Un­ter­kühlt in den Som­mer

Ban­ken­ti­tel und Zy­kli­ker lei­den – Ro­che und Nest­lé stüt­zen trotz Ver­lus­ten – Lo­gi­tech ab­ge­straft

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - WOLF­GANG GAM­MA UND ARNO SCHMO­CKER

Der Auf­takt in die Som­mer­mo­na­te ist dem Ak­ti­en­markt noch we­ni­ger ge­glückt als dem Wet­ter. Nach drei Wo­chen Er­ho­lung san­ken die Ak­ti­en­kur­se in der Be­richts­wo­che auf brei­ter Front. Zy­kli­sche Wer­te und Bank­ti­tel führ­ten das Feld der Ver­lie­rer an. Zum ei­nen mach­te sich im Vor­feld des G-20-Gip­fels Ve­r­un­si­che­rung dar­über breit, ob die staat­li­chen Spar­pro­gram­me (al­len vor­an Deutsch­lands) den Auf­schwung ab­wür­gen. Zum an­de­ren be­las­te­ten die an­hal­ten­de Eu­ro­schwä­che und die Un­wäg­bar­kei­ten der zu er­war­ten­den Re­for­men des Fi­nanz­sek­tors. Der SMI ver­lor 2,7% auf 6275,3.

Noch feh­len ei­ni­ge Ta­ge bis zur Jah­res­mit­te, doch be­reits ist klar, dass 2010 bis­her kein An­la­gejahr für Ak­ti­en war. En­ga­ge­ments in Ka­te­go­ri­en mit we­ni­ger Ri­si­ko wa­ren er­folg­rei­cher. Vor al­lem im zwei­ten Quar­tal of­fen­bar­te sich die Vo­la­ti­li­tät der Ak­ti­en­märk­te. Dass sich das im drit­ten Quar­tal rasch än­dern wird, ist nicht an­zu­neh­men. Vie­le eu­ro­päi­sche Ban­ken sit­zen auf ris­kan­ten An­lei­hen aus Spa­ni­en und Grie­chen­land. Hö­he­re Vor­ga­ben aus dem zwei­ten Halb­jahr 2009 wer­den es den In­dus­trie­ge­sell­schaf­ten er­schwe­ren, mit gu­ten Ab­schlüs­sen zu glän­zen.

CS und UBS ver­lie­ren

Die Gross­ban­ken­ti­tel CS Group (–7,6%) und UBS (–5,1%) wur­den im Wo­chen­ver­lauf deut­lich zu­rück­ge­bun­den. Die sich im Markt bahn­bre­chen­de Er­kennt­nis, dass das zwei­te Quar­tal nied­ri­ge­re Er­trä­ge so­wohl im In­vest­ment wie im Pri­va­te Ban­king er­bracht hat, das ( Wie­der-)Auf­fla­ckern der Eu­ro­kri­se und die Un­ge­wiss­heit über die zu­künf­ti­ge Re­gu­lie­rung des Fi­nanz­sek­tors, all das wog schwer.

Am Frei­tag­nach­mit­tag Schwei­zer Zeit be­rich­te­ten US-Me­di­en, Ver­tre­ter von Se­nat und Re­prä­sen­tan­ten­haus hät­ten sich auf ei­nen ge­mein­sa­men Ge­setz­ent­wurf für ei­ne US-Fi­nanz­markt­re­form ge­ei­nigt. Vor­ge­se­hen sind schär­fe­re Kon­trol­len für Fi­nanz­in­sti­tu­te, mehr Macht für die Auf­sicht und ein grös­se­rer Schutz für Ver­brau­cher. Der Han­del mit kom­ple­xen Fi­nanz­in­stru­men­ten (De­ri­va­ten) soll stren­ge­ren Re­geln un­ter­wor­fen wer­den. Al­les in al­lem ge­wan­nen die In­ves­to­ren aber den Ein­druck, dass die Be­hör­den die Ban­ken we­ni­ger in die Man­gel neh­men als be­fürch­tet (vgl. Sei­ten 2 und 31). Die Ak­ti­en der US-Ban­ken ge­wan­nen am Frei­tag an Fahrt – im Ge­gen­satz zu CS und UBS.

Im Ver­si­che­rungs­be­reich war mit den Ak­ti­en der Gros­sen eben­falls kein Staat zu ma­chen. So­wohl Zu­rich (–3,4%), Bâ­loi­se (–4,9%), Swiss Re (–6%) wie die aus dem SMI ge­fal­le­nen Swiss Li­fe (–5,8%) büss­ten viel ein. Hel­ve­tia (–4,9%) wur­den am Don­ners­tag en mas­se auf den Markt ge­schüt­tet. Vor­mit­tags wech­sel­ten in ei­ner hal­ben St­un­de 18000 Ti­tel zu «Bes­tens»-Kur­sen die Hand, et­wa fünf Mal so viel wie üb­lich an ei­nem gan­zen Tag. Die Deut­sche Bank soll als Ver­käu­fer auf­ge­tre­ten sein. Der Kurs sack­te 8% ab. Am Frei­tag wur­de die Hälf­te da­von wett­ge­macht.

