-Sta­tis­tik ei­nen viel hö­he­ren An­teil an He­bel­pro­duk­ten aus­weist.

Die un­ter­schied­li­che Schich­tung der An­le­ger zeigt sich auch im Bör­sen­han­del. Ein durch­schnitt­li­cher Auf­trag be­läuft sich in der Schweiz auf rund 28000 Fr., in Deutsch­land auf le­dig­lich 5000 €.

Be­son­ders be­liebt sind Pro­duk­te mit Ka­pi­tal­schutz, die in Deutsch­land 63% und in der Schweiz 38% des Be­stands aus­ma­chen. Dann fol­gen die Ka­te­go­ri­en Ren­di­te­opti­mie­rung mit 20 (Schweiz 19) und Par­ti­zi­pa­ti­on mit 16% (34).

Ab­ge­se­hen vom Ka­pi­tal­schutz sei­en Ex­press­zer­ti­fi­ka­te am be­lieb­tes­ten, rap­por­tiert der DDV, ge­folgt von Dis­coun­tZer­ti­fi­ka­ten. Nur ei­ne Sta­tis­ten­rol­le spie­len Ak­ti­en­an­lei­hen, die in der Schweiz als Re­ver­se Con­ver­ti­bles be­zeich­net wer­den, und struk­tu­rier­te Pro­duk­te mit Bar­rie­re.

Die Prä­fe­ren­zen der An­le­ger un­ter­schei­den sich so­mit deut­lich, denn hier­zu­lan­de dürf­ten Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles wohl hin­ter Ka­pi­tal­schutz­pro­duk­ten und Tra­ckern auf Rang drei lie­gen, wäh­rend nur we­ni­ge Ex­press­zer­ti­fi­ka­te ge­kauft wer­den. Zah­len da­zu wer­den je­doch vom Schwei­ze­ri­schen Ver­band für Struk­tu­rier­te Pro­duk­te (SVSP) nicht er­ho­ben.

Ob­li­ga­tio­nen statt De­ri­va­te

Der DDV pu­bli­ziert wei­te­re De­tails. Die 63% Ka­pi­tal­schutz­pro­duk­te set­zen sich aus 43 Pro­zent­punk­ten (Pp) struk­tu­rier­ten An­lei­hen und 20 Pp Zer­ti­fi­ka­ten zu­sam­men. Ers­te­re wä­ren in der Schweiz von der SNB wohl zu­min­dest teil­wei­se um­klas­siert wor­den. Sie über­prüft die Ab­gren­zung zwi­schen Ob­li­ga­tio­nen und struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten seit Ju­li 2009 schritt­wei­se und hat be­reits Pa­pie­re für rund 19 Mrd. Fr. von De­ri­va­ten zu An­lei­hen um­ge­teilt. Oh­ne die­se me­tho­di­sche Än­de­rung lä­ge der Ge­samt­be­stand der De­ri­va­te 33 statt 38% un­ter dem Re­kord.

Der Rück­gang spie­gelt so­wohl den Ab­fluss in­ves­tier­ter Gel­der als auch Kurs­ver­lus­te der De­ri­va­te, denn der Be­stand wird zu Markt­prei­sen er­fasst. Wie viel die bei­den Fak­to­ren aus­ma­chen, ist schwie­rig ab­zu­schät­zen. Der DDV er­rech­net den Kurs­ver­lust (Preis­ef­fekt) mo­nat­lich, ei­ne län­ger­fris­ti­ge Au­f­ad­die­rung ist aber nicht mög­lich, da stets Pro­duk­te aus­lau­fen re­spek­ti­ve neu emit­tiert wer­den, was die Da­ten ver­zerrt. In der Schweiz sank der An­teil der De­ri­va­te am ge­sam­ten in­ves­tier­ten Ver­mö­gen in den Bank­de­pots vom Re­kord von 6,8 auf 4,9% – oh­ne die Um­klas­sie­rung der SNB be­trü­ge er noch 5,4%.

In Eu­ro­pas gröss­ten De­ri­vat­märk­ten hat die Fi­nanz­kri­se Fur­chen hin­ter­las­sen und op­ti­mis­ti­sche Pro­gno­sen zu­nich­te ge­macht. Nun in­for­mie­ren Emit­ten­ten bes­ser, und An­le­ger fas­sen Ver­trau­en. So­lan­ge aber die Bör­sen­la­ge un­stet bleibt, ist der Weg stei­nig.

Nicht nur Ein­käu­fer auf dem Ge­mü­se­markt, son­dern auch An­le­ger an der De­ri­vat­bör­se grei­fen wie­der ver­mehrt zu. Zu­erst wird al­ler­dings die Aus­la­ge gründ­lich ge­prüft.

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