Ma­kro­um­feld über­schat­tet Bör­sen

Bri­ti­scher Fonds­ma­na­ger Hen­der­son er­war­tet kei­ne bal­di­ge Hausse – «Hän­de weg von An­lei­hen» – Güns­ti­ge Ge­le­gen­heit zum Ein­stieg in Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - DO­MI­NIK FELD­GES,

An­le­ger am Ak­ti­en­markt er­war­tet in den kom­men­den Jah­ren kei­ne ein­fa­che Zeit. Da­von ist Bill McQua­ker, der das Ak­ti­en­team des bri­ti­schen Fonds­ma­na­gers Hen­der­son (vgl. Text­kas­ten) lei­tet, über­zeugt. «Es tut mir leid, aber ein gol­de­nes Zeit­al­ter für Ak­ti­en kann ich nicht se­hen», er­klär­te er mit ty­pisch bri­ti­scher Höf­lich­keit an ei­nem Se­mi­nar für Fi­nanz­jour­na­lis­ten in London.

Her­aus­for­de­rung In­fla­ti­on

Ob­wohl Di­vi­den­den­pa­pie­re ge­mes­sen am Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis welt­weit nach wie vor mo­de­rat be­wer­tet sind (vgl. Gra­fik), ste­hen nach Ein­schät­zung von McQua­ker die wid­ri­gen wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ei­ner Hausse im We­ge. Der Stra­te­ge er­ach­tet die Zeit nied­ri­ger öko­no­mi­scher Vo­la­ti­li­tät, wie sie zwi­schen den frü­hen Neun­zi­ger­jah­ren und 2007 ge­herrscht hat­te, de­fi­ni­tiv für be­en­det. In­zwi­schen sei­en die Schwan­kun­gen des welt­wei­ten Wirt­schafts­wachs­tums auf das ho­he Ni­veau der Sieb­zi­ger­jah­re zu­rück­ge­kehrt, sag­te er (vgl. Gra­fik).

Un­ter­neh­men müs­sen nicht nur mit grös­se­rer kon­junk­tu­rel­ler Un­ge­wiss­heit, son­dern auch mit po­ten­zi­ell hö­he­rer In­fla­ti­on fer­tig wer­den. Stei­gen­de Roh­stoff­prei­se tra­gen be­reits zur Teue­rung bei. McQua­ker wies zu­dem dar­auf hin, dass we­gen Lohn­er­hö­hun­gen in Chi­na der Wes­ten nicht mehr De­fla­ti­on, son­dern In­fla­ti­on aus Asi­en im­por­tie­ren wer­de.

Nach Jah­ren der «Selbst­ge­fäl­lig­keit», wäh­rend der nach Mei­nung von McQua­ker Po­li­ti­ker, An­le­ger und Me­di­en die Ri­si­ken der ho­hen Staats­ver­schul­dung in In­dus­trie­län­dern glei­cher­mas­sen igno­rier­ten, bleibt Re­gie­run­gen nichts an­de­res üb­rig, als auf die Spar­brem­se zu tre­ten. Da­durch wird der pri­va­te Kon­sum be­las­tet. McQua­ker schliesst ein er­neu­tes Ab­glei­ten eu­ro­päi­scher Volks­wirt­schaf­ten in die Re­zes­si­on nicht aus. Kommt es da­zu, wä­re das Los der Ver­brau­cher um ei­ni­ges schlech­ter als wäh­rend des letz­ten Ab­schwungs. Weil die Leit­zin­sen be­reits auf re­kord­tie­fe Ni­veaus ge­fal­len sind, könn­ten die Zen­tral­ban­ken die Kon­su­men­ten nicht mehr durch Zins­sen­kun­gen ent­las­ten.

Bill McQua­ker er­war­tet, dass die In­fla­ti­on die No­ten­ban­ken zwin­gen wird, ih­re Geld­po­li­tik schritt­wei­se zu straf­fen. In der Eu­ro­zo­ne dürf­te sei­ner Er­war­tung nach im lau­fen­den Jahr noch nichts pas­sie­ren, doch bis En­de 2011 sei ein Zins­ni­veau von 3% rea­lis­tisch. Da­nach dürf­te es ähn­lich wie in den USA auf 4 oder gar 5% ge­hen.

