Emis­si­ons­zen­tra­le oh­ne Emis­si­on

AUS DEM AR­CHIV DER FI­NANZ UND WIRT­SCHAFT ESG tilgt die letz­te aus­ste­hen­de Fran­ken­an­lei­he

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - EZ

Im Mai hat die Emis­si­ons­zen­tra­le der Schwei­zer Ge­mein­den (ESG) ih­re letz­te öf­fent­li­che Fran­ken­an­lei­he zu­rück­ge­zahlt. Mit die­ser Til­gung en­det ei­ne 38-jäh­ri­ge Ge­schich­te, die sich in drei Ka­pi­tel glie­dern lässt. Das ers­te um­fasst die von Wachs­tum ge­präg­ten Jah­re von 1972 bis 1997. In 25 Jah­ren ge­lang es der ESG, rund tau­send Ge­mein­den für ei­ne Mit­glied­schaft zu ge­win­nen und mit ei­nem Emis­si­ons­vo­lu­men von knapp 4 Mrd. Fr. ei­nen Markt­an­teil von statt­li­chen 2% zu er­rei­chen. Das zwei­te Ka­pi­tel be­ginnt mit der Zä­sur im Jahr 1998, als die Ge­mein­de Leu­ker­bad zah­lungs­un­fä­hig wur­de und auch die ESG in Mit­lei­den­schaft zog. Es en­det im Som­mer 2003 mit der letz­ten Ka­pi­tal­auf­nah­me am Ob­li­ga­tio­nen­markt. Das drit­te Ka­pi­tel nimmt sei­nen An­fang im Herbst 2003; es könn­te mit «Emis­si­ons­zen­tra­le oh­ne Emis­sio­nen» be­ti­telt wer­den.

Es ist we­nig er­staun­lich, dass zum zwei­ten Ka­pi­tel, ob­wohl es den kür­zes­ten Zei­t­raum be­trifft, im Ar­chiv der «Fi­nanz und Wirt­schaft» am meis­ten Be­rich­te zu fin­den sind. Denn be­vor der Schul­den­berg in Leu­ker­bad un­über­seh­bar wur­de, bot die ESG kaum Stoff, um die Re­dak­to­ren zu pa­cken und die Le­ser zu fes­seln. Ver­bun­den da­mit war auch ei­ne aus heu­ti­ger Sicht eher blau­äu­gi­ge Be­richt­er­stat­tung. Am 19. No­vem­ber 1997 kom­men­tier­te die FuW: «Auch für die von der UBS an den Markt ge­führ­ten 4% ESG 1997/2008 über 108 Mio. Fr. hat sich der Auf­schlag zu Bun­des­an­lei­hen ver­grös­sert, ob­wohl ih­re Qua­li­tät die­sen wohl kaum nach­steht.» Dem Au­tor kann man ein­zig zu­gu­te­hal­ten, dass er drei­zehn Jah­re spä­ter den Mut hat, die­se gran­dio­se Feh­l­ein­schät­zung ans Ta­ges­licht zu för­dern.

Aber auch die ESG selbst hat­te da­mals ei­ne eher ge­trüb­te Sicht der Din­ge. So liess Di­rek­tor Alexander Glatt­hard in der Aus­ga­be vom 25. Ok­to­ber 2007 ver­lau­ten, dass «im Ge­gen­satz zu an­de­ren öf­fent­li­chen Schuld­nern für die Ge­mein­den nicht das Stop­fen neu­er Fi­nanz­lö­cher, son­dern die Re­fi­nan­zie­rung zu den der­zeit güns­ti­gen Kon­di­tio­nen im Vor­der­grund der Ka­pi­tal­auf­nah­me» ste­he.

Glatt­hards Fest­stel­lung moch­te für die Mehr­heit der Schwei­zer Ge­mein­den zu­tref­fen, mit Si­cher­heit nicht für Leu­ker­bad. Denn die Mu­ni­zi­pal-und die Bur­ger­ge­mein­de Leu­ker­bad hat­ten schon 1997 Schul­den über ge­schätz­te 340 Mio. Fr. an­ge­häuft, die zu et­wa 20% über den Ka­pi­tal­markt fi­nan­ziert wa­ren. Das zwang die ESG zu Re­for­men. Un­ter an­de­rem wur­den die Ei­gen­mit­tel er­höht, ei­ne Kre­dit­ver­si- che­rung ab­ge­schlos­sen und ein Ra­ting be­an­tragt. Da­bei er­wies sich ge­mäss FuW vom 29. Ja­nu­ar 2000 nach dem FuW-Re­dak­tor und dem ESG-Di­rek­tor auch der S&P-Ana­lyst nicht als Hell­se­her: «Es ge­hört we­der zu den Us­an­zen der in­ter­na­tio­na­len Bond­märk­te noch des Fran­ken­an­lei­hen­ge­schäfts, dass ei­nem Schuld­ner we­ni­ge St­un­den vor der Lan­cie­rung ei­ner An­lei­he das Ra­ting ent­zo­gen wird. Ge­nau das hat aber die Ra­ting-Agen­tur Stan­dard & Poor’s ge­tan, als sie ver­gan­ge­ne Wo­che der ESG für die ge­plan­te Emis­si­on im Um­fang von (nur) 63 Mio. Fr. und mit ei­ner Lauf­zeit von neun Jah­ren das Triple-A-Ra­ting, das sie der Ge­mein­de­fi­nan­zie­rungs­agen­tur vor rund vier Mo­na­ten zu­ge­si­chert hat­te, ab­er­kann­te.»

Trotz al­ler Un­bill trat die ESG nach ei­ner vier­jäh­ri­gen Emis­si­ons­pau­se (1998 bis 2001) von 2002 und 2003 noch drei­mal an den Ob­li­ga­tio­nen­markt. Den letz­ten Gang kom­men­tier­te die FuW am 21. Ju­ni 2003: «Der Auf­sto­ckungs­be­trag – er dient u. a. zur Re­fi­nan­zie­rung ei­ner Fäl­lig­keit von 80,4 Mio. Fr. – nimmt sich zwei­fels­oh­ne be­schei­den aus. Er­freu­lich zu ver­mer­ken ist je­doch, dass die ver­gan­ge­nes Jahr lan­cier­te An­lei­he Se­rie 82 da­mit ein Vo­lu­men von im­mer­hin rund 175 Mio. Fr. er­reicht.» Mit die­sem doch et­was Zu­ver­sicht ver­strö­men­den Kom­men­tar ist das zwei­te Ka­pi­tel ab­ge­schlos­sen. Das drit­te lässt sich mit ei­nem ab­schlies­sen­den Zi­tat aus der Aus­ga­be vom 18. Mai 2005 zu­sam­men­fas­sen: «Um die Emis­si­ons­zen­tra­le der Schwei­zer Ge­mein­den (ESG) ist es im ver­gan­ge­nen Jahr still ge­wor­den.» Da­bei ist es bis heu­te ge­blie­ben.

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