Kur­ven­künst­ler oben oh­ne

FAHR­BE­RICHT Der Nis­san 370Z Roads­ter bie­tet viel Fahr­spass zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Preis – Voll­au­to­ma­ti­sches Stoff­dach – Um­fang­rei­che Aus­stat­tung

Finanz und Wirtschaft - - AUTOMOBIL - DS

Lei­der schüt­te­te es fast pau­sen­los wie aus Kü­beln wäh­rend der Test­dau­er des Nis­san 370Z Roads­ter, so­dass nur an ei­nem Tag mit ge­öff­ne­tem Ver­deck ge­fah­ren wer­den konn­te. Da­für wis­sen wir nun mit Si­cher­heit, dass das Stoff­ver­deck ab­so­lut was­ser­dicht ist. Und, Spass bei­sei­te, dass der ras­si­ge Ja­pa­ner ein rund­um ge­lun­ge­ner, ab­so­lut preis­wer­ter Roads­ter ist.

Nis­san hat sich für ei­ne Stoff­müt­ze an­stel­le ei­ner schwe­ren Stahl­dach­kon­struk­ti­on ent­schie­den – und das ist gut so. Die Vor­tei­le sind zahl­reich: Die Ge­wichts­er­spar­nis kommt der Sport­lich­keit und dem Ver­brauch glei­cher­mas­sen zu­gu­te. Da­durch kann auch die Ge­wichts­ver­tei­lung – bei ei­nem Sport­wa­gen sehr wich­tig – bes­ser ge­steu­ert wer­den. Das Kof­fer­raum­vo­lu­men ist grös­ser, ob­wohl es beim 370Z auch mit Stoff­dach nur sehr be­schei­den aus­fällt (120l). Und schliess­lich kom­men ech­te Ca­brio-Fans nur mit ei­nem Stoff­ver­deck wirk­lich auf ih­re Rech­nung; Stahl­klappdach­fahr­zeu­ge sind kon­struk­ti­ons­be­dingt mit ei­ner sehr fla­chen, weit über die Köp­fe ge­zo­ge­nen Front­schei­be aus­ge­stat­tet, was das Open-Air-Fee­ling zwangs­läu­fig trübt.

Fahr­dy­na­mik­pa­ket

An­ders als bei man­chem Kon­kur­ren­ten funk­tio­niert das Öff­nen und Schlies­sen des Ver­decks beim 370Z nur im Stand. Da­für dau­ert der ge­sam­te Vor­gang nur 20 s und läuft voll­au­to­ma­tisch ab – beim Vor­gän­ger­mo­dell muss­te noch ein Rie­gel ma­nu­ell be­tä­tigt wer­den. Die gut iso­lie­ren­de Stoff­müt­ze ver­schwin­det hin­ter den bei­den Sit­zen, zwi­schen de­nen sich ein Mi­ni-Wind­schott aus Glas spannt. Es ver­hin­dert wir­kungs­voll un­er­wünsch­te Wind­wir­bel im In­nen­raum und sieht erst noch chic aus.

Al­so auf das Dach und ab auf die Land­stras­se. Voll­gas, der Kör­per wird an den Sitz ge­drückt, die Hin­ter­rä­der grei­fen in den As­phalt und be­schleu­ni­gen mit Ve­he­menz. An­brem­sen, ein­len­ken, wie auf Schie­nen zieht der 370Z von Ein­lenk-zu Schei­tel­punkt und zum Kur­ven­aus­gang. Früh geht es wie­der aufs Gas, der Roads­ter ver­trägt Last­wech­sel pro­blem­los, lässt sich mit ge­ziel­tem Ein­satz von Gas und Brem­se noch flin­ker ums Eck be­we­gen.

Die nächs­te Kur­ve fliegt her­an, her­un­ter­schal­ten über die Ma­g­ne­si­um­wip­pen, es bleibt kurz Zeit für ein Schmun­zeln we­gen des tol­len Au­to­ma­tik­ge­trie­bes, das selb­stän­dig Zwi­schen­gas gibt, dann wie­der der Tanz zwi­schen Brems-und Gas­pe­dal, und der Spass be­ginnt von vorn. Der 370Z ver­mit­telt ein enor­mes Ver­trau­en, ist spur­treu, lenkt ex­akt, bremst her­vor­ra­gend, bie­tet viel Si­cher­heit und dem Kön­ner ge­nü­gend Spiel­raum, um den Grenz­be­reich aus­zu­kos­ten; das ist gros­se Klas­se.

Der 3,7-l-V6-Ben­zi­ner hängt äus­serst wil­lig am Gas, klingt ker­nig und kraft­voll, ist dreh­freu­dig und ge­fällt mit ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Kraft­ent­fal­tung. Die Leis­tung von 241 kW/328 PS bei 7000 U/min so­wie das Dreh­mo­ment von 363 Nm bei 5200U/ min rei­chen aus, um den leer 1570 kg wie­gen­den Roads­ter in 5,8 s von 0 auf 100 km/h so­wie auf ei­ne elek­trisch be­grenz­te Höchst­ge­schwin­dig­keit von 250 km/h zu be­schleu­ni­gen. Wir ver­brauch­ten rund 13l/100 km. Das Fahr­werk ist straff ab­ge­stimmt, weist aber ge­nü­gend «Schluck­ver­mö­gen» auf, um im All­tags­ver­kehr aus­rei­chen­den Fahr­kom­fort zu bie­ten.

Top Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis

Der 370Z ist fast 100 kg leich­ter als das Vor­gän­ger­mo­dell – trotz Mehr­aus­stat­tung. Dies dient aber na­tür­lich auch der Fahr­dy­na­mik, da die un­ge­fe­der­te Mas­se deut­lich re­du­ziert wer­den konn­te: Vor­der-und Hin­ter­ach­se sind aus leich­tem Alu­mi­ni­um­guss, die Sta­bi­li­sa­to­ren sind in­nen hohl und da­mit 35% leich­ter. Auch der Hilfs­rah­men im Hoch­va­ku­um-Alu­mi­ni­um­druck­guss bringt ei­ne Ge­wichts­er­spar­nis von rund 25%. Der Roads­ter ist nur 28 kg schwe­rer als das Cou­pé, ob­wohl er im Ver­gleich zum Vor­gän­ger­mo­dell 40% ver­win­dungs­stei­fer ist – auch das kommt dem Fahr­ver­hal­ten zu­gu­te.

Der Nis­san 370Z ist ein Voll­blu­ts­port­ler, ein kom­pak­tes, fla­ches, wen­di­ges Kraft­pa­ket mit ei­nem enor­men Spurt­ver­mö­gen und ei­nem tol­len Mo­tor­sound. Doch auch die Aus­stat­tung ist auf ho­hem Ni­veau: Die von uns ge­fah­re­ne Top­ver­si­on Pack bie­tet un­ter an­de­rem ei­ne Le­der­aus­stat­tung, ei­ne Bo­se-Au­dio­an­la­ge, be­heiz-und be­lüft­ba­re Sit­ze, Bi-Xe­n­on­schein­wer­fer, 18-Zöl­ler, Re­gen-und Licht­sen­so­ren und na­tür­lich ei­ne um­fang­rei­che Si­cher­heits­aus­stat­tung. Der Preis – die Au­to­ma­tik­ver­si­on kos­tet ab 67500 Fr. – ist sehr fair.

Fährt sich so dy­na­misch, wie er aus­sieht: Der Nis­san 370Z Roads­ter liebt Kur­ven und ge­fällt mit ei­nem gut­mü­ti­gen Hand­ling.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.