Klei­ner Schritt, gros­se Auf­re­gung

Pe­king si­gna­li­siert Kom­pro­miss­be­reit­schaft in Sa­chen Yuan – Eu­pho­rie­schub an den Märk­ten – Kein Rie­sen­sprung

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - THO­MAS PENTSY

ETak­tik­ma­nö­ver

in Ver­wirr­spiel: Am Sams­tag stell­te Chi­nas Zen­tral­bank ei­ne ver­meint­lich schritt­wei­se Auf­wer­tung der Lan­des­wäh­rung Yuan in Aus­sicht, am Sonn­tag wur­de die Mel­dung um­ge­hend ein Stück weit re­la­ti­viert. Am Mon­tag setz­te dann die Peop­le’s Bank of Chi­na (PBoC) den Wech­sel­kurs zum Dol­lar mit 6,8275 un­ver­än­dert auf dem Ni­veau des Vor­wo­chen­schluss­kur­ses fest. Der Yuan selbst klet­ter­te glei­chen­tags zum Gre­en­back 0,43% auf 6,7976. Er be­weg­te sich da­mit in­ner­halb der er­laub­ten täg­li­chen Schwan­kungs­brei­te von 0,5%, oh­ne sie voll aus­zu­nut­zen, ver­kehr­te aber den­noch auf dem höchs­ten Stand seit Ju­li 2005.

Stär­ker zo­gen die aus­ser­börs­lich ge­han­del­ten Ter­min­kon­trak­te an, die Twel­veMonth Non-de­li­ver­a­ble Yuan For­wards: Sie ver­kehr­ten zu Wo­chen­be­ginn 1,1% hö­her auf 6,6425. Ge­mes­sen dar­an ge­hen An­le­ger da­von aus, dass sich die chi­ne­si­sche Lan­des­wäh­rung in den nächs­ten zwölf Mo­na­ten um rund 2,3% zum Gre­en­back ver­teu­ern wird. Erst am Di­ens­tag zog dann die chi­ne­si­sche No­ten­bank nach und setz­te den Re­fe­renz­wert des Yu­ans neu 0,42% hö­her auf 6,798 an.

Trotz die­ses Zick­zack­kur­ses wur­de an den glo­ba­len Fi­nanz­märk­ten zu Wo­chen­be­ginn das ge­rings­te An­zei­chen da­für, dass Pe­king den Yuan auf­wer­ten könn­te, (wohl zu vor­schnell) ge­fei­ert: Welt­weit schnell­ten die Ak­ti­en­kur­se hoch. In Asi­en stie­gen die Leit­in­di­zes im Ta­ges­han­del so stark wie seit gut zwei Mo­na­ten nicht mehr. Am Di­ens­tag aber ten­dier­ten nur noch Chi­nas Ak­ti­en­märk­te fes­ter. An den üb­ri­gen Bör­sen leg­te sich die Eu­pho­rie, und der Wäh­rungs­schritt wur­de im Sin­ne ei­ner Kom­pro­miss­be­reit­schaft Pe­kings nüch­ter­ner als ei­ne ge­ring­fü­gi­ge Kon­zes­si­on, we­ni­ger als Rie­sen­schritt ein­ge­stuft. Auch wenn das Yu­an­si­gnal zu­nächst als Über­ra­schung in­ter­pre­tiert wur­de, der am Mon­tag aber un­ver­än­der­te Wech­sel­kurs für Er­stau­nen un­ter An­le­gern sorg­te – ganz so über­ra­schend, wie die Mel­dun­gen aus Pe­king in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on auf­ge­nom­men wur­den, ist Chi­nas Wech­sel­kurs­po­li­tik nicht. Zhou Xiao­chuan, Chi­nas No­ten­bank­chef, hat­te schon im März am Volks­kon­gress klar­ge­macht, dass der De­fac­to-Peg des Yu­ans, der im Ju­li 2008 ein­ge­führt wor­den war, nur ei­ne vor­über­ge­hen­de Mass­nah­me sei, mit der die Volks­re­pu­blik auf die glo­ba­le Fi­nanz­markt­kri­se re­agie­re. Frü­her oder spä­ter wer­de Pe­king den Wech­sel­kurs­me­cha­nis­mus wie­der nor­ma­li­sie­ren, hielt er da­mals fest. Ei­ne Aus­sa­ge, die am 19. Ju­ni von der PBoC er­neut be­kräf­tigt wur­de.

