Trotz flau­em Wachs­tum pro­fi­tie­ren

Die Di­vi­den­de ge­winnt in der An­la­ge­ent­schei­dung im­mer grös­se­re Be­deu­tung – Wachs­tums­po­ten­zi­al der US-Wirt­schaft ist be­schei­den

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JAN BAU­MANN,

Ame­ri­kas Wirt­schaft ist im glo­ba­len Ver­gleich zum lah­men Rie­sen ge­wor­den. Da­mit die Schul­den­last fi­nan­zier­bar bleibt, müs­sen Staat und Pri­va­te spa­ren; der­weil fin­det das Wachs­tum an­ders­wo statt. US-Ak­ti­en ver­lie­ren des­halb aber nicht ih­ren Reiz. Nur das Mo­tiv für ein En­ga­ge­ment ver­schiebt sich: Noch mehr als frü­her steht die Di­vi­den­den­ren­di­te im Vor­der­grund.

Auf den ers­ten Blick mag über­ra­schen, wie pro­fi­ta­bel vie­le US-Ge­sell­schaf­ten ar­bei­ten. Im ers­ten Jahr nach der gros­sen Re­zes­si­on von 2008/09 klet­tern die Ge­win­ne kräf­tig. Die­ses Jahr dürf­te Cor­po­ra­te Ame­ri­ca ei­nen Vor­steu­er­ge­winn von hoch­ge­rech­net 1550 Mrd.$ ein­fah­ren, nimmt man die Er­geb­nis­se des ers­ten Quar­tals als An­halts­punkt. Da­mit ha­ben die Un­ter­neh­men fast die Ge­winn­kraft zu­rücker­langt, die sie in der ers­ten Hälf­te 2007 be­sas­sen. Der Be­fund stammt aus ei­ner neu­en Stu­die von Dou­glas Clig­gott, Chef­stra­te­ge US-Ak­ti­en der Cre­dit Suis­se.

Cash ist im Über­fluss da

Clig­gott zeigt auf, dass die US-Un­ter­neh­men im Geld schwim­men: Al­lein wäh­rend des ver­gan­ge­nen Jah­res ha­ben sie vor Steu­ern und nach Ab­zug der Di­vi­den­den­aus­schüt­tung 109 Mrd.$ frei­en Cash­flow er­wirt­schaf­tet. In den Bi­lan­zen aus­ser­halb des Fi­nanz­sek­tors sta­peln sich rund 1,5 Bio. $ Bar­re­ser­ven (per En­de März). «Die Fra­ge ist, was die Kon­zer­ne da­mit an­stel­len sol­len», meint Clig­gott.

Auf dem US-Bin­nen­markt ist der Ent­fal­tungs­spiel­raum be­schränkt, von Wachs­tums­ni­schen – bei­spiels­wei­se im Tech­Sek­tor und im Ge­sund­heits­we­sen – ab­ge­se­hen. Be­reits ent­ste­hen 40% des Um­sat­zes aus­ser­halb der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Im ei­ge­nen Land ver­liert die In­dus­trie lang­fris­tig an Dy­na­mik: Wa­ren die USA in den Neun­zi­ger­jah­ren noch die Wachs­tums­lo­ko­mo­ti­ve der Welt­wirt­schaft, stei­ger­ten sie in der ers­ten De­ka­de des neu­en Jahr- hun­derts das rea­le Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) nur noch halb so stark wie die üb­ri­gen Staa­ten (vgl. Gra­fik).

Der Ab­stand wird zu­neh­men. Die Kon­junk­tur ist der­art flau, dass man­che Öko­no­men war­nen, Ame­ri­ka dro­he in die Re­zes­si­on zu­rück­zu­fal­len. So­gar No­ten­bank­chef Ben Bernan­ke woll­te das in ei­ner Re­de An­fang Mo­nat nicht aus­schlies­sen. Er be­zeich­ne­te das Sze­na­rio des all­mäh­li­chen Auf­schwungs zwar als wahr­schein­li­cher, füg­te aber an, die Er­ho­lung wer­de sich «nicht blen­dend an­füh­len». Die­sen Mitt­woch wird der Of­fen­markt­aus­schuss des Fe­deral Re­ser­ve (Fed) nach zwei­tä­gi­ger Sit­zung mit gros­ser Wahr­schein­lich- keit be­kannt­ge­ben, dass sich an der Tief­zins­po­li­tik des Fed noch län­ge­re Zeit nichts än­dert. Klar ist: Die schul­den­be­la­de­nen Kon­su­men­ten könn­ten hö­he­re Zin­sen kaum ver­kraf­ten; die In­fla­ti­ons­ge­fahr ist an­ge­sichts sta­gnie­ren­der Löh­ne und chro­nisch ho­her Ar­beits­lo­sig­keit ge­ring.

