15% Auf­wärts­po­ten­zi­al

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - DA­NI­EL BI­SCHOF Ban­ken­ana­lyst Bank Sa­ra­sin

In den nächs­ten Mo­na­ten wer­den die Un­si­cher­hei­ten ab­neh­men und die Kur­se der Bank­ak­ti­en stei­gen, sagt Da­ni­el Bi­schof, Ana­lyst von Bank Sa­ra­sin.

Herr Bi­schof, die eu­ro­päi­sche Schul­den­si­tua­ti­on hält die Märk­te in Atem. Wie an­ge­spannt ist die La­ge des Fi­nanz­sek­tors? Die La­ge ist nicht mehr ganz so dra­ma­tisch wie im Mai und An­fang Ju­ni. Den­noch bleibt vie­len Ban­ken der Zu­gang zu den An­lei­hen­märk­ten ver­sperrt, und die Zin­s­auf­schlä­ge im In­ter­ban­ken­markt sind nach wie vor auf er­höh­tem Ni­veau. Die EZB konn­te je­doch ei­ne Li­qui­di­täts­kri­se ver­hin­dern.

Die Bank­ak­ti­en ha­ben sich et­was er­holt, sind aber noch weit weg von ih­ren Höchst vom März und Ok­to­ber. Wie geht es wei­ter? Die Vo­la­ti­li­tät dürf­te in den nächs­ten Mo­na­ten hoch blei­ben. Die Schul­den­kri­se wird uns wei­ter­hin be­las­ten, und der News­flow be­züg­lich Ba­sel III, Son­der­steu­ern in Eu­ro­pa und den Re­for­men in den USA wer­den den Sek­tor be­schäf­ti­gen. Wir glau­ben je­doch, dass die Un­si­cher­hei­ten ab­neh­men wer­den, was, trotz mög­li­cher­wei­se ein­schnei­den­den Mass­nah­men, po­si­tiv ist für die Ak­ti­en­kur­se.

Wel­che Bank­ak­ti­en emp­feh­len Sie vor die­sem Hin­ter­grund? BNP Pa­ri­bas, So­cié­té Gé­né­ra­le und die spa­ni­sche BBVA in Eu­ro­pa, J. P Mor­gan Cha­se und Nort­hern Trust in den USA so­wie die bei­den Schwei­zer Gross­ban­ken; aus­ser­dem emp­feh­len wir Ju­li­us Bär.

Die spa­ni­schen und die fran­zö­si­schen Ban­ken sind be­son­ders ex­po­niert ge­gen­über dem Schul­den­pro­blem! Wir hal­ten die­se Ban­ken für stark ge­nug. Zu­dem ge­hen wir nicht da­von aus, dass nach Grie­chen­land wei­te­re Län­der ge­ret­tet wer­den müs­sen.

Mit wel­chem Auf­wer­tungs­po­ten­zi­al rech­nen Sie? Fun­da­men­tal ist das Auf­wärts­po­ten­zi­al gross, ein Be­wer­tungs­ab­schlag auf­grund der re­gu­la­to­ri­schen Un­si­cher­hei­ten und der Schul­den­kri­se von rund 20% bleibt aber noch für län­ge­re Zeit be­ste­hen. Ei­ne wich­ti­ge Kenn­zahl ist für uns das Ver­hält­nis zwi­schen Kurs und Buch­wert. Heu­te liegt es im Durch­schnitt bei 0,9. Ei­ne fai­re Be­wer­tung liegt mei­ner Mei­nung nach heu­te bei 1,3. Auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung des er­wähn­ten Ab­schlags er­gibt sich ein Auf­wärts­po­ten­zi­al von 15%.

Sa­ra­sin emp­fiehlt auch bei­de Schwei­zer Gross­ban­ken zum Kauf. Wie ist ih­re re­la­ti­ve Wett­be­werbs­po­si­ti­on?

Die Schwei­zer Ban­ken sind re­la­tiv we­nig von der Sü­d­eu­ro­pa­kri­se be­trof­fen. Sie sind gut ka­pi­ta­li­siert und ver­fü­gen über aus­rei­chen­de Li­qui­di­tät. In der Schweiz ist der Re­gu­la­tor bei ei­ni­gen Re­for­men des Fi­nanz­sys­tems (Ei­gen­ka­pi­tal, Le­ver­a­ge, Li­qui­di­tät) wei­ter als in an­de­ren Län­dern. Das ist ein Vor­teil, weil die CHGross­ban­ken im An­pas­sungs­pro­zess be­reits wei­ter sind.

Welt­weit lau­fen re­gu­la­to­ri­sche Initia­ti­ven. Kei­ne Angst vor ex­zes­si­ver Re­gu­lie­rung? Das Ri­si­ko kann tat­säch­lich nicht ganz aus­ge­schlos­sen wer­den. Die Ban­ken war­nen die Po­li­tik aber deut­lich, dass ei­ne Über­re­gu­lie­rung ei­ne gros­se Ge­fahr für die Wirt­schaft dar­stellt. Des­halb ist das nicht un­ser Ba­sis­sze­na­rio.

Wel­che Re­turns wer­den Ban­ken zu­künf­tig ge­ne­rie­ren kön­nen? Die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te wird auf­grund der Viel­zahl der re­gu­la­to­ri­schen Neue­run­gen zwei­fel­los sin­ken. Wäh­rend Ban­ken frü­her Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­ten von 15% und mehr er­ziel­ten, er­scheint uns im künf­ti­gen Um­feld 12–13% rea­lis­ti­scher.

Das zwei­te Quar­tal dürf­te im In­vest­ment Ban­king be­deu­tend schlech­ter aus­fal­len als das Vor­quar­tal. Wel­ches ist das wahr­schein­lichs­te Sze­na­rio für die kom­men­den Mo­na­te? Die Kon­sens­schät­zun­gen der Ana­lys­ten sind im In­vest­ment Ban­king be­reits stark zu­rück­ge­kom­men. Die In­ves­to­ren ha­ben kei­ne ho­hen Er­war­tun­gen mehr für das tra­di­tio­nell star­ke zwei­te Quar­tal. Des­halb müss­ten be­reits Re­sul­ta­te im Rah­men der tie­fe­ren Er­war­tun­gen die Kur­se un­ter­stüt­zen. Im drit­ten Quar­tal könn­te dann ins­be­son­de­re im Be­reich der An­lei­hen­emis­sio­nen der Nach­hol­be­darf zu Mehr­ein­nah­men füh­ren.

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