Schwar­zes Gold für die Ab­fall­in­dus­trie

Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko er­zeugt viel Ab­fall – Ent­sor­gungs­plä­ne der lo­ka­len Be­hör­den zei­gen, wel­che Un­ter­neh­men pro­fi­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MI­SCHA STÜNZI

Ein En­de der Öl­ka­ta­stro­phe am Golf von Me­xi­ko ist nicht ab­seh­bar. Seit zwei Mo­na­ten strö­men täg­lich ge­schätz­te 60000 Fass Öl (1 Fass ent­spricht 159 Li­ter) ins Meer. Längst hat der Öl­tep­pich die US-Küs­te er­reicht. BP ar­bei­tet dar­an, die ent­ste­hen­de Ver­schmut­zung mög­lichst rasch zu be­sei­ti­gen. Doch was pas­siert mit dem ge­sam­mel­ten Öl, wie wird es ent­sorgt, und wer ist da­für zu­stän­dig?

Die lo­ka­len Be­hör­den ge­ben in ih­ren Ent­sor­gungs­plä­nen Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen. Letz­te Wo­che wur­den die Be­rich­te vom zu­stän­di­gen Amt für Um­welt­schutz (US En­vi­ron­men­tal Pro­tec­tion Agen­cy, EPA) be­wil­ligt und ver­öf­fent­licht. Ei­ne der Kern­aus­sa­gen ist: Es sind spe­zia­li­sier­te Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men ge­fragt. Ih­nen kommt der zu­sätz­li­che Um­satz nach der re­zes­si­ons­be­ding­ten Kri­se sehr ge­le­gen.

Rie­si­ger Ab­fall­berg

Auf­räum­ar­bei­ten im An­schluss an Öl­ka­ta­stro­phen kön­nen zu ge­wal­ti­gen Ab­fall­men­gen füh­ren. Nicht nur das ge­sam­mel­te Öl muss ent­sorgt wer­den. Auch vie­les, was das kleb­ri­ge «schwar­ze Gift» ver­schmutzt hat, wird be­sei­tigt. Es ist gut mög­lich, dass mehr Ab­fall ent­steht, als Öl aus­läuft. Die In­ter­na­tio­nal Pe­tro­le­um In­dus­try En­vi­ron­men­tal Con­ser­va­ti­on As­so­cia­ti­on (Ipie­ca), ei­ne Ver­ei­ni­gung der Öl­bran­che, der auch BP an­ge­hört, weist in ei­nem Be­richt dar­auf hin, dass der Müll­berg so­gar bis zu dreis­sig­mal grös­ser sein kön­ne (vgl. Gra­fik). Ge­mäss ak­tu­el­len Schät­zun­gen sind seit dem 22. April rund 470 000 Ton­nen Öl ins Meer ge­strömt. Bei der Men­ge muss auch mit ei­nem gros­sen Ab­fall­vo­lu­men ge­rech­net wer­den.

He­ri­ta­ge En­vi­ron­ment, ei­ne nicht ko­tier­te Ent­sor­gungs­ge­sell­schaft, wur­de von den lo­ka­len Be­hör­den als Ko­or­di­na­tor für die Be­sei­ti­gung der Öl­ab­fäl­le ein­ge­setzt. Die letz­te Wo­che ver­öf­fent­lich­ten Plä­ne se­hen ver­ein­facht aus­ge­drückt zwei Op­tio­nen vor: Stof­fe wer­den ent­we­der re­zy­kliert oder de­po­niert. BP setzt al­les dar­an, mög­lichst viel Öl wei­ter­zu­ver­wen­den. Oft ist es aber zu salz­hal­tig, ent­hält zu viel Sand oder zu vie­le St­ei­ne. Dann wird es als Müll an ei­ne Ent­sor­gungs­ge­sell­schaft wei­ter­ge­ge­ben. Die vor­ge­se­he­ne Lö­sung ist güns­tig und denk­bar ein­fach: Durch ein Bohr­loch wird die Flüs­sig­keit in tie­fe Gesteins­schich­ten oh­ne Ver­bin­dung zum Trink­was­ser ein­ge­spritzt. Das Prin­zip gleicht dem ei­ner Ab­fall­de­po­nie.

