Kei­ne Er­ho­lung am Häu­ser­markt

Die Ver­kaufs­zah­len be­ste­hen­der Wohn­im­mo­bi­li­en ent­täu­schen – Al­le Au­gen auf Chi­nas Wäh­rungs­po­li­tik – Ral­corp kauft kräf­tig ein

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FRANK HEI­NI­GER

Die An­kün­di­gung der chi­ne­si­schen Na­tio­nal­bank, die ei­ge­ne Wäh­rung schritt­wei­se auf­zu­wer­ten, ver­half am Mon­tag auch den US-Bör­sen zu Kurs­a­van­cen: Die wich­ti­gen In­di­zes leg­ten zu Han­dels­be­ginn zwi­schen 1,5 und 2% zu. Die Eu­pho­rie hielt al­ler­dings nur kurz an. Bis zum Han­dels­en­de wur­den al­le Ge­win­ne preis­ge­ge­ben, der Dow Jo­nes In­dus­tri­al schloss mi­nim in ne­ga­ti­vem Ter­rain. Es mach­te sich die Er­kennt­nis breit, dass der zu­erst mit gros­ser Über­ra­schung quit­tier­te Ent­scheid gar nicht so über­ra­schend ist – zu­mal be­reits im März der chi­ne­si­sche No­ten­bank­chef er­klärt hat­te, dass die 2008 ein­ge­führ­te Wech­sel­kurs­an­bin­dung an den Dol­lar tem­po­rä­rer Na­tur sei (vgl. Sei­te 28).

Gleich­wohl ver­such­ten In­ves­to­ren zu iden­ti­fi­zie­ren, wel­che Un­ter­neh­men von ei­nem stär­ke­ren Yuan pro­fi­tie­ren könn­ten oder ne­ga­tiv be­trof­fen wä­ren. Zur zwei­ten Grup­pe zäh­len die US-De­tail­han­dels­ket­ten, die ei­nen Gross­teil ih­res Sor­ti­ments im Reich der Mit­te pro­du­zie­ren las­sen. So­wohl Wal-Mart Sto­res (51.02 $ am Mon­tag, –0,8% seit Don­ners­tag) wie auch Tar­get (52.89 $, –2,3%) ga­ben nach. Auf der Ge­win­ner­sei­te fir­mie­ren In­dus­trie-und Mi­nen­kon­zer­ne, die an ei­ner hö­he­ren Nach­fra­ge aus Chi­na teil­ha­ben könn­ten. Kurs­a­van­cen ver­buch­ten et­wa die Ti­tel des Alu­mi­ni­um­her­stel­lers Al­coa (11.72 $, +4,8%) und des Kup­fer­för­de­rers Free­port McMoran (68.08 $, +3,4%). Am Di­ens­tag mach­ten sich neu­er­lich Sor­gen um die Schul­den­kri­se und die fi­nan­zi­el­le Sta­bi­li­tät Eu­ro­pas breit. Da­zu trug die Her­ab­stu­fung von BNP Pa­ri­bas durch Fitch bei. Die Ra­ting­agen­tur re­du­zier­te die Kre­dit­wür­dig­keit der fran­zö­si­schen Gross­bank um ei­ne Stu­fe auf AA–.

Ei­ne Be­las­tung wa­ren auch die neu­en Zah­len vom Häu­ser­markt. Wie die Na­tio­nal As­so­cia­ti­on of Re­al­tors be­kannt­gab, sind die Ver­käu­fe be­ste­hen­der Wohn­im­mo­bi­li­en (Exis­ting Ho­me Sa­les) im Mai von 5,79 auf 5,66 Mio. ge­fal­len (an­nua­li­siert und sai­son­be­rei­nigt). Ana­lys­ten hat­ten im Vor­feld ei­nen An­stieg auf 6,12 Mio. er­war­tet. Der staat­li­che Sti­mu­lus scheint da­mit schnel­ler als er­war­tet an Wir­kung ver­lo­ren zu ha­ben (vgl. «Spot­light» un­ten). Trotz der schlech­ten Nach­rich­ten konn­te der Markt avan­cie­ren: Nach zwei Han­dels­stun­den no­tier­te der Dow Jo­nes 0,3% im Plus.

