Kon­ver­genz der un­heim­li­chen Art

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - PK

Jahr­zehn­te­lang gal­ten An­lei­hen von Schwel­len­län­dern als ren­di­te­mäs­sig in­ter­es­san­te, aber aus­ser­or­dent­lich ri­si­ko­be­haf­te­te An­la­gen. Emer­ging Mar­kets (Em­Ma) ver­kör­per­ten po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che In­sta­bi­li­tät. Von ih­nen gin­gen die Kri­sen aus, und stieg die Ri­si­ko­aver­si­on, be­stand An­ste­ckungs­ge­fahr. So­gar Tur­bu­len­zen, die nichts mit Em­Ma zu tun hat­ten, setz­ten ih­nen zu. Tief spe­ku­la­ti­ve Län­der­ra­tings er­in­ner­ten In­ves­to­ren an die Ver­letz­lich­keit der Märk­te, das Aus­fall­ri­si­ko rea­li­sier­te sich in Um­schul­dun­gen. Wer es gleich­wohl wag­te, kon­zen­trier­te sich auf Staats­an­lei­hen in Dol­lar.

Das Bild hat sich in den letz­ten Jah­ren ra­di­kal ge­wan­delt: Dass die jüngs­te Schul­den­kri­se Eu­ro­staa­ten und nicht Schwel­len­län­der heim­sucht, ist we­ni­ger ei­ne neue Ent­wick­lung als viel­mehr ein (be­stan­de­ner) Lack­mus­test. Heu­te be­zah­len ei­ni­ge Em­Ma tiefere Ren­di­ten als eu­ro­päi­sche In­dus­trie­staa­ten; die Durch­schnitts­ra­tings der bei­den Län­der­grup­pen nä­hern sich, poin­tiert for­mu­liert, von un­ten bzw. von oben der Gren­ze von An­la­ge-und spe­ku­la­ti­ver Qua­li­tät an (vgl. Gra­fik) – ei­ne Kon­ver­genz der un­heim­li­chen Art.

Pier­re-Yves Bareau, Lei­ter des Schwel­len­län­der­bond­teams von J. P. Mor­gan As­set Ma­nage­ment, spricht von ei­ner struk­tu­rel­len Macht­ver­schie­bung, die et­wa in der Do­mi­nanz der G-20 vis-à-vis der G-7 zum Aus­druck kom­me. Doch als Spe­zia­list, der sich sich seit dreis­sig Jah­ren mit EmMaBonds be­fasst, hält er sich nicht lan­ge in der zu­wei­len wol­ki­gen Sphä­re der Geo­po­li­tik auf, son­dern lie­fert im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» ei­ne schar­fe Ana­ly­se: Fun­da­men­tal sprä­chen wie be­reits frü­her das hö­he­re Wirt­schafts­wachs­tum und neu die so­li­de­ren Staats­fi­nan­zen für EmMaBonds. «Der Ren­di­te­auf­schlag zu Al­ter­na­ti­ven wie Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus In­dus­trie­län­dern ist nach wie vor at­trak­tiv, und vie­le In­sti­tu­tio­nel­le wie US-Pen­si­ons­kas­sen sind un­ter­in­ves­tiert.»

Auch in Be­zug auf die Wäh­rung hat ein Um­den­ken statt­ge­fun­den: «Vie­le An­le­ger sind skep­tisch ge­gen­über Eu­ro und Dol­lar und be­vor­zu­gen des­halb Lo­kal­wäh­run­gen. Dies ist sinn­voll», er­klärt Bareau, «weil die Fun­da­men­tal­da­ten und die Ka­pi­tal­flüs­se für fes­te­re Schwel­len­län­der­va­lu­ten spre­chen. Zu­dem wird das War­ten auf Wäh­rungs­ge­win­ne durch den we­gen des Zins­ni­veaus hö­he­ren lau­fen­den Er­trag ver­süsst. Und die No­ten­ban­ken sind sta­bi­li­täts­be­wuss­ter ge­wor­den und be­kämp­fen, an­ders als frü­her, In­fla­ti­on en­er­gisch. Be­reits flies­sen 70% des Neu­gelds in Lo­kal­wäh­rungs­an­lei­hen.» Der gros­se Geld­zu­strom er­hö­he auch die Li­qui­di­tät in die­sen Märk­ten – die Han­del­bar­keit war frü­her ei­ne Achil­les­fer­se der Em­Ma-Bonds.

Wie un­ge­wohnt die neue Ord­nung noch ist, zeigt sich dar­an, wie Bareau den Ein­fluss der Welt­wirt­schaft be­wer­tet. Kom­me es in den In­dus­trie­län­dern er­neut zu ei­ner Wachs­tums­schwä­che, dem Dou­ble Dip, sei dies für Schwel­len­län­der­an­la­gen po­si­tiv. Be­grün­dung: «Dann wird noch mehr Ka­pi­tal dort­hin flies­sen. Et­was schwie­ri­ger wird es, wenn das Wachs­tum in Eu­ro­pa und den USA kräf­ti­ger aus­fällt als er­war­tet. Dann steigt dort das Zins­ni­veau, und Em­Ma-Bonds büs­sen ei­nen Teil des Ren­di­te­bo­nus ein. Die Wahr­schein­lich­keit da­für ist aber eher klein.» Wachs­tum der rei­fen Volks­wirt­schaf­ten als Brem­se für Bonds auf­stre­ben­der Län­der – In­ves­to­ren ha­ben da­zu­zu­ler­nen.

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