Ja­pa­ni­sches Shop­ping-Por­tal Ra­ku­ten geht auf Ein­kaufs­tour

Glo­ba­le Ex­pan­si­on – Jüngs­ter Zu­kauf in Frank­reich – Grün­der und CEO Hi­ro­shi Mi­ki­ta­ni will glo­ba­le Num­mer eins wer­den – Reiz­vol­le Ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MAR­TIN FRITZ,

Die neue Ja­pan AG

Ja­pa­ner gel­ten als be­schei­den. Aber Hi­ro­shi Mi­ki­ta­ni hält we­nig von die­ser Kul­tur­tra­di­ti­on. «Wir wol­len die Num­mer eins der welt­wei­ten E-Com­mer­ce-und In­ter­net­fir­men wer­den», sagt der selbst­be­wuss­te Grün­der und Chef von Ra­ku­ten, Ja­pans gröss­tem Shop­ping-Por­tal. Er will bald auf dreis­sig Märk­ten ver­tre­ten sein, Ja­pan soll dann nur noch auf ei­nen Um­satz­an­teil von 30% kom­men. Den Ge­samt­wert al­ler Trans­ak­tio­nen der Ra­ku­ten-Grup­pe, zu der auch ein On­line-Rei­se­bü­ro und ein Fi­nanz­dienst­leis­ter ge­hö­ren, will der Kon­zern­chef von 1,8 Bio. auf 20 Bio. Yen (243 Mrd. Fr.) stei­gern. Wachs­tum ge­be es nur durch Ex­pan­si­on, be­tont Mi­ki­ta­ni. Im An­spruch des erst 42-jäh­ri­gen Un­ter­neh­mers, der die neue welt­of­fe­ne Ja­pan AG ver­kör­pert, schwingt durch­aus et­was Grös­sen­wahn mit, denn aus­ser­halb der Hei­mat ist Ra­ku­ten kaum be­kannt. Der Re­kord­um­satz von 298 Mrd. Yen (3,6 Mrd. Fr.) 2009 war über sie­ben­mal klei­ner als die 24,5 Mrd.$ der glo­ba­len Num­mer eins Ama­zon. Doch mit der Über­nah­me des fran­zö­si­schen Ein­kaufs-Web­por­tals Pri­ce­Mi­nis­ter für 200 Mio.€ hat Mi­ki­ta­ni ge­ra­de sei­nen ag­gres­si­ven Ex­pan­si­ons­kurs be­stä­tigt. Pri­ce­Mi­nis­ter ist mit 12 Mio. Mit­glie­dern und über 160 Mio. Pro­duk­ten die fran­zö­si­sche Shop­ping-Web­sei­te mit der gröss­ten Reich­wei­te.

Zu­gleich bie­tet der ja­pa­ni­sche Hei­mat­markt noch er­staun­lich viel Po­ten­zi­al, weil E-Com­mer­ce zu den we­ni­gen Wachs­tums­seg­men­ten ge­hört. Trotz ei­ner Stei­ge­rung von 17% jähr­lich seit 2005 ist das E-Com­mer­ce-Ge­schäft mit 6,6 Bio. Yen (80 Mrd. Fr.) noch re­la­tiv klein. Die Ja­pa­ner sind zwar in vie­len Be­rei­chen tech­no­lo­gi­sche Trend­set­ter, aber beim Ein­kau­fen be­vor­zug­ten sie lan­ge Zeit eher per­sön­li­che Kon­tak­te. Zu­dem ge­hen sie vor al­lem über das Han­dy ins In­ter­net. Die klei­nen Bild­schir­me und die lang­sa­me­ren Ver­bin­dun­gen er­schwe­ren das Ein­kau­fen. Erst durch die Re­zes­si­on ha­ben sie das In­ter­net als preis­wer­ten und be­que­men Ein­kaufs­ka­nal ent­deckt. Bis 2014 er­war­tet No­mu­ra nun ei­ne Ver­dop­pe­lung des On­line-Mark­tes auf 12 Bio. Yen.

