An­le­ger in Aus­tra­li­en ent­täuscht

Die neue Re­gie­rungs­che­fin Ju­lia Gil­lard will um­strit­te­ne Berg­bau­steu­er bei­be­hal­ten

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN ÜBERSEE - UW,

Die Ak­ti­en aus­tra­li­scher Res­sour­cen­kon­zer­ne re­agier­ten am Don­ners­tag und Frei­tag nach ei­nem kurz­zei­ti­gen An­stieg mehr­heit­lich ne­ga­tiv auf den spek­ta­ku­lärs­ten Macht­wech­sel in der jün­ge­ren Ge­schich­te des An­ti­po­den­kon­ti­nents. Be­deu­ten­de Ti­tel wie BHP Bil­li­ton und Rio Tin­to ga­ben nach, nach­dem die La­bor-Par­tei den bis­he­ri­gen Pre­mier­mi­nis­ter Ke­vin Rudd durch sei­ne Stell­ver­tre­te­rin Ju­lia Gil­lard er­setzt hat­te. Be­ob­ach­ter in Syd­ney mein­ten am Frei­tag, der Wech­sel an der Spit­ze der Re­gie­rung sei zu ei­nem we­sent­li­chen Teil auf die ag­gres­si­ve Kam­pa­gne der In­dus­trie ge­gen ei­ne von Rudd ge­plan­te Ge­winn­steu­er auf Roh­stof­fe zu­rück­zu­füh­ren. «Es ist er­staun­lich, dass die­se Steu­er­po­li­tik den Pre­mier­mi­nis­ter ge­tö­tet hat», mein­te Ja­son Teh von In­ves­tors Mu­tu­al ge­gen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg.

Wie Pre­mier­mi­nis­te­rin Ju­lia Gil­lard kurz nach ih­rem Amts­an­tritt mein­te, steht sie wei­ter zur Ein­füh­rung ei­ner Steu­er auf be­son­ders ho­he Ge­win­ne in der Roh­stoff- in­dus­trie. Al­le Be­din­gun­gen sei­en aber «ver­han­del­bar». Die Re­ak­ti­on der Märk­te dürf­te ein In­diz für die Ent­täu­schung der An­le­ger sein, dass mit dem Ab­gang Rudd’s nicht auch der Vor­schlag für die Steu­er be­gra­ben wur­de. Die Roh­stoff­kon­zer­ne hat­ten in ih­rer di­rekt ge­gen Rudd ge­rich­te­ten An­zei­gen-und PR-Kam­pa­gne ge­warnt, ei­ne Ab­ga­be von 40% auf Ge­win­ne über 6% wür­de In­ves­ti­tio­nen in die In­dus­trie ver­hin­dern und Ar­beits­plät­ze kos­ten. Die­ser Be­haup­tung wur­de von nam­haf­ten Ex­per­ten wi­der­spro­chen. Meh­re­re Roh­stoff­gi­gan­ten wie Xstra­ta droh­ten mit der Stor­nie­rung von Mi­nen­pro­jek­ten.

Die Po­le­mik wirk­te: Ein schon vor­her un­ter ei­nem Man­gel an Glaub­wür­dig­keit lei­den­der Rudd ver­lor in den Mei­nungs­um­fra­gen spek­ta­ku­lär an Po­si­ti­on. Noch vor sechs Mo­na­ten war er ei­ner der be­lieb­tes­ten Pre­mier­mi­nis­ter der aus­tra­li­schen Ge­schich­te.

Rudd trat sein Amt als Pre­mier­mi­nis­ter vor zwei­ein­halb Jah­ren an. Sei­nen Wahl­kampf hat­te er mit gros­sen Ver­spre­chen in der Um­welt-und Kli­ma­po­li­tik ge­führt und das Kyo­to-Pro­to­koll als ers­te Amts­hand­lung un­ter­zeich­net. Die­se Ver­spre­chen konn­te er nicht ein­hal­ten. Die Berg­bau- in­dus­trie tor­pe­dier­te so­wohl ei­nen Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te­han­del wie auch schliess­lich ei­ne Ab­schöp­fung aus­ser­or­dent­li­cher Ge­win­ne durch ei­ne Su­per Tax.

And­rew For­rest, Chef des Ei­sen­erz­kon­zerns For­tes­cue Me­tals und vi­ru­len­ter Geg­ner der Steu­er, be­grüss­te die Wahl Gil­lards. Er freue sich auf die Ver­hand­lun­gen mit Can­ber­ra über ei­ne Än­de­rung des Steu­er­pa­kets. Gil­lard wer­de von der Berg­bau­in­dus­trie «viel Un­ter­stüt­zung ha­ben, wenn sie nicht ver­sucht, ei­nen Keil zwi­schen Ar­bei­ter und Un­ter­neh­mer zu trei­ben». An­de­re Ver­tre­ter der Berg­bau­in­dus­trie ga­ben je­doch in­di­rekt zu ver­ste­hen, auch Gil­lard ha­be we­nig Chan­cen auf ei­ne lan­ge Kar­rie­re an der Spit­ze, wenn sie ih­ren For­de­run­gen nicht nach­kom­me.

Gil­lard muss zwar dem Ge­setz nach erst bis März 2011 Neu­wah­len ab­hal­ten, es gilt aber als wahr­schein­lich, dass die Wäh­ler noch in die­sem Jahr an die Ur­nen ge­be­ten wer­den. Ihr Ge­gen­spie­ler To­ny Ab­bott von der Li­be­ra­len Par­tei ver­such­te in ers­ten Stel­lung­nah­men, Gil­lard bloss als ein neu­es Ge­sicht für die­sel­be al­te Po­li­tik dar­zu­stel­len. Gil­lard ist die ers­te Frau im Amt des Re­gie­rungs­chefs auf dem fünf­ten Kon­ti­nent.

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