Eu­ro-Sor­gen sind zu­rück

Yuan-Fan­ta­sie be­reits ver­pufft – UBS und CS un­ter Ab­ga­be­druck – Vor­sprung von SGS schrumpft

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - CHRIS­TOPH GISIGER

Die Eu­pho­rie ist ver­flo­gen. Hat­te die Lo­cke­rung der chi­ne­si­schen Wäh­rungs­po­li­tik zu Wo­chen­be­ginn am Ak­ti­en­markt noch kräf­tig für Auf­trieb ge­sorgt, so ist am Di­ens­tag weit­ge­hend Er­nüch­te­rung ein­ge­kehrt. Nach neun Han­dels­ta­gen mit Kurs­a­van­cen ge­wan­nen zu­dem die Sor­gen um die Ver­schul­dung Eu­ro­pas wie­der Über­hand. Der Swiss Mar­ket In­dex SMI ge­wann im Ver­gleich zum End­stand der Vor­wo­che 0,3% auf 6463,46.

Wel­chen Ef­fekt ein fle­xi­ble­res Wech­sel­kurs­sys­tem Chi­nas auf die Märk­te zei­tigt, ist schwie­rig ab­zu­schät­zen. Wahr­schein­lich ist, dass Pe­king kaum von der Po­li­tik der klei­nen Schrit­te ab­wei­chen wird (vgl. ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel). An der Schwei­zer Bör­se gab die Yuan-Fan­ta­sie vor al­lem Ak­ti­en von ex­port­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men Schub, für die Chi­na ei­ne wich­ti­ge Rol­le spielt. So rück­ten bei­spiel­wei­se ABB (+1%), Georg Fischer (+2,8%), Rie­ter (+7,5%) – es wa­ren aber­mals Ge­rüch­te im Zu­sam­men­hang mit OC Oer­li­kon zu ver­neh­men –, Hu­ber+Suh­ner (+0,4%) oder Mey­er Bur­ger (+2,2%) am Mon­tag deut­lich vor. Nach die­ser «Blitz­re­ak­ti­on» kehr­te je­doch Ver­nunft ein, was zu Rück­stu­fun­gen führ­te. Ein­zig Ro­che (GS +0,4%) schlos­sen un­ter den SMI-Schwer­ge­wich­ten am Di­ens­tag im Plus.

Uh­ren­ak­ti­en ge­fragt

Die Uh­ren­wer­te Swatch Group (Inh. +3,1%) und Ri­che­mont (+1,3%) pro­fi­tier­ten zu­nächst auch von den Nach­rich­ten aus Chi­na, dürf­te die hö­he­re Kauf­kraft doch den Ab­satz im rie­si­gen Markt stei­gern. Be­reits ha­ben sich die Schwei­zer Uh­ren­ex­por­te nach Chi­na im Mai ge­mes­sen am Vor­jah­res­mo­nat ver­dop­pelt. Über al­le Re­gio­nen sind die Aus­fuh­ren der Uh­ren­in­dus­trie 13% auf über 1,2 Mrd. Fr. ge­wach­sen. Ver­gli­chen zum April hat sich das Tem­po da­mit wei­ter er­höht. Der Markt hat aber mehr er­war­tet, wes­halb auch Swatch Group und Ri­che­mont am Di­ens­tag im ro­ten Be­reich ver­kehr­ten.

Im Fi­nanz­sek­tor ge­ben die Schul­den der Club-Med-Staa­ten Grie­chen­land, Spa­ni­en, Ita­li­en, Por­tu­gal so­wie die Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft zu den­ken. Für Ner­vo­si­tät sorg­te die Her­ab­stu­fung der Kre­dit­wür­dig­keit der fran­zö­si­schen Gross­bank BNP Pa­ri­bas so­wie der trü­be Aus­blick für den spa­ni­schen Im­mo­bi­li­en­markt. Der Eu­ro schwäch­te sich zum Fran­ken wei­ter ab und mar­kier­te mit knapp un­ter 1.36 Fr. auf ei­nem neu­en Tief.

UBS (–0,5%) und CS Group (–1,3%) ten­dier­ten im Ein­klang mit der in­ter­na­tio­na­len Ent­wick­lung schwä­cher. Was bei­de Kon­zern­chefs un­längst an­deu­te­ten, wird in ei­ner neu­en Stu­die von J. P. Mor­gan be­stä­tigt: Das zwei­te Quar­tal im In­vest­ment Ban­king ist klar schwä­cher ver­lau­fen als die ers­ten drei Mo­na­te. Die Ana­lys­ten der US-Bank rech­nen mit ei­nem Er­trags­rück­gang von bis zu 30%. Grund: die Schul­den­kri­se in Sü­d­eu­ro­pa. Aus dem glei­chen Mo­tiv dürf­te auch das Pri­va­te Ban­king ge­lit­ten ha­ben, weil die Kun­den­ak­ti­vi­tä­ten noch spär­li­cher wur­den als oh­ne­hin.