Von 90 Mio. In­ter­net­nut­zern shop­pen zwei Drit­tel bei Ra­ku­ten Ichi­ba, wie die di­gi­ta­le Ein­kaufs­mei­le mit ih­ren über 33 000 Ge­schäf­ten und mehr als 58 Mio. Wa­ren heisst. Fast je­de drit­te Trans­ak­ti­on im ja­pa­ni­schen In­ter­net fin­det dort statt. Bis­lang stellt Ra­ku­ten die Tech­nik, or­ga­ni­siert die Wer­bung und wi­ckelt die Be­zah­lung ab. Ab Herbst will man Bü­cher und DVDs und da­nach an­de­re Wa­ren selbst ver­kau­fen und über fünf ei­ge­ne Dis­tri­bu­ti­ons­zen­tren noch am sel­ben Tag aus­lie­fern kön­nen. Ra­ku­ten folgt so dem Hy­brid-Ge­schäfts­mo­dell von Ama­zon und eBay, bie­tet je­doch ei­nen Clou: Für je­den Kauf gibt es geld­wer­te Bo­nus­punk­te, die sich für Ra­bat­te auf Wa­ren in al­len an­de­ren Lä­den auf der Ra­ku­ten-Sei­te ver­wen­den las­sen.

Fir­men­spra­che Eng­lisch

Mit die­sem Loya­li­täts­sys­tem will der Kon­zern auch im Aus­land punk­ten. In Tai­wan und Thai­land ist man schon ver­tre­ten, in die­sem Jahr ex­pan­diert das Por­tal in sie­ben wei­te­re Län­der. Die Tech­no­lo­gie­zen­tren in In­di­en, Chi­na und den USA wer­den aus­ge­baut. An­ders als Ama­zon ver­traut Ra­ku­ten nicht auf ei­ne ein­heit­li­che Platt­form, son­dern auf lo­ka­le Part­ner. In Chi­na wur­de mit der gröss­ten Such­ma­schi­ne Bai­du ein Jo­int Ven­ture für E-Com­mer­ce ge­grün­det, um es mit Platz­hirsch Tao­bao und des­sen ja­pa­ni­schem Part­ner Soft­bank auf­zu­neh­men (vgl. FuW Nr. 43 vom 5. Ju­ni). Kurz nach dem Chi­na-De­al ver­bün­de­te sich Ra­ku­ten mit PT Glo­bal Me­di­a­com in In­do­ne­si­en, das mit 240 Mio. Men­schen und 33 Mio. In­ter­net­nut­zern zu den viel­ver­spre­chen­den neu­en On­li­neMärk­ten zählt. In den USA er­warb CEO Mi­ki­ta­ni im Mai für 250 Mio. $ die On­line­Platt­form Buy.com (12 Mio. Kun­den), die durch Preis­krie­ge mit Ama­zon be­kannt wur­de. Wie ernst es der MBA-Ab­sol­vent der Uni­ver­si­tät Har­vard meint, zeigt die Tat­sa­che, dass seit An­fang die­ses Jah­res al­le for­ma­len Kon­fe­ren­zen und Tref­fen in die­sem bis­her rein ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­men auf Eng­lisch statt­fin­den müs­sen – selbst wenn kei­ne Aus­län­der teil­neh­men.

So ein­fach wie in Ja­pan dürf­te die Ex­pan­si­on im Aus­land je­doch nicht wer­den: Die Kon­kur­renz wächst schnel­ler als der Markt, weil im­mer mehr Ein­zel­händ­ler vir­tu­el­le Lä­den auf­bau­en. Aber in den Schwel­len­län­dern kann Ra­ku­ten auf sei­ne Ka­pi­tal­macht ver­trau­en. Zu­dem hofft Mi­ki­ta­ni auf ei­nen Sie­ges­zug des elek­tro­ni­schen Gel­des, um im In­ter­net Zah­lun­gen ab­zu­wi­ckeln. Da­für hat Ra­ku­ten die ja­pa­ni­sche bitWal­let mit der edy-Geld­kar­te ge­kauft, um spä­ter ei­ne neue in­ter­na­tio­na­le Zah­lungs­mög­lich­keit an­bie­ten zu kön­nen. Ra­ku­ten sind mit ei­nem KGV 2010 von 26 nicht güns­tig, für for­sche In­ves­to­ren aber ei­ne in­ter­es­san­te Va­ri­an­te.

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