Hedge-Funds-An­bie­ter Got­tex rech­net mit schwie­ri­gen Zei­ten

Ver­mö­gen un­ter Ver­wal­tung hal­ten sich seit dem En­de des ers­ten Quar­tals sta­bil – Ver­wer­fun­gen an den Märk­ten soll­ten die At­trak­ti­vi­tät der Fonds er­hö­hen

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - TW

Der Schwei­zer Hedge-Funds-An­bie­ter Got­tex hat schon bes­se­re Zei­ten ge­se­hen. Gleich­wohl gab sich Chair­man und Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer Joa­chim Gott­schalk zum Wo­chen­be­ginn an ei­nem Pres­se­an­lass ver­gleichs­wei­se op­ti­mis­tisch – wenn auch vor dem Hin­ter­grund ei­nes düs­te­ren ma­kro­öko­no­mi­schen und po­li­ti­schen Hin­ter­grunds. Er er­war­tet, dass sich im Ge­gen­satz zu heu­te mit­tel­fris­tig auch Pri­vat­in­ves­to­ren wie­der ver­mehrt für die­se An­la­ge­klas­se in­ter­es­sie­ren.

Bes­ser als der Markt

Ge­hört das zum Ge­schäft ei­ner Hed­ge­Funds-Ge­sell­schaft, die ja ge­ra­de von An­le­gern lebt, die sich nicht dem Buy and Hold ver­schrie­ben ha­ben? Oder ist es die lang­jäh­ri­ge Er­fah­rung, die Joa­chim Gott­schalk so pes­si­mis­tisch macht? Im Ge­spräch mit Jour­na­lis­ten mach­te er deut­lich, dass er für den Eu­ro schwarz sieht und die all­fäl­li­ge Ab­lö­sung des Eu­ros durch na­tio­na­le Wäh­run­gen nicht oh­ne Frik­tio­nen un­ter den Mit­glieds­län­dern ge­he. Wenn Staa­ten ge­gen­sei­tig in gros­sem Stil Staats­pa­pie­re hal­ten (wie Frank­reich im Fal­le von Ita­li­en), so muss es in dem Sze­na­rio zu Be­las­tungs­pro­ben kom­men. In ei­nem sol­chen Um­feld wür­den sich Hedge Funds wohl wie­der bes­ser ent­wi­ckeln. Schlech­te Märk­te sind gut für Hedge Funds – und um­ge­kehrt, wie die ver­gan­ge­nen Mo­na­te un­ter­strei­chen. Die Ver­mö­gen un­ter Ver­wal­tung fie­len im ers­ten Quar­tal von 8,1 auf 7,9 Mrd. Fr., seit­her hal­ten sie sich je­doch sta­bil.

Im­mer­hin ge­lang es Got­tex per En­de Mai so­wohl den Hedge-Funds-In­dex wie den SMI zu schla­gen. Von Ja­nu­ar bis April er­ziel­te Got­tex ge­mäss Joa­chim Gott­schalk ei­ne Ren­di­te von 2,5%. Im Mai muss­te ein Rück­gang von 1,2% ver­zeich­net wer­den, wo­mit sich für die Pe­ri­ode ein Plus von 1,3% er­rech­net. Zum Ver­gleich: Der re­le­van­te Hedge-Funds-In­dex gab in dem Zeit­ab­schnitt 2,7% nach, der SMI no­tier­te En­de Mai 3,5% im Mi­nus.

Ei­ne Schwal­be macht al­ler­dings noch kei­nen Som­mer, und die nur klei­ne Über­per­for­mance wird Got­tex in den nächs­ten Wo­chen und Mo­na­ten wohl kaum ent­schei­den­den Schub ge­ben. Da­mit es Got­tex spür­bar bes­ser geht, müs­sen die Ma­nage­ment-und Per­for­man­ce­ge­büh­ren deut­lich stei­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de ein Rück­gang von 49% (Ma­na­ge- mentge­büh­ren) und 57% (Per­for­man­ce­ge­büh­ren) ver­zeich­net, wo­mit die Brut­to­ein­nah­men des Un­ter­neh­mens per sal­do 51% fie­len. Got­tex ge­lang es zwar, die Kos­ten 25% zu sen­ken. Das reich­te je­doch nicht, um ei­nen Rück­schlag des Ge­winns zu ver­hin­dern.

Su­che nach Kauf­ar­gu­men­ten

Für das lau­fen­de Jahr und dar­über hin­aus war von Gott­schalk zwar kei­ne Pro­gno­se zu ver­neh­men. Im­mer­hin wur­de auf Ana­lys­ten ver­wie­sen, die für Got­tex ab 2011 mit hö­he­ren Ge­büh­ren rech­nen, was sich zu­sam­men mit ei­ner Er­hö­hung der Ver­mö­gen un­ter Ver­wal­tung in stei­gen­den Ge­win­nen spie­geln soll­te.

Da­zu kommt, dass Joa­chim Gott­schalk da­von aus­geht, dass der Kon­so­li­die­rungs­druck in der Bran­che an­hal­ten wird und das Un­ter­neh­men fi­nan­zi­el­len Spiel­raum hat, als Käu­fer auf­zu­tre­ten. Got­tex be­fin­det sich un­ter den 25 gröss­ten Hedge Funds und kann sich Chan­cen aus­rech­nen, klei­ne­re Mit­spie­ler, die nicht über die kri­ti­sche Grös­se ver­fü­gen, auf­zu­kau­fen. Als Kon­kur­renz­vor­teil sieht der Got­texChef im Üb­ri­gen auch die jüngs­ten Ent- wick­lun­gen in der Re­gu­lie­rung. Grös­se­re Mit­spie­ler kön­nen dem Ruf nach mehr Trans­pa­renz ein­fa­cher und leich­ter fol­gen. Die in­ter­na­tio­na­le Prä­senz er­laubt es, auf re­gio­na­le Re­gu­lie­run­gen an­ge­mes­sen zu re­agie­ren.

Kauf­grün­de für Got­tex sind das al­les nicht – auch wenn sich der Got­tex-Ak­ti­en­kurs seit der Ver­öf­fent­li­chung der Jah­res­zah­len En­de März deut­lich schwä­cher ent­wi­ckelt hat als der SMI.

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