«Eu­ro­pa könn­te vor schwe­ren Zei­ten ste­hen»

ROLF SO­IRON Der Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von Hol­cim und Lon­za zum Zu­stand und zu den Per­spek­ti­ven «sei­ner» Un­ter­neh­men

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ -

Hol­cim und Lon­za sind zwei sehr un­ter­schied­li­che Un­ter­neh­men. Sie ha­ben ei­nes ge­mein­sam: den VR-Prä­si­den­ten Rolf So­iron. Er nimmt im Ge­spräch Stel­lung zur Stra­te­gie von Hol­cim und zu den ak­tu­el­len Pro­ble­men von Lon­za. Als in der Wirt­schaft breit ab­ge­stütz­ter Le­a­der äus­sert er zu­dem sei­ne Ge­dan­ken zu Fra­gen der Re­gu­lie­rung der Fi­nanz­märk­te (vgl. Sei­te 15).

Herr So­iron, wie se­hen Sie als Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von Hol­cim den Zu­stand Ih­rer wich­tigs­ten Märk­te? Die Märk­te der Schwel­len­län­der wach­sen, und die wich­tigs­ten Volks­wirt­schaf­ten der ent­wi­ckel­ten Welt ha­ben aus der Tal­soh­le her­aus­ge­fun­den. Aber die Warn­si­gna­le blin­ken im­mer noch. In Eu­ro­pa kom­men vi­el­leicht schwe­re Zei­ten auf uns zu. Es muss sich erst zei­gen, wie rasch und nach­hal­tig sich die Volks­wirt­schaf­ten er­ho­len und wie weit sie in der La­ge sind, zur not­wen­di­gen fis­ka­li­schen Dis­zi­plin zu fin­den. Spa­ren am rech­ten Ort muss sein. Es braucht gleich­zei­tig Per­spek­ti­ven re­spek­ti­ve Wirt­schafts­po­li­ti­ken für neu­es Wachs­tum. Wür­den al­le Län­der nur noch auf die Brem­se tre­ten, so wä­re das ge­fähr­lich. Eu­ro­pa lie­fe Ge­fahr, in ‹ja­pa­ni­sche› Zu­stän­de zu ge­ra­ten. Das hät­te auch für den Bau ne­ga­ti­ve Kon­se­quen­zen. Ge­lingt es je­doch, schritt­wei­se fis­ka­li­sche Ver­bes­se­run­gen mit Wachs­tums­stra­te­gi­en zu ver­bin­den, dann ist das für die Bau­in­dus­trie in Eu­ro­pa ganz be­son­ders po­si­tiv.

Und aus der Sicht von Hol­cim? Ich kann mir für ei­nen Zu­lie­fe­rer der Bau­in­dus­trie kaum ei­ne bes­se­re Po­si­ti­on vor­stel­len als die, die Hol­cim im Raum Asi­en/ Pa­zi­fik und in Latein­ame­ri­ka hat. Zu­dem sind wir auch in den ent­wi­ckel­ten Re­gio­nen Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka stark. Der ‹Brand› ist pri­ma eta­bliert, die Kun­den schät­zen uns, und Mann­schaf­ten so­wie Wer­ke sind gut auf­ge­stellt. Die Bi­lanz ist so­lid. Es ist ge­lun­gen, früh­zei­tig, und nicht erst als dies zur Mo­de wur­de, in Asi­en ei­ne star­ke Stel­lung auf­zu­bau­en. Im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren wir trotz – oder bes­ser we­gen – der Kri­se in der La­ge, das Aus­tra­li­en­ge­schäft von Cemex zu ei­nem ver­nünf­ti­gen Preis zu er­wer­ben.

Und in In­di­en ge­hö­ren Sie zu den Markt­füh­rern. Ja, un­se­re in­di­schen Ge­sell­schaf­ten sind Schwer­ge­wich­te. Aber auch das hat sei­nen Preis: Al­lein die Si­che­rung des Markt­an­teils ver­langt we­gen des enor­men Wachs­tums des Mark­tes ei­ni­ges an Ener­gie und Mit­teln. Dass wir die in­di­schen Kon­zern­tei­le erst et­wa zur Hälf­te be­sit­zen, stört uns nicht, wir füh­ren sie. Hol­cim hat das in­ter­na­tio­na­le Wachs­tum schon im­mer so auf­ge­baut: In neu­en Märk­ten wur­den zu­nächst Min­der­heits­an­tei­le er­wor­ben und erst mit der Zeit wei­ter aus­ge­baut.

Ge­hen Sie in Chi­na ana­log vor?

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.