Pa­pua-Neu­gui­nea

Be­deu­ten­des Erd­gas­pro­jekt in Pla­nung – Aus­tra­li­sche Ge­sell­schaft Oil Se­arch spielt füh­ren­de Rol­le

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - URS WÄL­TER­LIN,

Im roh­stoff­rei­chen In­sel­staat wird Exxon Mo­bil künf­tig Erd­gas för­dern – doch das Ri­si­ko ist hoch.

SReich an Roh­stof­fen

elbst an den Mam­mut­zah­len ge­mes­sen, in de­nen die glo­ba­le Res­sour­cen­in­dus­trie üb­li­cher­wei­se rech­net, ist das Gas­pro­jekt in Pa­pua-Neu­gui­nea gross: Ab 2014 sol­len jähr­lich 6,6 Mio. Ton­nen Gas im Hoch­land des In­sel­staa­tes ge­för­dert wer­den – und das dreis­sig Jah­re lang. Der Brenn­stoff wird über ei­ne Pi­pe­line an die Küs­te ge­lei­tet und da­nach wei­te­re 415 Ki­lo­me­ter durch ei­ne Un­ter­was­ser­röh­re in ei­ne Raf­fi­ne­rie in der Nä­he der Haupt­stadt Port Mo­res­by ge­pumpt. Von dort wird er als Flüs­sig­gas in al­le Welt ex­por­tiert.

Gas ist in ei­ner im­mer en­er­gie­hung­ri­ge­ren Welt das schwar­ze Gold der Zu­kunft, kli­ma­freund­li­cher als et­wa der um­welt­schäd­li­che Brenn­stoff Koh­le. 35 Mrd. aus­tr. $ ver­spre­chen sich die Re­gie­rung und ih­re bei­den Part­ner aus der Res­sour­cen­in­dus­trie von dem Pro­jekt – der ame­ri­ka­ni­sche Ener­gie­kon­zern Exxon Mo­bil und die aus­tra­li­sche Ge­sell­schaft Oil Se­arch, an der die Re­gie­rung Pa­pua-Neu­gui­ne­as mit knapp über 17% be­tei­ligt ist. Kaum war die Tin­te auf dem Ver­trag tro­cken, be­gan­nen die Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten. Im schwer zu­gäng­li­chen, ge­bir­gi­gen Hoch­land müs­sen Stras­sen pla­niert und gan­ze Sied­lun­gen für Berg­ar­bei­ter ge­baut wer­den – und na­tür­lich die För­der­an­la­gen über den Gas­la­ger­stät­ten selbst. In­ves­ti­tio­nen von bis zu 16 Mrd. aus­tr. $ sind ge­plant in ei­ner Na­ti­on, de­ren Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) im letz­ten Jahr ge­ra­de mal 13,5 Mrd. aus­tr. $ be­trug. In Port Mo­res­by zeu­gen glit­zern­de, lu­xu­riö­se Wohn­sied­lun­gen vom neu­en Wohl­stand. Nicht, dass es Pa­pua-Neu­gui­nea als Staat bis­her schlecht ge­gan­gen wä­re. Das Land ist ei­nes der roh­stoff­reichs­ten der Welt: Öl, Kup­fer und Gold sind wich­ti­ge Ex­port­pro­duk­te. Trotz­dem fürch­ten Ex­per­ten, dass der Er­trag aus dem gröss­ten ein­zel­nen Berg­bau­ver­trag nicht dort­hin flies­sen wird, wo er am meis­ten ge­braucht wird: zu den Ärms­ten der Ar­men. «Im Mo­ment se­he ich je­den­falls ge­rin­ge Chan­cen», sagt Jen­ny Hay­ward-Jo­nes, Che­fin der Me­la­ne­si­en-Ab­tei­lung des in Syd­ney be­hei­ma­te­ten Thinktanks Lo­wy In­sti­tu­te.

