Ae­gon rich­tet sich neu aus

Der nie­der­län­di­sche Ver­si­che­rer will sei­ne US-Ak­ti­vi­tä­ten ver­kau­fen – Um­fas­sen­de Re­or­ga­ni­sa­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - HELMUT HET­ZEL,

Der nie­der­län­di­sche Ver­si­che­rungs­kon­zern Ae­gon führt ei­ne tief­grei­fen­de Re­struk­tu­rie­rung durch, um pro­fi­ta­bler zu wer­den. Das Un­ter­neh­men will sich von sei­ner ame­ri­ka­ni­schen Rück­ver­si­che­rungs­toch­ter Tran­s­ame­ri­ca tren­nen und Tei­le der bri­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten ver­äus­sern.

«Wir su­chen für Tran­s­ame­ri­ca ei­nen Käu­fer und wer­den un­se­re bri­ti­schen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ge­nau un­ter die Lu­pe neh­men», kün­dig­te Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer (CEO) Alex Wi­j­na­endts in ei­ner Vi­deo­bot­schaft an die Mit­ar­bei­ter und Fi­nanz­ana­lys­ten an. Im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich wird sich Ae­gon vor­aus­sicht­lich von der Toch­ter Scot­tish Equi­ta­ble tren­nen.

Rück­zah­lung der Staats­hil­fe

Nach Darstel­lung von Wi­j­na­endts soll sich Ae­gon ver­stärkt auf die Wachs­tums­märk­te in Süd­ame­ri­ka, Asi­en und Ost­eu­ro­pa kon­zen­trie­ren – aber nur dort­hin, wo das Un­ter­neh­men ei­ne füh­ren­de Po­si­ti­on hat oder ein­neh­men kann. Das Ver­si­che­rungs­ge­schäft in Tai­wan wur­de ab­ge­stos­sen, weil es zu klein war. Gleich­zei­tig star­te­te Ae­gon mit Le­bens­ver­si­che­rungs­ak­ti­vi­tä­ten in In­di­en und in Bra­si­li­en.

Ae­gon hat sich vor­ge­nom­men, die staat­li­che Fi­nanz­hil­fe, die das In­sti­tut auf dem Hö­he­punkt der in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­markt­kri­se be­nö­tigt hat­te, so schnell wie mög­lich zu­rück­zu­zah­len. Ae­gon hat­te von der nie­der­län­di­schen Re­gie­rung im Herbst 2008 ei­ne Fi­nanz­sprit­ze von 3 Mrd.€ er­hal­ten. Rund 1 Mrd.€ plus Zin­sen hat das Un­ter­neh­men be­reits zu­rück­ge- ge­ben. Der Rest soll mit dem Er­lös aus den ge­plan­ten Ver­käu­fen in den USA und in Gross­bri­tan­ni­en be­gli­chen wer­den. Die EU-Kom­mis­si­on in Brüssel muss dem noch zu­stim­men.

Der Wert der ame­ri­ka­ni­schen Tran­s­ame­ri­ca Rein­suran­ce wird von Ana­lys­ten auf 1,6 Mrd.€ ge­schätzt. Mit die­sem Be­trag steht sie in der Ae­gon-Bi­lanz. Die Nie­der­län­der kauf­ten Tran­s­ame­ri­ca 1999. Der Ver­kauf von Scot­tish Equi­ta­ble in Gross­bri­tan­ni­en dürf­te Ae­gon schät­zungs­wei­se 1,5 Mrd.£ in die Kas­se spü­len.

Wi­j­na­endts will in Gross­bri­tan­ni­en die Kos­ten bis En­de 2011 um ein Vier­tel re­du­zie­ren. Der Ver­kauf von kol­lek­ti­ven Le­bens­ver­si­che­run­gen soll im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich ein­ge­stellt wer­den. Die­ses Ge­schäft wer­fe ei­ne zu ge­rin­ge Ge­winn­mar­ge ab, hielt der Ae­gon-Chef fest. Die Re­or­ga­ni­sa­ti­on ha­be das Ziel, das Ri­si­ko­pro­fil und das Ei­gen­ka­pi­tal der Ver­si­che­rungs­grup­pe zu stär­ken, hob Wi­j­na­endts im Wei­te­ren her­vor.

Vie­len An­le­gern geht das an­ge­kün­dig­te Re­or­ga­ni­sa­ti­ons­pro­gramm nicht weit ge­nug. Die Ak­ti­en ver­lo­ren am Di­ens­tag in Ams­ter­dam in ei­nem schwa­chen Markt­um­feld bis kurz vor Han­dels­schluss 3% auf 4.95 €. An der Bör­se war er­war­tet wor­den, dass sich Ae­gon ganz aus Gross­bri­tan­ni­en zu­rück­zie­hen wer­de.

Ak­ti­en mei­den

Die stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung und Fo­kus­sie­rung des Ge­schäfts soll nach An­ga­ben von Wi­j­na­endts bis 2014 die Ren­di­te auf das ein­ge­setz­te Ka­pi­tal von 2,4% auf «et­wa 8 bis 10%» er­hö­hen. Die Ak­ti­en des nie­der­län­di­schen Le­bens­ver­si­che­rers sind auf Ba­sis der Ge­winn­schät­zung für das kom­men­de Jahr mit ei­nem Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis von 12 be­wer­tet.

Das an­ge­kün­dig­te Re­or­ga­ni­sa­ti­ons­pro­gramm soll bis En­de 2011 un­ter dem Strich Kos­ten­ein­spa­run­gen von bis zu 25% brin­gen. Ae­gon wird aber wei­ter­hin in den drei Be­rei­chen Le­bens­ver­si­che­run­gen, Ver­mö­gens­ver­wal­tung und Pen­si­ons­ge­schäft ak­tiv sein. Mit der Ex­pan­si­on in den Wachs­tums­märk­ten in Ost­eu­ro­pa so­wie in In­di­en und Bra­si­li­en und dem Rück­zug aus ge­sät­tig­ten Märk­ten wie den USA so­wie teil­wei­se aus Gross­bri­tan­ni­en rich­tet sich der Ver­si­che­rer geo­gra­fisch neu aus. Es bleibt aber ab­zu­war­ten, was der Stra­te­gie­wech­sel bringt.

Die Fi­nanz­ti­tel sind mit man­nig­fal­ti­gen Un­si­cher­hei­ten – Re­gu­lie­rung der Bran­che, Kon­junk­tur­aus­sich­ten, Zins­um­feld – be­las­tet. Ge­sell­schaf­ten wie Ae­gon müs­sen zu­erst das ver­spiel­te Ver­trau­en zu­rück­ge­win­nen und die Ei­gen­ka­pi­tal­de­cke stär­ken. Das braucht Zeit.

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