Am Gän­gel­band Chi­nas

Auch wenn sich die US-Re­gie­rung das im Vor­feld der G-20-Ta­gung am nächs­ten Wo­che­n­en­de nicht an­mer­ken lässt: Sie muss dank­bar sein, hat Chi­na be­schlos­sen, den Aus­sen­wert des Yu­ans ge­gen­über ei­nem – nicht nä­her spe­zi­fi­zier­ten – Wäh­rungs­korb et­was stei­gen zu las­sen (vgl. Sei­te 28). Die Ana­lys­ten er­war­ten, die chi­ne­si­sche Va­lu­ta wer­de nun zum Dol­lar im Lauf von zwölf Mo­na­ten 2 bis 5% an Wert ge­win­nen. Das för­dert die Kauf­kraft im Reich der Mit­te, dem welt­gröss­ten Markt für Au­tos, Mo­bil­funk und Bier, um ei­ni­ge Gü­ter zu nen­nen, die Chi­nas wach­sen­de Mit­tel­schicht eif­rig nach­fragt.

Dort be­steht für in­ter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hi­ge US-Kon­zer­ne die bes­te Ge­le­gen­heit, freie Mit­tel zu in­ves­tie­ren, Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät aus­zu­bau­en und die Ver­mark­tungs­ak­ti­vi­tät zu stei­gern. Wäh­rend die ame­ri­ka­ni­schen Haus­hal­te ei­nen 13,5 Bio. $ ho­hen Schul­den­berg ab­tra­gen (müs­sen) und des­halb beim Ein­kau­fen knau­sern, wen­den die Un­ter­neh­men den Blick auf die Emer­ging Mar­kets. Manch­mal re­agiert die Bör­se New York auf Kon­junk­tur­si­gna­le aus Asi­en fast schon so ner­vös wie auf hei­mi­sche Ma­kro­da­ten. Dar­in spie­gelt sich der re­la­ti­ve Be­deu­tungs­ver­lust der US-Wirt­schaft.

Es gibt in Ame­ri­ka im­mer noch Bran­chen mit über­durch­schnitt­li­chem Wachs­tums­po­ten­zi­al: Die Phar­main­dus­trie zählt da­zu, nicht zu­letzt dank der Im­pul­se aus der Ge­sund­heits­re­form. Auch pro­fi­tie­ren Halb­lei­ter-und Com­pu­ter­her­stel­ler der­zeit von ei­nem zy­kli­schen Hoch. Das Gros der Kon­zer­ne wird die Ak­tio­nä­re aber wohl auf an­de­re Wei­se bei Lau­ne hal­ten: Der an­hal­tend ho­he Cash­flow er­laubt es ih­nen, Er­gän­zungs­ak­qui­si­tio­nen durch­zu­füh­ren und gleich­zei­tig die Di­vi­den­de schritt­wei­se zu er­hö­hen.

CS-Stra­te­ge Clig­gott sagt, künf­tig wer­de in ty­pi­schen US-Ak­ti­en­porte­feuilles ein zu­neh­men­der Teil der Wert­ver­meh­rung durch grös­se­re Ge­winn­aus­schüt­tung ent­ste­hen. Die Per­for­mance der Ak­ti­en ver­lie­re dem­ge­gen­über als Trei­ber an Kraft. In der Stu­die emp­fiehlt die CS zehn Ti­tel, de­ren Di­vi­den­den­ren­di­te dau­er­haft über der Teue­rungs­ra­te lie­gen soll­te (vgl. Text­box). Die Va­lo­ren – dar­un­ter McDo­nald’s, Proc­ter & Gam­ble und Il­li­nois Tool Works – sind Sub­stanz­wer­te und eig­nen sich für ren­di­te­ori­en­tier­te In­ves­to­ren mit mo­de­ra­tem Ri­si­ko­ap­pe­tit, die an die Per­for­mance kei­ne ex­or­bi­tan­ten Er­war­tun­gen he­gen.

US-Kon­zer­ne wie Pep­siCo pro­spe­rie­ren und wer­fen or­dent­lich Di­vi­den­de ab, auch wenn Ame­ri­kas Wirt­schaft an Dy­na­mik ver­liert.

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