Ab­schöp­fung hat be­gon­nen

MO­NAT­LI­CHE ZINS­KUR­VE Hö­he­re kur­ze Zin­sen er­war­tet – deut­li­ches Auf­wärts­po­ten­zi­al für Ren­di­ten

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - KARS­TEN LINOWSKY,

Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) hat ver­gan­ge­ne Wo­che an ih­rer La­ge­be­ur­tei­lung das Ziel­band für den Drei­mo­nats­li­bor wie er­war­tet auf 0 bis 0,75% be­las­sen. Gleich­zei­tig gab sie sich mit Blick auf die wei­te­re Kon­junk­tur­er­ho­lung zu­ver­sicht­lich. Zwar sind die Un­si­cher­hei­ten ins­be­son­de­re we­gen der Schul­den­si­tua­ti­on ei­ni­ger eu­ro­päi­scher Län­der ge­stie­gen. Den­noch stützt die wach­sen­de Ex­port­nach­fra­ge das Wachs­tum. Be­son­ders wich­tig ist je­doch die For­mu­lie­rung der SNB, dass die De­fla­ti­ons­ri­si­ken «weit­ge­hend ver­schwun­den» sei­en, da dies die Vor­aus­set­zung für die nächs­ten geld­po­li­ti­schen Schrit­te bil­det. Wann die Na­tio­nal­bank letzt­end­lich das Ziel­band an­hebt, hängt un­se­rer Mei­nung nach aber vor al­lem da­von ab, wie sich der Eu­ro ins­ge­samt ent­wi­ckelt – nicht nur ge­gen­über dem Fran­ken. Soll­te er sich wie in den letz­ten Wo­chen sta­bil hal­ten, dürf­ten sich die Markt­er­war­tun­gen für ei­nen Zins­schritt ver­stär­ken. Dies könn­te zu hö­he­ren Zin­sen am kur­zen En­de füh­ren.

Die ver­än­der­te Rhe­to­rik der SNB könn­te da­her zu ei­ner Trend­wen­de in den Zins­be­we­gun­gen füh­ren. Die ers­te Hälf­te des Jah­res war da­von ge­prägt, dass sich die Zin­sen we­gen der ho­hen Li­qui­di­tät und der Nach­fra­ge nach si­che­ren An- la­gen deut­lich nach un­ten be­weg­ten. Am kur­zen En­de fiel der Drei­mo­nats­li­bor auf 0,08%, trotz des Ziel­sat­zes von 0,25%, und auch die SNB spricht nun von ei­ner neu­en Si­tua­ti­on, in der die über­schüs­si­ge Li­qui­di­tät ab­sor­biert wer­den muss. Sie be­ton­te zu­dem, dass der Li­bor­satz um den ak­tu­el­len Ziel­satz zu hal­ten sei, was in­di­rekt durch Ab­schöp­fung der Li­qui­di­tät mit Re­ver­se-Re­pos (Lauf­zeit ei­ne Wo­che) und vor al­lem über die Emis­si­on von SNB-Bills (Lauf­zeit ein Mo­nat und mehr) ge­sche­hen soll. Die Emis­si­on von SNBBills ist be­reits deut­lich er­höht wor­den. Nach SNB-An­ga­ben (Stand vor­letz­te Wo­che) wa­ren et­wa 80 Mrd. Fr. aus­ste­hend. Da der Li­bor­satz noch im­mer deut­lich vom Ziel­wert ab­weicht, dürf­ten die Emis­si­ons­vo­lu­men hoch blei­ben bzw. evtl. noch wei­ter er­höht wer­den. Soll­te sich der Li­bor­satz wie­der dem Ziel­satz nä­hern, ist da­mit zu rech­nen, dass die Zin­sen am ge­sam­ten kur­zen En­de stei­gen wer­den, da die im­pli­zi­ten Er­war­tun­gen eben­falls an­zie­hen soll­ten.

Li­qui­di­täts­ab­schöp­fung und hö­he­re Zins­er­war­tun­gen dürf­ten so­mit für stei­gen­de Sät­ze am kur­zen En­de sor­gen. Wie weit das lan­ge En­de in ei­nem sol­chen Fall mit­zieht, hängt wie­der­um vor al­lem von der Ent­wick­lung an den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten ab. Soll­te sich die Ent­wick­lung der letz­ten zwei Wo­chen fort­set­zen und die Ri­si­ko­aver­si­on wei­ter sin­ken, so se­hen wir deut­li­ches Auf­wärts­po­ten­zi­al für die Ren­di­ten der Staats­an­lei­hen. Die Ren­di­ten 10-jäh­ri­ger «Eid­ge­nos­sen» wür­den wir in die­sem Fall wie­der in ei­nem Be­reich um die 1,80% er­war­ten. Da­von wird auch ab­hän­gen, ob die stei­gen­den Zin­sen am kur­zen En­de ins­ge­samt be­reits zu ei­ner fla­che­ren oder kurz­fris­tig doch eher zu ei­ner stei­le­ren Zins­kur­ve füh­ren wer­den.

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