Druck auf Tran­so­ce­an

Von der Auf­nah­me in den SMI pro­fi­tier­ten Tran­so­ce­an (–7,7%) nur sehr kurz­fris­tig. Das Öl­de­sas­ter im Golf von Me­xi­ko be­las­tet die Ti­tel des Platt­form­be­trei­bers wei­ter­hin. Zwei Dut­zend US-Se­na­to­ren ver­lang­ten in ei­nem Schrei­ben die Ver­schie­bung der ge­plan­ten Nenn­wert­rück­zah­lung, bis die Ver­ant­wort­lich­keit der Ge­sell­schaft für die Ka­ta­stro­phe ge­klärt ist. Da­mit er­öff­net sich ei­ne wei­te­re An­griffs­flä­che – ne­ben der Fra­ge der fi­nan­zi­el­len Haf­tung, de­ren Fol­gen Tran­so­ce­an nach bis­he­ri­gen Er­kennt­nis­sen tra­gen könn­te.

Freund­li­che Ana­lys­ten­kom­men­ta­re nach dem In­ves­to­r­en­se­mi­nar (vgl. FuW vom Mitt­woch) stütz­ten die Ak­ti­en Nest­lé (–1,6%), die sich in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te bes­ser schlu­gen als der Ge­samt­markt. Am Di­ens­tag star­tet Nest­lé ein wei­te­res Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm über 10 Mrd. Fr. Die de­fen­si­ven Qua­li­tä­ten ka­men auch Ro­che (GS –0,4%) zu Gu­te.

Vor den Neun­mo­nats­zah­len (30. Ju­ni) no­tier­ten Bar­ry Cal­le­baut (–0,4%) knapp be­haup­tet. Er­war­tet wird ein Um­satz­wachs­tum des Scho­ko­la­de­her­stel­lers zwi­schen 3,5 und 6%. In­ter­es­sie­ren wird ei­ne all­fäl­li­ge Neu­ein­schät­zung des Wachs­tums­po­ten­zi­als durch Out­sour­cing.

Lo­gi­tech (–8,8%) ge­rie­ten un­ter Druck, nach­dem das Bro­ker­haus Mer­rill Lynch die Ti­tel des Com­pu­ter­zu­lie­fe­rers gleich um zwei Stu­fen auf «Un­der­per­form» zu­rück­ge­setzt hat­te. Die Ana­lys­ten rech­nen da­mit, dass Lo­gi­tech we­gen ei­ner schwä­che­ren Nach­fra­ge die Jah­res­zie­le nach un­ten wird kor­ri­gie­ren müs­sen.

In der Be­richts­wo­che ga­ben Cla­ri­ant 3,9% nach. Die in den Vor­wo­chen be­ob­ach­te­ten Avan­cen ris­sen ab, als sich Ge­rüch­te über den Ver­kauf der Tex­til-und Le­der­che­mi­ka­li­en zer­schlu­gen. Cla­ri­ant de­men­tier­te ei­nen ent­spre­chen­den Ana­lys­ten­be­richt. Seit län­ge­rem mut­masst der Markt, Cla­ri­ant könn­te die Ein­hei­ten mit de­nen von BASF zu­sam­men­le­gen. Das Ma­nage­ment be­tont je­doch seit län­ge­rem, erst al­le Ge­schäf­te neu auf­stel­len und leis­tungs­fä­hi­ger ma­chen zu wol­len, be­vor De­ves­ti­tio­nen ge­prüft wür­den.

Cy­tos im Vor­marsch

Cy­tos (+27,5%) stie­gen mar­kant, nach­dem CEO Wolf­gang Ren­ner in der «Han­dels­zei­tung» ei­nen Li­zenz­de­al für ei­nen Asth­maImpf­stoff mit Mei­len­stein­zah­lun­gen von «deut­lich mehr als 600 Mio. Fr.» und zwei­stel­li­ger Um­satz­be­tei­li­gung in Aus­sicht ge­stellt hat­te. Ana­lys­ten dämp­fen aber die An­le­ger­hoff­nun­gen: Hel­vea et­wa be­zeich­ne­te Ren­ners Er­war­tun­gen als «über­trie­ben». Ba­si­lea (Ak­ti­en –13,6%) muss­te ei­ne Ver­zö­ge­rung von zwölf bis 18 Mo­na­ten in der Ent­wick­lung des an Astel­las aus­li­zen­zier­ten Pilz­in­fek­ti­ons­mit­tels mit­tei­len.

Zu den we­ni­gen Ge­win­nern ge­hör­ten For­bo (+1,3%), nach­dem CEO This Schnei­der im An­le­ger­ma­ga­zin «Stocks» be­stä­tigt hat­te, die­ses Jahr ei­nen Re­kord­ge­winn je Ak­tie er­rei­chen zu wol­len. Da der Misch­kon­zern 2011 schul­den­frei wer­de, sieht Schnei­der die Mög­lich­keit zu Ak­qui­si­tio­nen im drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich.

Span­nung war am Frei­tag an der GV von Lem (Ak­ti­en –1,7%) an­ge­sagt. Wie von In­ves­to­ren zu er­fah­ren war, wur­de der Auf­nah­me ei­ner Op­t­ing-out-Klau­sel in die Sta­tu­ten zu­ge­stimmt, die Werner Weber als gröss­ter Ak­tio­när ge­for­dert hat­te. Zum Nach­teil der Min­der­heits­ak­tio­nä­re be­freit ihn sie von ei­nem öf­fent­li­chen Über­nah­me­an­ge­bot, soll­te sei­ne Quo­te ein Drit­tel der Stim­men über­stei­gen.

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