Er­freu­li­ches aus Fer­n­ost

LATEIN­AME­RI­KA Ge­win­ne

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN ÜBERSEE - BU,

Ob es an der gu­ten Leis­tung der süd­ame­ri­ka­ni­schen Teams an der Fussball-WM liegt, dass al­le Bör­sen des Kon­ti­nents in den letz­ten zwei Wo­chen kräf­tig zu­ge­legt ha­ben? Ei­ne zeit­wei­se Be­ru­hi­gung der Kon­junk­tur­sor­gen in Eu­ro­pa, bes­se­re Wachs­tums­aus­sich­ten in den USA und die mög­li­che Auf­wer­tung des Yuan in Chi­na (vgl. Sei­ten 2 und 28) ha­ben die Ak­ti­en­kur­se be­flü­gelt. Vor al­lem von der Be­reit­schaft Chi­nas, den Wech­sel­kurs zu fle­xi­bi­li­sie­ren, pro­fi­tie­ren die Ex­port-und Roh­stoff­un­ter­neh­men Latein­ame­ri­kas. Sie er­war­ten mit der er­höh­ten Kauf­kraft ei­ne grös­se­re Nach­fra­ge aus Chi­na. Da­ne­ben sorg­ten auch die wei­ter­hin sta­bi­len Wachs­tums­aus­sich­ten in Latein­ame­ri­ka selbst für gu­te Stim­mung an den Bör­sen.

Bör­sen­star Chi­le

Der Bo­ve­s­pa-In­dex in São Pau­lo ge­wann im zwei­wö­chi­gen Be­richts­zeit­raum 7% auf 64829. In Bra­si­li­en rech­nen die Ana­lys­ten für die Un­ter­neh­men er­neut mit stei­gen­den Ein­nah­men. Der lo­ka­le Bro­ker Ati­va Cor­re­to­ra pro­gnos­ti­ziert das gröss­te Bran­chen­wachs­tum für Bau ( PDG, Brook­field), Le­bens­mit­tel ( Bra­sil Foods), Soft­ware ( Tot­vs, Be­ma­tech) und LKW-Zu­lie­fe­rer ( Ioch­pe, Ma­xi­on). Im Feld der Roh­stoff­ak­ti­en sind die Pro­gno­sen nicht so ein­deu­tig: In den Märk­ten für Zel­lu­lo­se ( Fi­bria), Zu­cker ( Co­san), Stahl ( Usi­mi­nas, Ger­dau) und Ei­sen­erz ( Va­le) ent­wi­ckeln sich Prei­se und Nach­fra­ge ge­mäss Ati­va Cor­re­to­ra gut, doch sei noch nicht ab­zu­se­hen, wie sich das ver­rin­ger­te Wachs­tum in Eu­ro­pa auf die Nach­fra­ge aus­wir­ken wer­de. Im Au­ge be­hal­ten müs­sen An­le­ger in Bra­si­li­en die Teue­rung: Die Zen­tral­bank hat deut­lich ge­macht, dass sie die Ge­fahr stei­gen­der In­fla­ti­on sieht und die­ses Jahr er­neut die Zin­sen er­hö­hen könn­te.

In Chi­le leg­te der IP­SA-In­dex 6,6% auf 4117 zu. Die Bör­se in San­tia­go zählt mit ei­nem Jah­res­plus von 15% welt­weit zu den Ak­ti­en­märk­ten mit der bes­ten Kurs­leis­tung seit An­fang Jahr. Die Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s er­höh­te ih­re Bo­ni­täts­ein­schät­zung für das An­den­land von A1 auf Aa3, drei Ein­hei­ten Grad un­ter dem ma­xi­mal mög­li­chen Gü­te­sie­gel. Die aus­ser­ge­wöhn­lich so­li­de Wirt­schaft-und Fi­nanz­po­li­tik des Lan­des ha­ben zu die­sem Up­grade ver­hol­fen. Die Ak­ti­en des füh­ren­den Zel­lu­lo­se­kon­zerns CMPC pro­fi­tier­ten der­weil je­doch nicht von den Aus­sich­ten auf stei­gen­de Nach­fra­ge aus Fer­n­ost. Sie er­lit­ten deut­li­che Ge­winn­mit­nah­men. Der IPC-In­dex in Me­xi­ko ge­wann im zwei­wö­chi­gen Be­richts­zeit­raum 7% auf 32882. Die Kon­kur­renz­fä­hig­keit me­xi­ka­ni­scher Ex­por­teu­re in den USA, dem mit gros­sem Ab­stand wich­tigs­ten Han­dels­part­ner des Lan­des, wür­de mit ei­nem stär­ke­ren Yuan stei­gen. Mor­gan St­an­ley rech­net mit­tel­fris­tig so­gar mit ei­nem neu­en Ex­port­boom Me­xi­kos nach Nor­den, weil sich Chi­nas bis­he­ri­ger Wett­be­werbs­vor­teil der nied­ri­gen Lohn­kos­ten in­zwi­schen ge­gen­über Me­xi­ko neu­tra­li­siert ha­be. Aus­län­di­sche Un­ter­neh­men könn­ten mas­siv in Me­xi­ko in­ves­tie­ren, um das Land als Ex­port­platt­form für die USA aus­zu­bau­en, er­war­tet Mor­gan St­an­ley. Der­weil stei­gen an den Märk­ten die Hoff­nun­gen auf ei­ne kräf­ti­ger als bis­lang er­war­tet aus­fal­len­de Er­ho­lung der Kon­junk­tur Me­xi­kos. Öko­no­men rech­nen für 2010 mit bis zu 5% Wachs­tum, nach der Re­zes­si­on (–6,5%) von 2009.

In Ar­gen­ti­ni­en ge­wann der Mer­val 7% auf 2320. Mit Span­nung er­war­ten Un­ter­neh­men und Pro­vinz­re­gie­run­gen, ob die Gläu­bi­ger das Um­schul­dungs­an­ge­bot der Re­gie­rung an­neh­men. Nach ei­ner ein­ma­li­gen Ver­län­ge­rung en­de­te zu Wo­chen­be­ginn die Zeich­nungs­frist für die zwei­te Um­schul­dung seit dem 2001 ver­häng­ten Zah­lungs­stopp auf aus­län­di­schen Schul­den. Soll­ten 60% der Gläu­bi­ger dem An­ge­bot zu­stim­men, dann dürf­te der Zu­gang für Ar­gen­ti­ni­ens Un­ter­neh­men und Pro­vin­zen zu den glo­ba­len Kre­dit­märk­ten wie­der ge­öff­net sein. Die Re­gie­rung will bald das Re­sul­tat ver­kün­den. Ei­ne wei­te­re Frist­ver­län­ge­rung zur Zeich­nung soll es nicht ge­ben.

Hoff­nun­gen in Me­xi­ko

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