Die Va­lo­ren der bei­den Kre­dit­kar­ten­kon­zer­ne Vi­sa (80.90 $, +3,4%) und Mas­ter­card (223.34 $, +4,4%) leg­ten zu Wo­chen­be­ginn zu. Grund war die Mel­dung, wo­nach sich Ver­tre­ter des Se­nats und des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses auf ei­ne Ab­schwä­chung des De­bit­kar­ten­pas­sus in der an­ste­hen­den Fi­nanz­markt­re­form ver­stän­digt hät­ten. Im Mai wur­de be­schlos­sen,

Vi­sa pro­fi­tiert von Po­li­tik

In­di­zes New York die US-No­ten­bank Fed zu er­mäch­ti­gen, die er­ziel­ba­ren De­bit­kar­ten­ge­büh­ren im Be­darfs­fall zu re­du­zie­ren.

Der Preis­kampf im E-Book-Markt wird im­mer här­ter. Ei­nen wich­ti­gen Schritt hat am Mon­tag Bar­nes & No­ble (16.53 $, –4,7%) ge­macht. Die US-Buch­han­dels­ket­te gab be­kannt, den Preis des elek­tro­ni­schen Buch­le­se­ge­räts Nook um sat­te 60$ auf 199 $ zu sen­ken. Nur we­ni­ge St­un­den spä­ter zog der On­li­nehänd­ler Ama­zon (122.55 $, –2,7%) nach und re­du­zier­te sei­ner­seits den Preis des E-Book-Re­a­ders Kind­le um 70$ auf 189$. Die Preis­spi­ra­le dürf­te sich in den kom­men­den Wo­chen mun­ter wei­ter­dre­hen: Es wird er­war­tet, dass so­wohl Ama­zon wie auch der ja­pa­ni­sche Elek­tro­nik­gi­gant So­ny neue Mo­del­le auf den Markt brin­gen.

Ent­täu­schen­de Zah­len leg­te am Di­ens­tag Wal­green (30.14 $, +3%) vor. Die gröss­te Apo­the­ken­ket­te der USA hat im ab­ge­lau­fe­nen Quar­tal 463 Mio. $ Ge­winn er­zielt. Pro Ak­tie ent­spricht das ei­nem Über­schuss von 0.47 $, was den Vor­jah­res­wert um 11% un­ter­schrei­tet. Be­las­tend ha­ben sich Son­der­kos­ten im Zu­sam­men­hang mit der 623 Mio. $ teue­ren Über­nah­me des Ri­va­len Dua­ne Rea­de aus­ge­wirkt. Un­ter Aus­schluss von Ein­mal­ef­fek­ten ver­buch­te Wal­green ei­nen Ge­winn von 0.54 $ pro Ak­tie, was die Kon­sens­schät­zung der Ana­lys­ten um 3 Cent ver­fehl­te. Die Va­lo­ren no­tier­ten am Di­ens­tag nach der Er­geb­nis­prä­sen­ta­ti­on 6% im Mi­nus.

Bio­vail über­nimmt Va­leant

Bio­vail, der gröss­te Phar­ma­kon­zern Ka­na­das, über­nimmt den US-Bran­chen­ver­tre­ter Va­leant Phar­maceu­ti­cals (46.90 $, –0,1%). Das fu­sio­nier­te Un­ter­neh­men wird un­ter dem Na­men Va­leant wei­ter­ge­führt und spe­zia­li­siert sich auf Me­di­ka­men­te zur Be­hand­lung von Ner­ven-und Haut­krank­hei­ten. Als Ab­gel­tung er­hal­ten die Ak­tio­nä­re von Va­leant ei­ne Son­der­di­vi­den­de von 16.77 $ und 1,78 Bio­vail-Ti­tel – die Trans­ak­ti­on wird da­mit mit rund 3,3 Mrd.$ be­wer­tet. Die bei­den Kon­zer­ne pla­nen, 15 bis 20% der ge­mein­sa­men Be­leg­schaft zu ent­las­sen. Michael Pe­ar­son, CEO (Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer) von Va­leant, wird in Zu­kunft die ope­ra­ti­ve Lei­tung der kom­bi­nier­ten Ge­sell­schaft über­neh­men.