Im Grun­de knüpft Pe­king – mit klei­nen Ab­wei­chun­gen – jetzt auch da an, wo­mit es am 21. Ju­li 2005 be­gon­nen hat­te, dann aber nach ei­ner Auf­wer­tung um 21,2% zum Dol­lar am 21. Ju­li 2008 auf­hör­te: Nach gut 23-mo­na­ti­ger fi­xer Wech­sel­kurs­an­bin­dung an den Gre­en­back will die PBoC zur Po­li­tik ei­nes fle­xi­ble­ren Wech­sel­kurs­me­cha­nis­mus über­ge­hen und ih­re Wäh­rungs­re­form fort­set­zen. Ein vor al­lem po­li­tisch mo­ti­vier­tes Tak­tik­ma­nö­ver, das in­so­fern zur rech­ten Zeit kommt, als am 26. und 27. Ju­ni in To­ron­to der G-20-Gip­fel statt­fin­det und sich da­durch das Ri­si­ko ei­nes es­ka­lie­ren­den Han­dels­kriegs zwi­schen den USA und Chi­na ver­rin­gert. Un­miss­ver­ständ­lich hielt Pe­king in­des fest, dass es nicht zu ei­nem ein­ma­lig kräf­ti­gen Auf­wer­tungs­schritt be­reit sei und der Wech­sel­kurs des Yu­ans auch kein The­ma der G-20-Ge­sprä­che sei.

Chi­nas Wäh­rungs­re­form be­deu­tet nun nicht zwangs­läu­fig ei­ne Auf­wer­tung des Yu­ans zum Dol­lar, son­dern – wie es in der Ver­laut­ba­rung hiess – ei­ne Fle­xi­bi­li­sie­rung des Wech­sel­kurs­me­cha­nis­mus. Pe­king will fort­an die Lan­des­wäh­rung stär­ker an ei­nem Wäh­rungs­korb aus­rich­ten (nicht fest­bin­den) statt nur am Gre­en­back. Da­bei wird die Band­brei­te der täg­lich er­laub­ten Schwan­kun­gen von 0,5% vo­r­erst nicht wei­ter aus­ge­wei­tet. Das im­pli­ziert letzt­lich wohl ein ge­rin­ge­res Tem­po der Auf­wer­tung zum Dol­lar als in der Zeit von 2005 bis 2008, und kurz­fris­tig könn­te die chi­ne­si­sche Va­lu­ta zum Gre­en­back so­gar nach­ge­ben. Ein Grund da­für ist un­ter an­de­rem die Schwä­che des Eu­ros. Wich­tig ist in die­sem Kon­text auch, dass Chi­nas Han­dels­bi­lanz­über­schuss in den letz­ten drei Jahr deut­lich ge­sun­ken ist – von 7,5% des Brut­to­in­land­pro­dukts im Jahr 2007 auf 4% 2009. In den ers­ten fünf Mo­na­ten 2010 ver­zeich­ne­te Chi­na ei­nen Über­schuss von 35,8 Mrd. $ oder gut 60% we­ni­ger als im Vor­jahr. Kraft der ro­bus­ten Bin­nen­nach­fra­ge wird der Ge­samt­über­schuss 2010 we­sent­lich tie­fer aus­fal­len als 2009. Zu­dem dürf­te Chi­nas Wachs­tums­tem­po in der zwei­ten Jah­res­hälf­te deut­lich nach­las­sen. Auch das weist dar­auf hin, dass nicht Auf­wer­tung das Schlüs­sel­wort in Chi­nas Wech­sel­kurs­po­li­tik ist, son­dern Fle­xi­bi­li­sie­rung.

Die Dis­kus­sio­nen, wie weit der Yuan un­ter­be­wer­tet ist, wer­den des­halb an­hal­ten. Ge­mes­sen am so­ge­nann­ten Bi­gMac-In­dex wä­re Chi­nas Va­lu­ta rund 50% un­ter­be­wer­tet und ba­sie­rend auf der Kauf­kraft­pa­ri­tät (Purcha­sing Po­wer Pa­ri­ty) et­wa 40%. Das viel be­ach­te­te Pe­ter­son In­sti­tu­te of In­ter­na­tio­nal Eco­no­mics da­ge­gen geht da­von aus, dass der Yuan En­de 2008 rund 12 bis 16% un­ter­be­wer­tet war. Die­se Ein­schät­zung dür­fe der Rea­li­tät wohl nä­her kom­men und ent­spricht auch den Aus­sa­gen chi­ne­si­scher No­ten­ban­ker, dass der Yuan nicht weit von sei­nem an­ge­mes­se­nen Wert ent­fernt sei.

Am «rich­ti­gen» Wech­sel­kurs des Yu­ans wer­den sich die Ge­mü­ter auch wei­ter­hin er­hit­zen.

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