Die Trend­wen­de an der Zins­front ist ein schlech­tes Omen für Ob­li­ga­tio­nen­an­le­ger. Hen­der­son geht da­von aus, dass die mitt­ler­wei­le dreis­sig­jäh­ri­ge Hausse am

Lon­do­ner Haupt­sitz An­lei­hen­markt (vgl. zwei­spal­ti­ge Gra­fik) we­gen wie­der stei­gen­der Ren­di­ten und da­mit sin­ken­der Kur­se in Kür­ze zu En­de ge­hen wird. Der Rat­schlag des Fond­shau­ses ist un­miss­ver­ständ­lich: «Hän­de weg von An­lei­hen!» Im Ak­ti­en­markt ist eben­falls Vor­sicht an­ge­bracht, doch ver­spricht sich McQua­ker mit ei­ner Tra­dingstra­te­gie Er­folg. Der Stra­te­ge, der sich für den 3,6 Mrd.$ schwe­ren In­ter­na­tio­nal Op­por­tu­nities Fund von Hen­der­son auch als Ma­na­ger be­tä­tigt, hat in Re­ak­ti­on auf die jüngs­te Bör­sen­kor­rek­tur Po­si­tio­nen aus­ge­baut. Die fünf gröss­ten In­vest­ments des Fonds sind die in London ko­tier­ten Öl­ti­tel Es­sar Ener­gy und Tul­low Oil so­wie Volks­wa­gen, Hei­del­berg Ce­ment und Fre­se­ni­us.

Ren­di­te­per­len in Asi­en

Guy Bar­nard, der bei Hen­der­son auf Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en­an­la­gen spe­zia­li­siert ist, wit­tert im Im­mo­bi­li­en­markt Chan­cen. Der Fonds­ma­na­ger räum­te ein, dass die Er­ho­lung erst am An­fang ste­he und holp­rig aus­fal­len dürf­te. Ei­ne Di­vi­den­den­ren­di­te von 4% auf Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en welt­weit bie­te je­doch ein at­trak­ti­ves Ein­stiegs­ni­veau. In Eu­ro­pa ha­ben es Bar­nard die Ti­tel der bri­ti­schen Im­mo­bi­li­en­grup­pe Land Se­cu­ri­ties an­ge­tan, die von ei­ner Er­ho­lung der Miet­prei­se in der Lon­do­ner Ci­ty pro­fi­tie­ren wür­den. In Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa setzt Hen­der­son un­ter an­de­rem auf Uni­bail-Ro­dam­co. Die Ak­ti­en der gröss­ten ko­tier­ten eu­ro­päi­schen Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft no­tie­ren na­he des Net­to­an­la­ge­werts und ren­tie­ren rund 6%. Aus­ser­dem ge­fal­len dem Fonds­un­ter­neh­men die Ti­tel der Schwei­zer An­bie­ter PSP und Swiss Pri­me Site. Bei­de Ge­sell­schaf­ten sei­en gut ge­führt, mein­te Bar­nard.

Wie die meis­ten In­vest­ment­häu­ser räumt Hen­der­son dem The­ma Di­vi­den­den­stär­ke der­zeit gros­ses Ge­wicht ein. Die Bri­ten emp­feh­len, den Blick da­bei nicht nur auf die an­ge­stamm­ten Märk­te in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka zu rich­ten. Gu­te Op­por­tu­ni­tä­ten bö­ten sich auch in Asi­en. Fonds­ma­na­ger Mi­ke Ker­ley er­war­tet, dass sich die ge­drück­ten Mit­tel­zu­flüs­se asia­ti­scher Un­ter­neh­men bald auf das Ni­veau von 2004 er­ho­len, wo­mit die Vor­aus­set­zung für hö­he­re Ge­winn­aus­schüt­tun­gen er­füllt wä­re. Zu sei­nen Fa­vo­ri­ten zäh­len die Bank of Chi­na, die Hong­kon­ger Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft Mid­land und der Sin­ga­pu­rer Misch­kon­zern Fra­ser & Nea­ve.

Im neu­en

ar­bei­ten gut 500 der rund 900 Hen­der­son-Be­schäf­tig­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.