Buy and Hold hat aus­ge­dient

In tur­bu­len­ten Zei­ten ver­sagt Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­ef­fekt – In­sti­tu­tio­nel­le soll­ten sich auf Mög­lich­kei­ten der Ver­lust­be­gren­zung kon­zen­trie­ren

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - ALEXANDER DI­MAI UND THO­MAS LEU­PIN

Pen­si­ons­kas­sen be­wirt­schaf­ten Port­fo­li­os bis­her meist nach den Grund­sät­zen der mo­der­nen Port­fo­lio­theo­rie von Mar­ko­witz, die aus den Sech­zi­ger­jah­ren stammt. Da­bei wer­den stra­te­gi­sche Quo­ten für ein­zel­ne An­la­ge­ka­te­go­ri­en wie Ak­ti­en und Ob­li­ga­tio­nen de­fi­niert.

Seit 2000 fällt es den Vor­sor­ge­trä­gern zu­neh­mend schwer, die Fi­nan­zie­rungs­zie­le mit der üb­li­chen stra­te­gi­schen Ver­mö­gens­auf­tei­lung zu er­rei­chen. Ne­ben den Ein­brü­chen an den Märk­ten zeigt die Rea­li­tät, dass in tur­bu­len­ten Zei­ten die Kor­re­la­ti­on der An­la­ge­klas­sen steigt und so die mo­dell­sei­tig sug­ge­rier­te Di­ver­si­fi­ka­ti­on sel­ten funk­tio­niert.

Zu­sätz­lich er­höht sich aus­ge­rech­net in Kri­sen­zei­ten das Schwan­kungs­ri­si­ko er­heb­lich, wo­mit das vom Stif­tungs­rat be­wil­lig­te Ri­si­ko­bud­get oft pas­siv deut­lich über­schrit­ten wird (vgl. Gra­fik). Die bis­he­ri­gen An­sät­ze ge­nü­gen da­her nicht. Ei­ne dy­na­mi­sche tak­ti­sche Steue­rung der An­la­ge­klas­sen bie­tet aber Chan­cen, die Fi­nan­zie­rungs­zie­le zu er­rei­chen.

Ri­si­ko bes­ser steu­ern

Der Haupt­trei­ber für die Ren­di­te ist die rich­ti­ge Ge­wich­tung der An­la­ge­ka­te­go­ri­en. Da­bei ist aus­schlag­ge­ben­der, wann und wie viel bei­spiels­wei­se in Ak­ti­en in­ves­tiert wird, als in wel­chen Sub­märk­ten oder Sek­to­ren man sich en­ga­giert. Aus­gangs­la­ge kann den­noch ei­ne tra­di­tio­nel­le An­la­ge­stra­te­gie sein, wo­bei die Quo­ten aber nur als gro­be Richt­schnur die­nen. Die­ser ers­te Schritt muss nun aber durch wei­te­re Schrit­te er­gänzt wer- den, um den Auf­trag je­der Pen­si­ons­kas­se zu er­fül­len, die Ziel­ren­di­te ri­si­ko­kon­trol­liert zu er­rei­chen.

Zu­nächst muss ent­schie­den wer­den, wie viel Schwan­kungs­ri­si­ko zu­ge­las­sen wer­den kann. Je hö­her das Fi­nan­zie­rungs­be­dürf­nis ist, des­to mehr Ri­si­ko muss ein­ge­gan­gen wer­den, wo­bei auch der De­ckungs­grad, sprich die Ri­si­ko­fä­hig­keit der Kas­se, mit­be­stim­mend ist. Das Ri­si­ko­bud­get dient als obers­te Gren­ze und soll ge­ra­de in Kri­sen­zei­ten nicht über­schrit­ten wer­den. Ziel ist so­mit, das Schwan­kungs­ri­si­ko zu kon­trol­lie­ren.

So wird die per­ma­nen­te Ein­schät­zung der Chan­cen und Ri­si­ken der Märk­te zum zen­tra­len Be­stand­teil. Da­zu ste­hen meh­re­re Me­tho­den zur Ver­fü­gung. Mit Fun­da­men­tal-so­wie Sze­na­rio­ana­ly­sen lässt sich die At­trak­ti­vi­tät der Märk­te ein­schät­zen. Der Nach­teil die­ser eta­blier­ten Me­tho­de ist die lang­fris­ti­ge Aus­rich­tung, die viel­fach die üb­li­chen Beur­tei­lungs­zy­klen über­dau­ert.

