Neu­er Fran­ken-Re­kord zum Eu­ro

DE­VI­SEN Hel­ve­ti­sche Va­lu­ta er­neut fes­ter – PBOC kün­digt fle­xi­ble­ren Ren­min­bi-Wech­sel­kurs an

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JR

Seit dem Wo­che­n­en­de ist auf dem De­vi­sen­markt das pri­mä­re Ge­sprächs­the­ma die An­kün­di­gung der Peop­le’s Bank of Chi­na (PBOC): Der Wech­sel­kurs des Ren­min­bi soll fle­xi­bler wer­den. Seit Mit­te Ju­li 2008 ist die chi­ne­si­sche Va­lu­ta de fac­to an den Dol­lar ge­bun­den (Peg). Zu­vor – von Ju­li 2005 bis Ju­li 2008 – war zum Gre­en­back ei­ne Auf­wer­tung von 21% zu­ge­las­sen wor­den. Der Dol­lar-Peg war von der chi­ne­si­schen Re­gie­rung im Zu­ge der in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­kri­se ein­ge­führt wor­den. PBOC be­grün­det die nun an­ge­streb­te Auf­wer­tung mit ei­nem ge­rin­ge­ren Han­dels­bi­lanz­über­schuss: Die Lü­cke ha­be sich von von 11% des Brut­to­in­land­pro­dukts 2007 auf 6,1% im ver­gan­ge­nen Jahr ver­rin­gert. Künf­tig soll sich die chi­ne­si­sche Va­lu­ta an ei­nem Wäh­rungs­korb ori­en­tie­ren. Da­mit könn­te sich der Ren­min­bi – soll­te die Eu­ro­schwä­che an­hal­ten – zum Dol­lar so­gar et­was ab­wer­ten.

Ein er­freu­li­cher Schritt

Die Aus­wir­kun­gen ei­ner Ren­min­bi­Auf­wer­tung ha­ben die Ex­per­ten von M& G In­vest­ments ana­ly­siert: Ers­tens ha­be der Dol­lar-Peg zu bil­li­ge­ren chi­ne­si­schen Ex­port­gü­tern ge­führt , als dass im ei­nem fle­xi­blen Wech­sel­kurs­sys­tem der Fall ge­we­sen wä­re. Mit der Auf­wer­tung wer­de ver­hin­dert, dass das Aus­land pro­tek­tio­nis­ti­sche Mass­nah­men er­grei­fe bzw. Han­dels­bar­rie­ren er­rich­te – be­son­ders die USA hat­ten dies in der Ver­gan­gen­heit des Öf­te­ren ge­for­dert. In die­sem Zu­sam­men­hang sei der Zeit­punkt der An­kün­di­gung in­ter­es­sant ge­wählt wor­den, fin­de doch die­ses Wo­che­n­en­de das Tref­fen der G-20 statt.

Der Wert­ge­winn der chi­ne­si­schen Va­lu­ta wer­de sich un­güns­tig auf US-Tre­a­su­ries aus­wir­ken, al­so in hö­he­ren Ren­di­ten re­sul­tie­ren: Ein fes­te­rer Ren­min­bi re­du­zie­re die Mit­tel der chi­ne­si­schen Re­gie­rung, we­ni­ger ame­ri­ka­ni­sche Staats­an­lei­hen könn­ten er­wor­ben wer­den, ei­ne ge­rin­ge­re Nach­fra­ge wä­re die Fol­ge. Eben­so ent­ste­he ein glo­ba­ler In­fla­ti­ons­druck, so die Ex­per­ten. Denn ei­ne Wäh­rungs­auf­wer­tung ver­teue­re die chi­ne­si­schen Gü­ter. Dies er­hö­he die Im­port­prei­se von In­dus­trie­staa­ten und die Pro­du­zen­ten-so­wie Kon­su­men­ten­prei­se stie­gen.