Für Ge­sprächs­stoff sorg­te fer­ner Part­ners Group (Ak­ti­en –0,9%) Die Bör­se in­for­mier­te über die Auf­lö­sung ei­nes Ak­tio­närs­ver­tra­ges der drei Grün­der und der 26 Part­ner. Das gab al­len mög­li­chen Ge­rüch­ten Nah­rung. Al­f­red Gant­ner, Exe­cu­ti­ve Chair­man und Co-Grün­der, be­eil­te sich je­doch, die Ge­mü­ter zu be­ru­hi­gen. Der Ak­tio­närs­ver­trag, der aus der Zeit des IPO stammt, lief aus for­mel­len Grün­den nun voll­stän­dig aus und wur­de durch ei­ne Ver­ein­ba­rung er­setzt, in der sich die Grün­der und Part­ner ver­pflich­ten, bis März 2013 nicht zur Kon­kur­renz zu wech­seln.

In ge­wohnt ru­hi­gen Bah­nen be­weg­ten sich Swiss­com (–0,5%). Im Schwei­zer Tele­com­markt ge­win­nen die Kon­tu­ren wie­der an Schär­fe. Nach der ge­platz­ten Über­nah­me von Sun­ri­se durch Oran­ge for­mie­ren sich die bei­den Kon­kur­ren­ten neu. Oran­ge hat am Di­ens­tag die künf­ti­ge Stra­te­gie vor­ge­stellt, mit der die Prä­senz in den Re­gio­nen ver­stärkt wird. Fer­ner will die Toch­ter von Fran­ce Tele­com in den kom­men­den fünf Jah­ren 700 Mio. Fr. ins Mo­bil­funk­netz in­ves­tie­ren und das An­ge­bot von in­ter­net­fä­hi­gen Te­le­fo­nen rasch er­wei­tern. Im Ge­gen­satz zum Ri­va­len Sun­ri­se, der un­ter dem neu­en CEO Oli­ver Weil vor­ab auf Wachs­tum setzt, will Oran­ge pri­mär im Kun­den­ser­vice punk­ten.

Pres­ti­ge­auf­trag für Schind­ler

Schind­ler, der Welt­markt­zwei­te im Auf­zugs-und Fahr­trep­pen­bau (hin­ter Otis), wird für ein Gross­pro­jekt in Chi­les Haupt­stadt San­tia­go 109 Auf­zü­ge im Wert von rund 40 Mio. $ lie­fern. Zum Ge­bäu­de­kom­plex ge­hört der Costa­ne­ra To­wer, der mit 300 m Hö­he künf­tig das höchs­te Ge­bäu­de Süd­ame­ri­kas sein wird. Mit der In­stal­la­ti­on der Schind­ler-An­la­gen wird vor­aus­sicht­lich 2011 be­gon­nen. Der Auf­trag be­legt Schind­lers wach­sen­de Prä­senz in den Schwel­len­märk­ten. Die Eu­ro­schwä­che al­ler­dings hilft Schind­ler (PS –0,7%) nicht.

Der gröss­te Wa­ren­prüf­kon­zern SGS (Ak­ti­en unv.) sieht den Vor­sprung zur Num­mer zwei, Bu­reau Ve­ri­tas, schrump­fen. Die Fran­zo­sen über­neh­men die auf die In­spek­ti­on von Roh­wa­ren spe­zia­li­sier­te Ge­sell­schaft In­spec­to­ra­te und stei­gern da­mit den Um­satz von 2,6 auf rund 3 Mrd.€ (vgl. Sei­te 12). Bu­reau Ve­ri­tas wird da­mit im Seg­ment Öl-und Pe­tro­che­mie zum gros­sen SGS-Kon­kur­ren­ten. Die Schwei­zer mach­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nur klei­ne­re Zu­käu­fe und er­ziel­ten 2009 ei­nen Um­satz von 4,7 Mrd. Fr.

Schmolz+Bi­cken­bach (+5,4%) spran­gen über 30 Fr. Der Stahl­ko­cher hält am Don­ners­tag sei­ne GV ab. Er­freu­lich ist, dass die Roh­stahl­er­zeu­gung im Kern­markt Deutsch­land im Mai auf ein Hoch für 2010 ge­stie­gen ist und weit über dem Vor­jah­res­ni­veau liegt, wie die jüngs­ten Zah­len der Bran­che zei­gen. Trotz­dem bleibt die La­ge in der Stahl­in­dus­trie we­gen der vo­la­ti­len Roh­stoff­kos­ten, der fra­gi­len Kon­junk­tur und der Ve­r­un­si­che­rung an den Fi­nanz­märk­ten nicht ein­fach.

Da­ge­gen ha­ben Pe­trop­lus (+2,1%) bis­her kaum von bes­se­ren Kon­junk­tur­da­ten pro­fi­tiert. Et­was Zu­ver­sicht ma­chen eben­falls Zah­len aus Deutsch­land. Dort no­tie­ren die Heiz­öl­la­ger tie­fer als im Vor­jahr, und mit Blick auf die Win­ter­sai­son ha­ben die Mar­gen für Heizöl be­reits leicht an­ge­zo­gen. Ge­mäss dem Bran­chen­in­for­ma­ti­ons­dienst Eu­roil­stocks ver­ar­bei­ten eu­ro­päi­sche Raf­fi­ne­ri­en zu­dem we­ni­ger Öl als 2009 und 2008, was Über­ka­pa­zi­tä­ten aus dem Markt nimmt. Den­noch hat das Sys­tem noch im­mer aus­rei­chend Luft, so­dass sich vo­r­erst kei­ne – mar­gen­sti­mu­lie­ren­den – Eng­päs­se ab­zeich­nen.

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