Pe­king be­treibt Image­pfle­ge

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND -

Chi­na baut sein auf Ex­port aus­ge­rich­te­tes Wirt­schafts­mo­dell auf den Bin­nen­kon­sum um. Das zei­gen nicht nur die durch Ar­bei­ter­streiks er­run­ge­nen Lohn­er­hö­hun­gen, die von der Re­gie­rung ge­bil­ligt wur­den, son­dern auch die an­ge­kün­dig­te Rück­kehr zu ei­ner fle­xi­ble­ren Wech­sel­kurs­po­li­tik. Mit dem Aus­bruch der glo­ba­len Fi­nanz­markt­kri­se kam Chi­nas Re­form­kurs in Sa­chen Yuan zwar et­was in Ver­zug, aber nicht zum de­fi­ni­ti­ven Halt. Pe­king woll­te dies der Welt noch­mals in Er­in­ne­rung ru­fen. Denn die Peop­le’s Bank of Chi­na hat die fes­te An­kop­pe­lung des Yu­ans an den Dol­lar be­reits Mit­te 2005 auf­ge­ge­ben, wor­auf sich der Yuan bis Ju­li 2008 zum Gre­en­back mehr als 20% auf­ge­wer­tet hat. Nur der Ex­port­ein­bruch in Chi­na ab Spät­som­mer 2008 stopp­te den Auf­wer­tungs­kurs.

Die Re­gie­rung, die we­gen der Ka­pi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len den Wech­sel­kurs des Yu­ans wei­ter be­stimmt, liess da­bei nie ei­nen Zwei­fel of­fen, dass die­se zur Stüt­zung der Ex­port­wirt­schaft er­grif­fe­ne Mass­nah­me nur tem­po­rä­rer Na­tur ist. Jetzt, da die Aus­fuh­ren kräf­tig an­ge­zo­gen ha­ben und gleich­zei­tig über die Ein­fuh­ren In­fla­ti­on im­por­tiert wird, will Pe­king den Markt­kräf­ten in der Be­stim­mung des Wech­sel­kur­ses zwar nicht frei­en Lauf las­sen, aber im­mer­hin grös­se­re Frei­hei­ten ein­räu­men. Da­bei hält die Zen­tral­bank fest, dass die Auf­wer­tung des Yu­ans zur An­ker­wäh­rung Dol­lar ein lang­sa­mer und gra­du­el­ler Pro­zess sein wird. Ame­ri­ka­ni­sche Po­li­ti­ker, die von Pe­king un­ter An­dro­hung von Wirt­schafts­sank­tio­nen ei­ne fle­xi­ble­re Wech­sel­kurs­po­li­tik ver­langt ha­ben, dürf­ten ent­täuscht sein. Selbst ei­ne ein­ma­li­ge Auf­wer­tung von 2% ist nicht vor­ge­se­hen. Trotz­dem kommt Chi­na mit der ge­mäch­li­chen Gan­gart durch­aus US-In­ter­es­sen ent­ge­gen. Denn Chi­na will nicht nur den Wech­sel­kurs zum Dol­lar fle­xi­bler ge­stal­ten, son­dern den Yuan auch an ei­nem han­dels­ge­wich­te­ten Korb von Wäh­run­gen aus­rich­ten.

Wür­de ei­ne sol­che Po­li­tik über Nacht ein­ge­führt und da­bei auch die Schwä­che des Eu­ro be­rück­sich­tigt, müss­te der Yuan zum Gre­en­back wahr­schein­lich ab­ge­wer­tet wer­den. Die pro­tek­tio­nis­ti­schen Stim­men im US-Kon­gress, die Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma seit län­ge­rer Zeit schon zu ei­ner här­te­ren Gan­gart ge­gen­über Pe­king drän­gen, wür­den ei­ne sol­che Ent­wick­lung wohl als of­fe­ne Kriegs­er­klä­rung auf­fas­sen. Das ist mit Si­cher­heit nicht der Zweck der un­ver­bind­li­chen Ver­laut­ba­rung der chi­ne­si­schen Zen­tral­bank. Viel­mehr hat die Peop­le’s Bank of Chi­na kurz vor dem G-20-Gip­fel in To­ron­to ih­ren aus­län­di­schen Kri­ti­kern das mit­ge­teilt, was die­se ger­ne hö­ren möch­ten.

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