«Wir wün­schen uns schnel­le­re Ver­fah­ren»

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - HANS BÜN­TING IN­TER­VIEW: DM

Der Es­se­ner Ver­sor­ger RWE, der ei­nen ho­hen An­teil an Koh­le­strom im Port­fo­lio hat, will das Er­neu­er­ba­re-Ener­gie-Ge­schäft mas­siv aus­bau­en. Auf der Agen­da ste­hen auch In­ves­ti­tio­nen in Off­s­horeWind­parks. Hans Bün­ting, Fi­nanz­chef der Er­neu­er­ba­re-Ener­gie-Toch­ter RWE In­no­gy, er­läu­tert die Stra­te­gie und das Ge­neh­mi­gungs-und Fi­nan­zie­rungs­um­feld.

Herr Bün­ting, wel­che Zie­le ver­folgt der RWE-Kon­zern im Aus­bau des Re­ne­wa­bles-Port­fo­li­os? Bis 2025 wol­len wir den An­teil er­neu­er­ba­rer Ener­gie in un­se­rer Er­zeu­gung von 6 auf 25% aus­wei­ten. Al­lein bis 2013 pla­nen wir, 4,5 GW Ka­pa­zi­tä­ten in Be­trieb oder Bau zu ha­ben. Wir in­ves­tie­ren jähr­lich 1,4 Mrd.€ in den Neu­bau von Er­neu­er­ba­reE­ner­gie-Ka­pa­zi­tä­ten. Zu­dem sind wir am Wüs­ten­strom­pro­jekt De­ser­tec be­tei­ligt: Wir könn­ten uns dort vor­stel­len, Solar­ther­mie­kraft­wer­ke zu bau­en, die letzt­lich ja kon­ven­tio­nel­le Tur­bi­nen an­trei­ben.

Wer­den Sie ab­ge­se­hen von den De­ser­tecPlä­nen aus­ser­halb Eu­ro­pas in­ves­tie­ren? Wir blei­ben in Eu­ro­pa, wo­bei ich hier die Tür­kei da­zu­rech­ne. So baut RWE dort der­zeit ein Gas­kraft­werk. Wei­te­re Aus­nah­men sind In­ves­ti­tio­nen im Bio­mas­seUpst­ream-Be­reich, wo­bei die Pro­duk­ti­on für un­se­re eu­ro­päi­schen Kraft­wer­ke be­stimmt ist.

Wel­che Kri­te­ri­en le­gen Sie bei den Zu­lie­fe­rern für Ih­re Er­neu­er­ba­re-Ener­gie­Pro­jek­te – et­wa in der Pio­nier­tech­no­lo­gie Off­s­hore-Wind­tur­bi­nen – an? Wir set­zen auf eta­blier­te An­bie­ter, de­ren Tur­bi­nen schon län­ger er­probt sind, et­wa Sie­mens und Re­power Sys­tems. So wird zum Bei­spiel un­ser ers­tes Pro­jekt vor der deut­schen Küs­te, der 295-MW-Park Nord- see Ost, mit 6-MW-Tur­bi­nen von Re­power Sys­tems aus­ge­rüs­tet.

RWE baut vor der bri­ti­schen Küs­te we­sent­lich mehr Wind­parks als vor der deut­schen. In­wie­fern un­ter­schei­den sich die bei­den Märk­te? In Deutsch­land sind die Ein­spei­se­ver­gü­tun­gen ga­ran­tiert. In ei­nem schwie­ri­gen Fi­nan­zie­rungs­um­feld ist das von Vor­teil. Das Markt­preis­ri­si­ko ist im bri­ti­schen Mo­dell hö­her, da­für win­ken hö­he­re Ren­di­ten, soll­ten die Strom­prei­se stei­gen. In Gross­bri­tan­ni­en lau­fen die Ge­neh­mi­gungs­pro­zes­se schnel­ler ab, es gibt bei­spiels­wei­se kei­ne lang­wie­ri­gen Ge­neh­mi­gungs­pro­ze­de­re für den An­schluss ans Land­netz, weil der An­schluss vom Pro­jekt­be­trei­ber selbst – und nicht von der Netz­ge­sell­schaft – über­nom­men wer­den muss. In Deutsch­land ist auch noch die Bun­des­netz­agen­tur in­vol­viert. Hier wün­schen wir uns schnel­le­re Ver­fah­ren, die Vor­lauf­zei­ten dau­ern der­zeit rund drei Jah­re. Das ist zu lang.

Wie fi­nan­zie­ren Sie Ih­re In­ves­ti­tio­nen in Er­neu­er­ba­re-Ener­gie-Pro­jek­te? Der über­wie­gen­de Teil ist ei­ne Fi­nan­zie­rung über die Bi­lanz von RWE. Wir fi­nan­zie­ren von der Bau­pha­se bis zur In­be­trieb­nah­me und dar­über hin­aus. Die Ban­ken scheu­en sich in der Off­s­hore-Wind­fi­nan­zie­rung, die an­fäng­lich ho­hen Ri­si- ken ein­zu­ge­hen. Da­her ist die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung – die ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur Bi­lanz­fi­nan­zie­rung wä­re – ver­gleichs­wei­se teu­er. Für RWE mit ih­rer gu­ten Bo­ni­täts­ein­stu­fung und der lang­fris­tig ge­staf­fel­ten Fi­nan­zie­rung ist die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung der­zeit kei­ne Op­ti­on.

Ist die Fi­nan­zie­rung von Off­s­horePro­jek­ten der­zeit über­haupt mög­lich? Ja, das Um­feld hat sich seit der Fi­nanz­kri­se schon et­was ver­bes­sert. Die im Ju­li 2009 ab­ge­schlos­se­ne Non-Re­cour­se-Fi­nan­zie­rung des 330-MW-Meer­wind­parks Bel­wind un­ter der Füh­rung von ASN Bank, De­xia und Ra­bo­b­ank war ein Durch­bruch. Al­ler­dings dau­ert es im­mer noch ziem­lich lan­ge, bis ei­ne Fi­nan­zie­rung steht. Ei­ne mass­geb­li­che Rol­le spielt da­bei die Un­ter­stüt­zung durch die Eu­ro­päi­sche In­ves­ti­ti­ons­bank EIB – oh­ne sie wä­re vie­les nicht um­setz­bar.

Gu­te Bo­ni­täts­no­ten hel­fen RWE ge­mäss Hans Bün­ting in der Fi­nan­zie­rung.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.