Als vier­te Aus­wir­kung wird die er­höh­te Kauf­kraft chi­ne­si­scher Un­ter­neh­men und Haus­hal­te an­ge­führt. Das wie­der­um kön­ne das Wachs­tum der­je­ni­gen Län­der an­kur­beln, de­ren Ex­por­te in die Volks­re­pu­blik ge­hen. Das glo­ba­le Wachs­tum wer­de da­von pro­fi­tie­ren. M& G In­vest­ments fasst zu­sam­men, dass die An­kün­di­gung po­si­tiv zu be­wer­ten sei. Der fle­xi­ble­re Wech­sel­kurs des Ren­min­bi wer­de die glo­ba­len Un­gleich­ge­wich­te et­was kor­ri­gie­ren. Je­doch sei in An­be­tracht der Grös­se des chi­ne­si­schen Mark­tes mit zahl­rei­chen an­de­ren Aus­wir­kun­gen der Wäh­rungs­auf­wer­tung zu rech­nen. Des­halb wer­de der Wert­ge­winn der Va­lu­ta von der PBOC wohl gra­du­ell vor­ge­nom­men wer­den. Am Di­ens­tag no­tier­te der Ren­min­bi 6.81Yuan/$, nach­dem er sich von über 6.83 auf 6.79Yuan/$ ge­fes­tigt hat­te.

Phil­ipp Hil­de­brand, Prä­si­dent der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB), hat in ei­ner Re­de vor der Schwei­ze­risch-Ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­kam­mer noch­mals die Fran­ken­po­li­tik der Na­tio­nal­bank er­klärt und be­kräf­tigt. Mit der Eu­roein­füh­rung und bis zur Fi­nanz­kri­se ha­be die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta von ei­ner deut­lich ge­rin­ge­ren Wech­sel­kurs­vo­la­ti­li­tät pro­fi­tiert. Mit der zu­neh­men­den Sor­ge der Markt­teil­neh­mer, ob und wie die Eu­ro­zo­ne mit der stei­gen­den Schul­den­last um­ge­hen kön­ne, sei die Wech­sel­kurs­ent­wick­lung für die SNB aber zu ei­ner Her­aus­for­de­rung ge­wor­den.

Hil­de­brand be­grün­det die In­ter­ven­tio­nen mit man­geln­den Al­ter­na­ti­ven – das Zins­ni­veau ha­be be­reits null be­tra­gen, und auch ei­ne wei­te­re Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik mit an­de­ren Mit­teln hät­te wohl nicht mehr ge­wirkt. Als na­he­lie­gen­de Lö­sung ha­be sich der Fran­ken an­ge­bo­ten. Dem­ent­spre­chend ha­be die SNB ver­deut­licht, dass sie dem si­che­ren Ha­fen, den die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta dar­stellt, ent­ge­gen­tre­ten wer­de, um so ei­ne De­fla­ti­on zu ver­hin­dern.

Kein De­fla­ti­ons­ri­si­ko mehr

Die Ge­fahr ei­nes all­ge­mei­nen, si­gni­fi­kan­ten und an­hal­ten­den Rück­gangs des Preis­ni­veaus für Wa­ren und Di­enst­leis­tun­gen hät­te durch ei­ne ex­zes­si­ve Fran­ken­auf­wer­tung ent­ste­hen kön­nen. Die De­vi­sen­markt­in­ter­ven­tio­nen, so der Prä­si­dent der SNB, hät­ten funk­tio­niert. Die an­ge­streb­ten Zie­le sei­en er­reicht wor­den. In der Zwi­schen­zeit sei das De­fla­ti­ons­ri­si­ko in der Schweiz weit­ge­hend ver­schwun­den, die Volks­wirt­schaft pro­fi­tie­re von der an­hal­ten­den Er­ho­lung der Welt­wirt­schaft. Und wäh­rend die Eu­ro­schwä­che zwar die Ex­port­ak­ti­vi­tät dämp­fe, wer­de die Wirt­schafts­leis­tung durch ei­ne wach­sen­de Nach­fra­ge ge­stützt. Der Fran­ken ist dem­nach wie­der frei.

Re­sul­tat der stor­nier­ten In­ter­ven­tio­nen ist ei­ne si­gni­fi­kan­te Wert­stei­ge­rung des Fran­kens. Am Di­ens­tag­nach­mit­tag mar­kier­te die eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­wäh­rung auf 1,3591 Fr./€ ein his­to­ri­sches Tiefst (vgl. Gra­fik).

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