Der Be­richt der lo­ka­len Be­hör­den nennt in die­sem Zu­sam­men­hang pri­mär ein Un­ter­neh­men: Newpark Re­sour­ces. Der Öl­ser­vice­dienst­leis­ter ist über sei­ne Spar­te En­vi­ron­men­tal Ser­vices auf die Ent­sor­gung flüs­si­ger Ab­fäl­le spe­zia­li­siert. Die Ge­sell­schaft be­treibt acht der zehn im Plan von Loui­sia­na be­wil­lig­ten De­po­ni­en für Flüs­sig­kei­ten. Die Auf­räum­ar­bei­ten wer­den ihr so­mit zu­sätz­li­chen Um­satz si­chern. We­gen des Öl­bohr­mo­ra­to­ri­ums im Golf von Me­xi­ko muss sie aber mit Ein­bus­sen in ih­ren an­de­ren Ge­schäfts­fel­dern rech­nen. Paul Ho­wes, CEO von Newpark, sag­te An­fang Ju­ni, er ge­he da­von aus, dass sich die bei­den Ef­fek­te in et­wa die Waa­ge hal­ten wer­den. Das Un­ter­neh­men ist mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 20 – nach ei­nem Ral­ly seit Som­mer 2009 – kein Schnäpp­chen mehr.

Aus­weg aus der Kri­se

Mit fes­ten Stof­fen wird ähn­lich ver­fah­ren wie mit flüs­si­gen: Ma­te­ri­al und Werk­zeug wer­den nach Mög­lich­keit ge­rei­nigt und wie­der­ver­wen­det. An­sons­ten lan­den auch sie auf der De­po­nie. Der US-Ge­setz­ge­ber er­laubt BP da­mit ei­ne güns­ti­ge Form der Ent­sor­gung. In der Schweiz und der EU wä­re ein sol­ches Vor­ge­hen un­denk­bar. Das De­po­nie­ren brenn­ba­rer Stof­fe ist hier ver­bo­ten, und BP müss­te die Ab­fäl­le ver­bren­nen, was deut­lich teu­rer ist. Doch selbst die güns­ti­ge Va­ri­an­te wird den Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men zu­sätz­li­chen Um­satz er­mög­li­chen. Im Mo­ment lie­gen noch kei­ne Schät­zun­gen zum ent­ste­hen­den Ab­fall­vo­lu­men vor. Die rund 470 000 Mio. Ton­nen Roh­öl, die bis heu­te in den Golf von Me­xi­ko ge­strömt sind, dürf­ten aber die de­po­nier­te jähr­li­che Ab­fall­men­ge der USA von knapp 170 Mio. Ton­nen (oh­ne Flüs­sig­kei­ten und Gift­stof­fe) er­hö­hen.

Re­pu­blic Ser­vices vor­zie­hen

Der In­dus­trie, die ge­ne­rell als Spät­zy­kli­ker gilt, kommt die­se Stei­ge­rung sehr ge­le­gen. Die Re­zes­si­on hat den Um­satz im letz­ten Jahr ein­bre­chen las­sen – bei den bei­den Bran­chen­füh­rern Was­te Ma­nage­ment und Re­pu­blic Ser­vices um 13,1 bzw. 12,1%. Ob­wohl die Un­ter­neh­men durch Kurz­ar­beit und die tem­po­rä­re Still­le­gung von Wer­ken die Kos­ten rasch ge­senkt ha­ben, ging auch der Ge­winn zu­rück.

Im Ent­sor­gungs­plan zum ak­tu­el­len Öl­un­glück kommt den Bran­chen­schwer­ge­wich­ten ei­ne be­son­de­re Rol­le zu: Re­pu­blic Ser­vices und Was­te Ma­nage­ment be­trei­ben die Mehr­heit der be­wil­lig­ten Ab­fall­de­po­ni­en und kön­nen so­mit zu den Haupt­pro­fi­teu­ren der Auf­räum­ar­bei­ten wer­den. Dank ih­rer Markt­macht und der ho­hen Markt­ein­tritts­bar­rie­ren für po­ten­zi­el­le Kon­kur­ren­ten kön­nen die Ge­sell­schaf­ten zu­dem die Prei­se hoch hal­ten. Ins­be­son­de­re Re­pu­blic Ser­vices ist her­vor­ra­gend po­si­tio­niert: Nach der Über­nah­me des US-Kon­kur­ren­ten Al­lied Was­te kann das Un­ter­neh­men Sy­ner­gi­en nut­zen und die Kos­ten nach­hal­tig re­du­zie­ren. Für 2010 rech­net es mit an­nua­li­sier­ten Ein­spa­run­gen von 190 Mio. $. Des­halb sind Re­pu­blic Ser­vices, die mit ei­nem KGV von 18 teu­rer ge­han­delt wer­den als Was­te Ma­nage­ment (KGV 16), ih­ren Kon­kur­ren­ten vor­zu­zie­hen.

Es gibt viel zu tun für die Hel­fer und Ent­sor­gungs­ge­sell­schaf­ten wie Re­pu­blic Ser­vices.

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