Die tech­ni­sche Ana­ly­se er­laubt, an­hand von Trends so­wie ih­ren Än­de­run­gen Markt­be­we­gun­gen zu iden­ti­fi­zie­ren. Der Vor­teil ist die Sys­te­ma­tik, nach­tei­lig ist das Feh­len von Evi­denz. Mit sys­te­ma­ti­schen Fak­tor­mo­del­len wer­den markt­re­le­van­te Fak­to­ren her­aus­ge­schält, die Ein­fluss auf Markt­be­we­gun­gen ha­ben. Die Stär­ke die­ser Mo­del­le ist die be­ste­chen­de Sys­te­ma­tik und Evi­denz. Sie ver­lan­gen aber Spe­zi­al­wis­sen.

Be­son­ders ef­fek­tiv sind neue­re in­tel­li­gen­te Fak­tor­mo­del­le, die die markt­be­stim­men­den Fak­to­ren dy­na­misch be­wer­ten. Märk­te ver­än­dern sich per­ma­nent, und die Ein­fluss­fak­to­ren eben­falls. So sind nur Mo­del­le, die sich dy­na­misch an­pas- sen, für die Vor­her­sa­ge von Markt­ent­wick­lun­gen ge­eig­net.

Für die Um­set­zung ist ei­ne Rei­he von Punk­ten zu be­ach­ten. Die Pen­si­ons­kas­sen müs­sen sich für ein Ri­si­ko­bud­get ent­schei­den und sich von der Idee dis­tan­zie­ren, dass Buy and Hold zum Er­folg führt. Die dy­na­mi­sche As­set Al­lo­ca­ti­on be­nö­tigt ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, die auch in Kri­sen­zei­ten rasch han­deln kann. Dem­ent­spre­chend sind Kom­pe­ten­zen und Füh­rungs- rhyth­mus neu zu re­geln. Ent­schie­den wer­den muss, ob die tak­ti­sche Al­lo­ka­ti­on «haus­ge­macht» wird oder ob Spe­zia­lis­ten bei­ge­zo­gen wer­den.

Um mo­der­ner Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce zu ge­nü­gen, müs­sen Ent­schei­de an­hand ei­ner Sys­te­ma­tik ge­trof­fen wer­den. Sie sind gut zu do­ku­men­tie­ren, da­mit sie nach­voll­zieh­bar blei­ben. Die tak­ti­schen Hand­lun­gen ha­ben mög­lichst kos­ten­güns­tig, trans­pa­rent und ein­fach zu

Dy­na­mi­sche As­set Al­lo­ka­ti­on vs. Buy and Hold sein. Da­bei sol­len be­ste­hen­de In­vest­ments mög­lichst nicht be­rührt wer­den. Ein­zu­set­zen­de In­stru­men­te wie De­ri­va­te (et­wa Fu­tures) sind be­reits im Vor­feld zu de­fi­nie­ren. Pro­zes­se, Or­ga­ni­sa­ti­on und Mo­del­le müs­sen re­gel­mäs­sig auf Ziel­er­rei­chung und Qua­li­tät über­prüft wer­den.

Chan­ce für Pen­si­ons­kas­sen

Die üb­li­chen An­la­ge­stra­te­gi­en füh­ren da­zu, dass aus­ge­rech­net in Kri­sen­zei­ten das Ri­si­ko deut­lich über der ur­sprüng­li­chen Pla­nung liegt und in nor­ma­len Zei­ten zu we­nig Chan­cen ge­nutzt wer­den. Zu­dem pro­vo­ziert die bis­he­ri­ge Be­wirt­schaf­tung von Port­fo­li­os pas­si­ve Ver­lus­te, weil man sich zu sehr an In­di­zes ori­en­tiert. Des­we­gen ist ei­ne dy­na­mi­sche Ver­mö­gens­auf­tei­lung die Al­ter­na­ti­ve.

Sie kon­zen­triert sich mehr auf das Vor­ge­hen, wie auf Markt­ver­än­de­run­gen ad­äquat re­agiert wer­den soll, und we­ni­ger auf die Fest­le­gung von star­ren Quo­ten und Band­brei­ten. Ein Um­den­ken ist so­mit er­for­der­lich, und die Im­ple­men­tie­rung neu­er Pro­zes­se und Ver­ant­wort­lich­kei­ten wird not­wen­dig. So kann es in­des bes­ser ge­lin­gen, die Fi­nan­zie­rungs­zie­le zu er­rei­chen und gleich­zei­tig das Ri­si­ko be­wusst zu steu­ern. Der po­si­ti­ve «Ne­ben­ef­fekt» ist, die bes­se­re Steue­rung des Ri­si­kos mit der Chan­ce zu ver­bin­den, ren­di­te­sei­tig bes­ser als mit ei­ner Buy-and-Hold-Um­set­zung ab­zu­schnei­den.

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