Schatz­kanz­ler schwingt die Axt

LONDON Haus­halts­de­fi­zit soll von 11,1 auf 1,1% des BIP fal­len – Fi­nanz­ti­tel trotz Ban­ken­ab­ga­be fes­ter

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN EUROPA - DF

Nun wis­sen die Bri­ten Be­scheid: Der neue Schatz­kanz­ler Ge­or­ge Os­bor­ne prä­sen­tier­te am Di­ens­tag sein seit Wo­chen mit Span­nung er­war­te­tes Not­bud­get. Für die Märk­te brach­te es je­doch kei­ne grös­se­re Über­ra­schung. Dass die Re­gie­rung en­er­gisch auf die Spar­brem­se tre­ten wür­de, hat­te sie schon im Vor­feld klar­ge­macht, und die Märk­te hät­ten wohl nur dann re­agiert, wenn Os­bor­ne im letz­ten Mo­ment zu­rück­ge­krebst wä­re. Der FTSE100-In­dex ver­lor am Di­ens­tag 1% auf 5246,98. Ge­gen­über letz­ten Frei­tag schloss er bei­na­he un­ver­än­dert.

Auch im Ob­li­ga­tio­nen­markt tat sich we­nig. Die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen Staats­an­lei­hen fiel am Di­ens­tag um drei Ba­sis­punk­te auf 3,45%, nach­dem sie sich zu­nächst nicht be­wegt hat­te. Die Spar­be­mü­hun­gen der Re­gie­rung ha­ben un­mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf das Emis­si­ons­vo­lu­men: Im lau­fen­den Fi­nanz­jahr (per En­de März 2011) will Gross­bri­tan­ni­en Staats­pa­pie­re für 165 Mrd.£ (270 Mrd. Fr.) be­ge­ben. Das sind 28% we­ni­ger als bis­her be­ab­sich­tigt. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te das Kö­nig­reich noch Gilts im Ge­samt­wert von 227,6 Mrd.£ emit­tiert.

Das Sa­nie­rungs­pro­gramm von Os­bor­ne sieht vor, dass das Haus­halts­de­fi­zit in der lau­fen­den Fis­kal­pe­ri­ode von 11,1 auf 10,1% des Brut­to­in­land­pro­dukts bzw. 149 Mrd.£ re­du­ziert wird. Da­nach soll es bis 2015/16 schritt­wei­se auf 1,1% bzw. 20 Mrd.£ sin­ken. Um das Ziel zu er­rei­chen, muss der Staats­sek­tor die Aus­ga­ben jähr­lich um 30 Mrd.£ dros­seln. Von den ein­schnei­den­den Kür­zun­gen, die pro Mi­nis­te­ri­um rund 25% des bis­he­ri­gen Bud­gets er­rei­chen dürf­ten, sind le­dig­lich der staat­li­che Ge­sund­heits­dienst NHS und die Hil­fe für Ent­wick­lungs­län­der aus­ge­nom­men. Auf der Ein­nah­men­sei­te ver­spricht sich Gross­bri­tan­ni­en Mehr­ein­künf­te von 13 Mrd.£ durch die Er­hö­hung des Mehr­wert­steu­er­sat­zes von 17,5 auf 20%. Ban­ken müs­sen auf ih­rer Bi­lanz­sum­me ab 2011 ei­ne Ab­ga­be von 0,04% und da­nach von 0,07% leis­ten, was 2 Mrd.£ pro Jahr ein­brin­gen soll. An­ge­hö­ri­ge der hö­he­ren Ein­kom­mens­steu­er­ka­te­go­ri­en be­zah­len auf Ka­pi­tal­ge­win­nen neu ei­ne Steu­er von 28 statt von 18%, wo­bei die ers­ten 10100£ steu­er­frei blei­ben. Al­ler­dings nimmt die fis­ka­li­sche Be­las­tung nicht in al­len Be­lan­gen zu: Die Ge­winn­steu­er für Un­ter­neh­men wird bis 2014 von 28 auf 24% ge­senkt.

Ob­wohl die Er­hö­hung der Mehr­wert­steu­er den pri­va­ten Kon­sum be­las­ten dürf­te, ka­men die Ak­ti­en der Su­per­markt­ket­ten Tes­co (+0,6% auf 393 p) und WM Mor­ri­son (+2,1% auf 268,1 p) so­wie von Mo­de­häu­sern wie Next (+0,9% auf 2170p) nicht un­ter Druck. Die An­pas­sung war weit­her­um er­war­tet wor­den wie auch die Ban­ken­ab­ga­be. Lloyds Ban­king ge­wan­nen 4,8% auf 59p und HSBC (+1,6% auf 659,2 p). Eben­falls ge­fragt wa­ren die Wer­te der Wa­ren­prüf­grup­pe In­ter­tek (+3,9% auf 1504 p). Der Kauf von In­spec­to­ra­te durch Bu­reau Ve­ri­tas (vgl. Sei­te 12) lös­te Spe­ku­la­tio­nen aus, dass auch In­ter­tek in neue Hän­de ge­lan­gen könn­te. Er­neut schwach ten­dier­ten die Ti­tel des Öl­mul­tis BP (–6,5% auf 334,2 p), die am Di­ens­tag zeit­wei­se ein neu­es Tiefst von 328,4 p mar­kier­ten.

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