Chi­nas Angst vor Nack­ten

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - MP

Chi­na lie­fert vor al­lem we­gen der wahr­schein­li­chen Auf­wer­tung des Ren­min­bis Ge­sprächs­stoff. Bei­na­he un­be­merkt bleibt die ge­plan­te Lan­cie­rung von Cre­dit De­fault Swaps (CDS). Shi Wen­chao, Ge­ne­ral­se­kre­tär der In­dus­trie­ver­ei­ni­gung Na­tio­nal As­so­cia­ti­on of Fi­nan­ci­al Mar­ket In­sti­tu­tio­nal In­ves­tors (NAFMII), er­klär­te der «Fi­nan­ci­al Ti­mes»: «Ich ver­si­che­re ih­nen, chi­ne­si­sche CDS kom­men auf den Markt, und zwar in Kür­ze». Der Schritt wird mit dem sich auf­blä­hen­den Kre­dit­markt be­grün­det. Da­durch wach­sen die Aus­fall­ri­si­ken. In­stru­men­te zur Ab­si­che­rung feh­len bis­lang. Aus Sys­tem­sicht ist das pro­ble­ma­tisch, CDS schü­fen Ab­hil­fe.

Kon­kre­tes wur­de aber nicht be­kannt. NAFMII soll aber seit ei­ni­ger Zeit an­re­gen, ei­nen CDS-Markt auf­zu­bau­en. Noch äus­sern vor al­lem die Re­gu­lie­rungs­be­hör­den Vor­be­hal­te. Ge­mäss lo­ka­len Be­rich­ten bil­det sich lang­sam ein Kon­sens, dass Be­darf für ei­nen ei­ge­nen Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­rungs­markt be­steht. Chi­na strebt da­bei ei­ne ei­gen­stän­di­ge Lö­sung an, die aus­schliess­lich auf die «wah­ren» Be­dürf­nis­se der Händ­ler ab­stel­le, wie sich der NAFMIIVor­sit­zen­de aus­drück­te. Da­mit dürf­ten un­ge­deck­te, sprich nack­te CDS wohl nicht ge­meint sein.

Ei­sen­erz­de­ri­va­te am Start

Neue­run­gen gibt’s auch an den Ter­min­märk­ten: CME Group, der welt­gröss­te De­ri­vat­bör­sen­be­trei­ber, hat an­ge­kün­digt, Swaps auf Ei­sen­erz an­zu­bie­ten und den da­zu­ge­hö­ren­den Clea­ring­dienst. Bis­lang wird der Ei­sen­erz­preis zwi­schen För­de­rern und Stahl­her­stel­lern vor al­lem bi­la­te­ral aus­ge­han­delt. Seit 2008 gibt es zwar ent­spre­chen­de Swaps, doch die Han­dels­vo­lu­men sind ge­ring. Ähn­li­ches gilt auch für die an der London Me­tal Ex­ch­an­ge (LME) lan­cier­ten Stahl-Fu­tures.

Ne­ben CME Group bal­gen sich Sin­ga­po­re Mer­can­ti­le Ex­ch­an­ge, LCH.Cle­ar­net und In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge (ICE) – die be­reits sehr er­folg­reich das Clea­ring­ge­schäft für CDS kul­ti­vier­te – um Markt­an­tei­le im wach­sen­den Markt mit Ei­sen­erz­de­ri­va­ten. Ge­mäss Schät­zun­gen soll sich das aus­ste­hen­de Kon­trakt­vo­lu­men von der­zeit 300 Mio. $ auf 200 Mrd. bis 2020 ent­wi­ckeln.

Bal­tic floppt, Har­pex toppt

Apro­pos Ei­sen­erz – die Ver­schif­fungs­kos­ten von Roh­wa­ren wie eben be­sag­tem Ei­sen­erz, aber auch von Koh­le und Ze­ment gel­ten als Früh­in­di­ka­to­ren für die Kon­junk­tur­ent­wick­lung. Die ent­spre­chen­den Fracht­ra­ten wer­den täg­lich aus An­ga­ben von Bro­kern, Ree­dern und Be­frach­tern er­mit­telt und im Bal­tic Dry dar­ge­stellt (vgl. Gra­fik). Die Stim­mung hat sich im Ju­ni deut­lich ein­ge­trübt, nach­dem sich die Fracht­ra­ten zu­vor auf­rap­pel­ten.

Das stimmt auch für die Ent­wick­lung am Ak­ti­en­markt nicht son­der­lich op­ti­mis­tisch. Das Bild wird in­des durch den Con­tai­ner­schif­f­in­dex Har­pex auf­ge­hellt. Nach lan­gem Krebs­gang ver­dop­pel­te er sich in den letz­ten drei Mo­na­ten bei­na­he.

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