Stück­werk

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK -

Die Fi­nanz­märk­te dul­den kei­ne Halb­hei­ten. Ent­we­der über­zeu­gen ei­ne Wäh­rung, ein Un­ter­neh­men oder ein An­la­ge­instru­ment durch star­ke Ei­gen­schaf­ten, ein so­li­des Kon­zept und gu­te Per­spek­ti­ven. Sie ge­win­nen so das Ver­trau­en der In­ves­to­ren. Oder es lie­gen um­ge­kehrt fun­da­men­ta­le bzw. spe­zi­fi­sche Schwä­chen vor, dann ern­ten sie frü­her oder spä­ter Miss­trau­en und wer­den ab­ge­straft. Die Kor­rek­tur kann hef­tig sein, weil die Märk­te nicht sel­ten in ho­hem Mass stim­mungs­ge­trie­ben sind. Über die Zeit dik­tie­ren aber im­mer die Fak­ten die Rich­tung. Un­zu­läng­lich­kei­ten kom­men zum Vor­schein – für al­le er­sicht­lich, für man­che auch schmerz­lich – und wer­den mit ei­nem Ab­schlag quit­tiert. In der Fi­nanz­welt gibt es kein Par­don. Stets je­doch bie­tet sich für An­le­ger, Un­ter­neh­mer und Po­li­ti­ker die Mög­lich­keit, auf Feh­ler zu re­agie­ren und Miss­stän­de zu be­he­ben.

Das har­te Dik­tat des Mark­tes muss neu­er­dings der Eu­ro er­fah­ren. Die Ab­schlä­ge zu Dol­lar, Yen und Fran­ken sind gross, und ein En­de der Tal­fahrt ist nicht ab­seh­bar. Das mag Län­der freu­en, de­ren wirt­schaft­li­ches Wohl über Ge­ne­ra­tio­nen von ei­ner tie­fen Wäh­rung ge­prägt war. Nicht aber Na­tio­nen wie Deutsch­land, für die ei­ne fes­te Wäh­rung das Pro­dukt har­ter Ar­beit und ein Ver­trau­ens­be­weis für Ef­fi­zi­enz und Leis­tungs­fä­hig­keit ih­rer Wirt­schaft ist. Dar­auf baut man auch sei­ne Er­spar­nis­se, und die­se But­ter lässt man sich nicht wi­der­stands­los vom Brot neh­men. Die Kluft im Eu­ro könn­te grös­ser kaum sein. Das darf nie­man­den über­ra­schen. Ver­blüf­fend ist eher, dass der Markt sein Ver­dikt erst jetzt fällt: Die Ge­mein­schafts­wäh­rung ist ein po­li­ti­sches Kon­strukt. Es dient dem Macht­aus­gleich auf dem in der Ge­schich­te mehr zer­strit­te­nen als fried­lie­ben­den Kon­ti­nent. Das mag als Idee be­grüs­sens­wert sein, funk­tio­niert aber nur, wenn für ei­ne Wäh­rung, die lang­fris­tig glaub­wür­dig sein soll, auch die wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und der in­sti­tu­tio­nel­le Rah­men ge­schaf­fen wer­den. Der Markt will ein kla­res Si­gnal, in wel­che Rich­tung sich Eu­ro­land wäh­rungs­und wirt­schafts­po­li­tisch ent­wi­ckelt. Er will wis­sen, ob die Mit­glie­der ge­willt sind, über das gi­gan­ti­sche Ret­tungs­pro­gramm für schwä­cheln­de Län­der hin­aus ei­nen Un­ter­bau zu schaf­fen mit ei­ner grif­fi­gen, über­ge­ord­ne­ten Fis­kal-und Haus­halt­po­li­tik, wie es in Bun­des­staa­ten mit ei­ner ein­heit­li­chen Wäh­rung üb­lich ist.

Das ist viel ver­langt in ei­ner Zeit, in der der in­ter­na­tio­na­le Ver­teil­kampf här­ter wird und na­tio­na­le Be­find­lich­kei­ten im­mer mehr die Ober­hand ge­win­nen. So ist an­zu­neh­men, dass der Eu­ro wei­ter ge­tes­tet wird und sei­ne Schwä­che nicht so bald über­win­det. Denn ist der Fi­nanz­markt mal alar­miert, ver­zeiht er Stück­werk nur schwer.

HAN­SPE­TER FREY stv. Chef­re­dak­tor zum The­ma die Zu­kunft des Eu­ros

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