Un­prä­ten­ti­ös und gut ver­netzt

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - TW

Nach ei­ner halb­jäh­ri­gen, in­ten­si­ven Su­che hat die Schwei­ze­ri­sche Ban­kier­ver­ei­ni­gung am Mon­tag be­kannt­ge­ge­ben, wer Nach­fol­ger von Urs Roth an der Spit­ze des Bran­chen­ver­bands wird: Roths bis­he­ri­ger Stel­le­ver­tre­ter Clau­deA­lain Mar­ge­lisch. Er ge­hör­te dank sei­ner Funk­ti­on und sei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung zu den ers­ten An­wär­tern für die­sen Job, der von ei­nem an­dern Kan­di­da­ten de­spek­tier­lich als «Höl­len­fahrts­kom­man­do» be­zeich­net wur­de. Der in jüngs­ter Zeit durch­wach­se­ne Leis­tungs­aus­weis der Ban­kier­ver­ei­ni­gung schien Mar­ge­lisch von aussen be­trach­tet in sei­nen Am­bi­tio­nen et­was zu be­hin­dern. Als Ver­ant­wort­li­cher für den Be­reich in­ter­na­tio­na­le Fi­nanz­märk­te war er zu­stän­dig und pfleg­te Kon­tak­te zu ge­nau den Stel­len (OECD, EU), die nun in der ers­ten Run­de im Kampf mit der Schweiz um das Bank­kun­den­ge­heim­nis ge­siegt ha­ben.

Die Ban­kier­ver­ei­ni­gung be­ur­teil­te das of­fen­sicht­lich nicht so. Sie sieht die ei­ge­ne Leis­tung in ei­nem an­de­ren Licht und fühlt sich des­halb nicht zu ei­nem Neu­be­ginn ge­drängt – im Ge­gen­teil. Clau­de-Alain Mar­ge­lisch steht für Kon­ti­nui­tät. Min­des­tens im Auf­tritt be­ste­hen zwi­schen dem heu­ti­gen und dem künf­ti­gen Di­rek­tor der Ban­kier­ver­ei­ni­gung (er wird sein Amt am Bankiertag am 16. Sep­tem­ber an­tre­ten) kei­ne gros­sen Un­ter­schie­de. Bei­des sind Ju­ris­ten und bei­de kom­men un­prä­ten­ti­ös und über­legt da­her. Be­schei­den war auch das Um­feld des ers­ten Auf­tritts des de­si­gnier­ten CEO. Die Me­di­en­ver­tre­ter wa­ren an an ei­ner Hand ab­zu­zäh­len. Das ab­ge­ge­be­ne Cur­ri­cu­lum Vi­tae um­fasst (in gros­ser Schrift) gan­ze neun Zei­len. Viel mehr, als dass der neue Mann Jahr­gang 1963 hat (er hat am Frei­tag Ge­burts­tag), an der Uni­ver­si­tät Bern sein Rechts­stu­di­um ab­sol­vier­te, bis 1993 in ei­ner Rechts­kanz­lei ar­bei­te­te und schliess­lich für den Be­reich in­ter­na­tio­na­le Fi­nanz­märk­te zu­stän­dig ist, geht aus dem CV nicht her­vor.

Da­bei hät­te es noch vie­les zu er­wäh­nen ge­ge­ben, das nicht nur in­ter­es­sant, son­dern auch re­le­vant für sei­ne künf­ti­ge Tä­tig­keit ist. Zu­erst ein­mal stammt der neue CEO aus dem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Wal­lis und ar­bei­te­te nach dem Stu­di­um für den Sit­te­ner Rechts­an­walt und heu­ti­gen Stadt­prä­si­den­ten François Mu­dry. Er ist, was ihn im Wal­lis kei­nes­falls zu ei­nem Exo­ten mach­te, Mit­glied der CVP und ar­bei­tet in der Wirt­schafts­kom­mis­si­on die­ser Par­tei. Er hat ei­ne ein­drück­li­che mi­li­tä­ri­sche Kar­rie­re ab­sol­viert (Oberst i Gst) und lässt sich in sei­ner Füh­rung ganz of­fen­sicht­lich von mi­li­tä­ri­schen Grund­sät­zen lei­ten: «Ich den­ke, dass vie­le mi­li­tä­ri­sche Pro­zes­se ana­log in mei­nem Be­ruf über­nom­men wer­den kön­nen, doch braucht es da­für An­pas­sun­gen, die das zi­vi­le Le­ben prä­gen», sag­te er 2007 im In­ter­view mit ei­ner Trup­pen­zei­tung. Trotz die­ser mar­ki­gen Wor­te und des mi­li­tä­ri­schen Gra­des gilt Mar­ge­lisch nicht als kom­pro­miss­lo­ser Hard­li­ner, son­dern als gut ver­netz­ter, smar­ter Ju­rist. Clau­de-Alain Mar­ge­lisch ist ver­hei­ra­tet mit ei­ner Bal­lett­tän­ze­rin, Va­ter ei­ner Toch­ter und wohn­haft im ba­sel­land­schaft­li­chen Rei­n­ach. In sei­ner Frei­zeit spielt er Kla­vier («sehr gut», ruft der Mit­ar­bei­ter der Me­di­en­ab­tei­lung da­zwi­schen) und liebt die Lek­tü­re. Aus­gleich fin­det er auch beim Ten­nis­spie­len, auf dem Ve­lo und in den Ber­gen.

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