Schwa­che Roh­stoff­ak­ti­en be­las­ten

LONDON Pa­nik­ma­che­rei um BP – Staat­li­che Spar­plä­ne fin­den nur im Bond­markt Wi­der­hall

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN EUROPA - DF

Un­ter Bond­an­le­gern hol­te sich die bri­ti­sche Re­gie­rung die­se Wo­che viel Ap­plaus für ihr Aus­te­ri­täts­pro­gramm. Die An­le­ger am Lon­do­ner Ak­ti­en­markt wa­ren mit ih­ren Ge­dan­ken wo­an­ders. Die Schwä­che des US-Häu­ser­markts (vgl. Sei­te 27) und die Furcht vor ei­nem auf­zie­hen­den Wir­bel­sturm im Golf von Me­xi­ko sorg­ten da­für, dass der FTSE-100-In­dex an vier von fünf Han­dels­ta­gen Ter­rain ein­büss­te. Am Frei­tag wur­de er 1,1% auf 5046,47 zu­rück­ge­stuft. Ge­gen­über der Vor­wo­che sum­miert sich der Ver­lust auf 3,9%.

Am Ob­li­ga­tio­nen­markt wur­de das ri­gi­de Spar­pro­gramm von Ge­or­ge Os­bor­ne uni­so­no be­grüsst. Die Vor­ga­ben des frisch ge­ba­cke­nen Schatz­kanz­lers se­hen vor, dass der Staats­haus­halt bis zum Fis­kal­jahr 2014/15 um jähr­lich 113 Mrd.£ (knapp 190 Mrd. Fr.) kon­so­li­diert wird, was rund 6% des bri­ti­schen Brut­to­in­land­pro­dukts ent­spricht (vgl. Sei­te 33). Die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen Staats­an­lei­hen er­mäs­sig­te sich im Wo­chen­ver­gleich um fünf­zehn Ba­sis­punk­te auf 3,38%.

Die Ak­ti­en des Öl­mul­tis BP (–14,8% auf 304,6 p) stürz­ten am Frei­tag auf ein 14-Jah­res-Tiefst. Seit der Ex­plo­si­on der Öl­platt­form Deep­wa­ter Ho­ri­zon am 20. April hat sich der Bör­sen­wert über 50% ver­rin­gert. Aus­lö­ser für die jüngs­ten Ver­lus­te war die War­nung von Me­teo­ro­lo­gen, dass sich am Wo­chen­de im Golf von Me­xi­ko der ers­te Wir­bel­sturm der Sai­son bil­den könn­te. Für zu­sätz­li­che Un­si­cher­heit sorg­te das ja­pa­ni­sche Wert­schrif­ten­haus No­mu­ra, des­sen Ana­lys­ten BP na­he­leg­ten, ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung durch­zu­füh­ren. An­de­ren­falls lies­sen sich Zwei­fel dar­über, dass die For­de­run­gen von Gläu­bi­gern nicht mehr be­dient wer­den könn­ten, nur schwer zer­streu­en. Der Rat­schlag kommt Pa­nik­ma­che­rei gleich. BP hat wei­ter­hin Zu­griff auf Bar­re­ser­ven von rund 15 Mrd.$. Der bis­he­ri­ge Auf­wand für die Be­kämp­fung der Öl­pest wur­de vom Un­ter­neh­men am Frei­tag mit 2,35 Mrd.$ be­zif­fert.

Deut­lich ab­ge­straft wur­den auch die Roh­stoff­ti­tel aus dem Mi­nen­be­reich. Die Ak­ti­en des in Zug an­säs­si­gen Kon­zerns Xstra­ta ver­lo­ren in Wo­chen­frist 6,8% auf 957 p, die Pa­pie­re des bri­tisch-aus­tra­li­schen Wett­be­wer­bers BHP Bil­li­ton 3,8% auf 1867 p. An­ge­sichts der hart­nä­cki­gen Ar­beits­lo­sig­keit in den USA, ei­nem schwa­chen Im­mo­bi­li­en­markt und im­mer neu­en und här­te­ren Spar­pro­gram­men in Eu­ro­pa stel­len In­ves­to­ren die Nach­hal­tig­keit des Wirt­schafts­auf­schwungs in Fra­ge. Den Mi­nen­ti­teln half auch nicht die Nach­richt vom Rück­tritt des aus­tra­li­schen Pre­mier­mi­nis­ters Ke­vin Rudd. Im Markt wird be­fürch­tet, dass die Mi­n­en­ge­winn­steu­er von 40% auch un­ter sei­ner Nach­fol­ge­rin Ju­lia Gil­lard Tat­sa­che wird (vgl. Sei­te 10).

Die In­vest­ment­ge­sell­schaft Re­so­lu­ti­on (+0,5% auf 60,3 p) hat sich mit dem fran­zö­si­schen Ver­si­che­rer Axa ge­ei­nigt, den Gross­teil des Gross­bri­tan­ni­en­ge­schäfts zu über­neh­men (vgl. FuW Nr. 46 vom 16. Ju­ni). Der Kauf­preis be­trägt 2,75 Mrd. £. Die Ka­pi­tal­er­hö­hung von 2 Mrd.£ zur Fi­nan­zie­rung der Trans­ak­ti­on dürf­te rei­bungs­los ver­lau­fen. Ge­mäss Re­so­lu­ti­on gin­gen noch vor Be­kannt­ga­be der Über­nah­me­de­tails Zu­sa­gen für 52% der nach­ge­frag­ten Sum­me ein.

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