Trotz des Reich­tums an Na­tur­schät­zen und der gu­ten Wachs­tums­zah­len ist Pa­pua-Neu­gui­nea ei­nes der ärms­ten Län­der der Welt. Und die Si­tua­ti­on ver­schlim­mert sich. Zum Zeit­punkt der Un­ab­hän­gig­keit von Aus­tra­li­en 1975 nahm es auf dem Hu­man De­ve­lop­ment In­dex der Uno Rang 77 von 150 Na­tio­nen ein. Heu­te – trotz zum Teil rie­si­ger Roh­stoff­pro­jek­te und ent­spre­chend ho­hen Ka­pi­tal­zu­flus­ses – liegt es auf Platz 148 von 182 Län­dern. 1996 leb­ten hier 25% der 6,7 Mio. Men­schen in ex­tre­mer Ar­mut, heu­te sind es 37,5%. Ex­per­ten nen­nen ei­ne Viel­zahl von Grün­den. Lau­rence Chan­dy, frü­her Öko­nom im Di­ens­te der Re­gie­rung, ver­gleicht den Ka­pi­tal­fluss von Pa­pua-Neu­gui­nea mit der «schlech­ten Durch­blu­tung ei­nes Kör­pers». Un­ge­nü­gen­de Fi­nanz-und Ban­ken­sys­te­me, die von Ber­gen und Dschun­gel do­mi­nier­te Land­schaft und die schlech­te In­fra­struk­tur führ­ten da­zu, dass die meis­ten fi­nan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen auf lo­ka­ler Ebe­ne statt­fin­den.

Bes­se­re Ver­tei­lung ge­for­dert

Kor­rup­ti­on in ei­ner von ur­al­ten Stam­mes­re­geln do­mi­nier­ten Ge­sell­schaft mit über 800 Spra­chen und min­des­tens so vie­len Volks­grup­pen ist ein wei­te­res Kern­pro­blem. Li­zenz­zah­lun­gen der Berg­bau­ge­sell­schaf­ten ge­hen erst an die Re­gie­rung und wer­den von dort an ein­zel­ne Stam­mes­fürs­ten wei­ter­ge­lei­tet. Die­se ge­ben das Geld oft­mals nach ih­rem Gut­dün­ken wei­ter. Auch 35% des Ent­wick­lungs­bud­gets der Re­gie­rung wer­den auf die­se Wei­se ver­teilt – oh­ne jeg­li­che Kon­trol­le, wie Chan­dy er­klärt. Ei­ne in vie­len Lan­des­tei­len schlech­te Ver­kehrs­in­fra­struk­tur und mi­ni­ma­le me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung sind die Fol­gen. Pre­mier­mi­nis­ter Michael So­ma­re weist zwar bei je­der Ge­le­gen­heit dar­auf hin, dass «in den Dör­fern je­der im­mer et­was zu es­sen hat». Das stim­me auch, ent­geg­nen Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, al­ler­dings nur, weil der Gross­teil der Men­schen tra­di­tio­nell von Selbst­ver­sor­gung le­be.

Chan­dy for­dert Port Mo­res­by auf, bei An­trä­gen auf Frem­din­ves­ti­tio­nen nicht nur auf mög­li­che Steu­er­gel­der zu schau­en, son­dern auch dar­auf, wie vie­le neue Ar­beits­plät­ze die Auf­trä­ge schaf­fen. Oh­ne ei­nen «ra­di­kal neu­en Zu­gang» wer­de das Gas­pro­jekt «die bis­he­ri­ge Struk­tur der Wirt­schaft ver­stär­ken, von der die Ar­men gröss­ten­teils aus­ge­schlos­sen sind».

Ra­di­ka­le Lö­sun­gen wer­den noch an ei­ner an­de­ren Front ge­sucht: Schon heu­te hat Pa­pua-Neu­gui­nea ei­ne der höchs­ten HIV-Ra­ten der Welt. Tau­sen­de von Ar­bei­tern in den Mi­nen­camps könn­ten von Pro­sti­tu­ier­ten an­ge­steckt wer­den, fürch­tet das na­tio­na­le Aids-Kon­zil. «Wir spre­chen von bis zu ei­ner hal­ben Mil­li­on neu­er Aids­kran­ker, die es we­gen die­ses Pro­jekts ge­ben könn­te», be­fürch­tet der Vor­sit­zen­de. Jetzt wird ein Vor­schlag dis­ku­tiert, die La­ger der Ar­bei­ter her­me­tisch ab­zu­rie­geln, um so die Ge­le­gen­heit für se­xu­el­len Kon­takt mit Aus­sen­ste­hen­den zu re­du­zie­ren.

Das in Pa­pua-Neu­gui­nea ge­för­der­te Erd­gas soll mit LNG-Tan­kern (Li­que­fied Na­tu­ral Gas) in die gan­ze Welt ver­schifft wer­den.

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