Zwi­schen In­tel (21.19 $, –1,5%) und der US-Wett­be­werbs­be­hör­de FTC (Fe­deral Tra­de Com­mis­si­on) zeich­net sich ei­ne Ei­ni­gung ab. An­wäl­te bei­der La­ger ha­ben am Mon­tag dar­um ge­be­ten, das Ver­fah­ren zu un­ter­bre­chen, da­mit fünf FTC-Ver­tre­ter den aus­ge­han­del­ten Kom­pro­miss be­ur­tei­len kön­nen. In­tel sieht sich mit dem Vor­wurf wett­be­werbs­feind­li­cher Ge­schäfts­prak­ti­ken kon­fron­tiert. Der Com­pu­ter­chi­prie­se ha­be Ra­bat­te an PC-Her­stel­ler da­von ab­hän­gig ge­macht, kei­ne oder nur ei­ne be­grenz­te Men­ge von Chips der Kon­kur­renz zu ver­wen­den.

Bris­tol-Exit be­las­tet Exeli­xis

Ral­corp (57.28 $, –7,3%) geht auf Ein­kaufs­tour. Zu­sätz­lich zur Ak­qui­si­ti­on zwei­er klei­ne­rer Keks­her­stel­ler über­nimmt der Nah­rungs­mit­tel­kon­zern auch Ame­ri­can Ita­li­en Pas­ta (AIP, 52.66 $, +34,6%), den gröss­ten Teig­wa­ren­her­stel­ler der USA. Ral­corp hat in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren be­reits rund zwan­zig Ak­qui­si­tio­nen voll­zo­gen. Der Kauf­preis be­trägt 53 $ pro Va­lor, was ei­ner to­ta­len Trans­ak­ti­ons­sum­me von rund 1,2 Mrd.$ ent­spricht. AIP setzt ih­re Teig­wa­ren gröss­ten­teils an De­tail­han­dels­ket­ten wie Wal-Mart Sto­res ab, wel­che die Pro­duk­te als Frem­do­der Ei­gen­mar­ken in die Re­ga­le stel­len. Für ei­nen Kur­stau­cher der Ral­corp-Va­lo­ren sorg­te gleich­zei­tig ei­ne Pro­gno­se­re­vi­si­on: Das Ma­nage­ment rech­net für das drit­te Fis­kal­quar­tal neu mit ei­nem Ge­winn von 1$ pro Ak­tie – Ana­lys­ten hat­ten bis­lang 1.29 $ er­war­tet.

Un­ter die Rä­der ka­men die Ti­tel von Exeli­xis (3.84 $, –18,3%). Der Phar­ma­kon­zern Bris­tol-My­ers Squibb (25.44 $, –1,6%) gab be­kannt, die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit dem US-Bio­tech-Un­ter­neh­men zu be­en­den. Exeli­xis er­hält ei­ne Ab­fin­dung von 17 Mio. $. Die bei­den Part­ner hat­ten ge­mein­sam die Ent­wick­lung ei­nes Me­di­ka­ments zur Be­hand­lung von Schild­drü­sen­krebs vor­an­ge­trie­ben. Exeli­xis er­klär­te, man ha­be sich mit Bris­tolMy­ers Squibb nicht über den Um­fang der Ko­ope­ra­ti­on ei­ni­gen kön­nen.

Die Kreuz­fahrt­ge­sell­schaft Car­ni­val (34.74 $, –3,5%) ver­zeich­ne­te im zwei­ten Quar­tal we­gen hö­he­rer Treib­stoff­kos­ten ei­nen Ge­winn­rück­gang um 4,5%. Der Über­schuss von 0.32 $ pro Ak­tie ver­moch­te trotz­dem die Kon­sens­schät­zung zu über­tref­fen. Da­für konn­te der Um­satz er­höht wer­den, was pri­mär auf die In­be­trieb­nah­me von zwei neu­en Kreuz­fahrt­schif­fen zu­rück­zu­füh­ren ist.

Im Be­richts­zeit­raum von Don­ners­tag bis Mon­tag leg­te der Dow Jo­nes In­dus­tri­al 0,1% auf 10 442,41 zu. Der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daq-Com­po­si­te-In­dex ver­lor 0,8% auf 2289,09. Am Ob­li­ga­tio­nen­markt stieg die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes um 5 Ba­sis­punk­te auf 3,24%.

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