Mit Stan­dard Bank die Kar­te Afri­ka spie­len

AKTIENEXPOSÉ Die füh­ren­de Bank in Süd­afri­ka ver­folgt pa­n­a­fri­ka­ni­sche Wachs­tums­stra­te­gie – Chi­ne­si­scher Gross­ak­tio­när ICBC öff­net Tü­ren im Reich der Mit­te

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - DO­MI­NIK FELD­GES

Afri­ka stösst un­ter An­le­gern auf wach­sen­des In­ter­es­se. Vor ei­ner Wo­che schwärm­te Mark Mo­bi­us, Exe­cu­ti­ve Chair­man von Temp­le­ton As­set Ma­nage­ment und ei­ner der be­kann­tes­ten Emer­ging-Mar­kets-An­le­ger, im In­ter­view mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» vom Po­ten­zi­al des schwar­zen Kon­ti­nents (vgl. FuW Nr. 47 vom 19. Ju­ni). Der Mu­si­ker Bob Geld­of be­män­gelt in­des, die meis­ten Pen­si­ons­kas­sen hät­ten noch kaum Afri­kaan­la­gen in ih­rem Porte­feuille und wür­den des­halb ei­ne gol­de­ne In­ves­ti­ti­ons­ge­le­gen­heit ver­pas­sen. Doch wo in Afri­ka in­ves­tie­ren?

In sieb­zehn Län­dern

Afri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men, die sich durch ei­nen lang­jäh­ri­gen Leis­tungs­aus­weis und ei­ne so­li­de Bi­lanz aus­zeich­nen, sind fast an ei­ner Hand ab­zu­zäh­len und stam­men meist aus Süd­afri­ka. Ei­nes von ih­nen ist die gröss­te süd­afri­ka­ni­sche Ban­ken­grup­pe Stan­dard Bank, die auch im üb­ri­gen Afri­ka gut ver­tre­ten ist. Sie hat mitt­ler­wei­le in sieb­zehn von 53 afri­ka­ni­schen Län­dern Nie­der­las­sun­gen.

Die Zah­len der Gross­bank, die En­de letz­ten Jah­res über ei­ne Bi­lanz­sum­me von 1345 Mrd. Rand (knapp 200 Mrd. Fr.) ver­füg­te und an der Jo­han­nes­bur­ger Bör­se mit 164 Mrd. Rand be­wer­tet ist, las­sen sich se­hen. Seit 2003 wur­de der Ge­winn je Ak­tie jähr­lich 8% ge­stei­gert. Im ver­gan­ge­nen Jahr, als die welt­wei­te Wirt­schafts­kri­se auch Süd­afri­ka und – in ge­rin­ge­rem Aus­mass – den Rest des afri­ka­ni­schen Kon­ti­nents traf, fiel der Über­schuss pro Ti­tel von 9.96 auf 7.58 Rand. Für das lau­fen­de Jahr er­war­tet der Markt ei­ne Er­ho­lung auf das Vor­kri­sen­ni­veau von 2008. Für 2011 wird mit ei­ner deut­li­chen Be­schleu­ni­gung des Ge­winn­wachs­tums ge­rech­net.

Stan­dard Bank kommt zu­gu­te, fast aus­schliess­lich in Schwel­len­län­dern ak­tiv zu sein, die sich trotz der be­fürch­te­ten Ab­küh­lung in den In­dus­trie­staa­ten wei­ter­hin dy- na­misch ent­wi­ckeln. Das In­sti­tut hat sei­ne Kre­dit­ri­si­ken im Griff: 2009 stieg der An­teil not­lei­den­der Kre­di­te nur ge­ring­fü­gig von 1,55 auf 1,6%. Die im ver­gan­ge­nen Jahr und be­reits zu­vor ge­trof­fe­nen Mass­nah­men zur Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung soll­ten sich po­si­tiv auf die Ren­ta­bi­li­tät aus­wir­ken. Letz­tes Jahr er­reich­te das Ver­hält­nis zwi­schen Kos­ten und Er­trag (Cost-In­co­me Ra­tio) 52,4%, was für ein breit auf­ge­stell­tes Fi­nanz­in­sti­tut wie die Stan­dard Bank ei­ne gu­te Grös­se ist.

So­li­de ka­pi­ta­li­siert

Die Bi­lanz­stär­ke der Bank spie­gelt sich in ei­ner Kern­ka­pi­tal­quo­te ( Tier 1) von 11,8%. Die Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s be­wer­tet die lang­fris­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten mit A3, was dem In­sti­tut ei­ne ho­he Fä­hig­keit zur Be­die­nung sei­ner Schul­den be­schei­nigt. Gröss­ter Ak­tio­när ist seit 2007 die In­dus­tri­al & Com­mer­ci­al Bank of Chi­na (ICBC). Die mitt­ler­wei­le gröss­te Fi­nanz­grup­pe der Welt er­warb da­mals für 5,5 Mrd.$ ei­nen An­teil von 20%, der bis heu­te un­ver­än­dert ge­blie­ben ist. ICBC dürf­te sich wei­ter­hin mit der Rol­le ei­nes Min­der­heits­ak­tio­närs be­g­nü- gen. Es ist un­wahr­schein­lich, dass die süd­afri­ka­ni­sche Re­gie­rung ei­nem Ver­kauf der gröss­ten ein­hei­mi­schen Bank ins Aus­land zu­stim­men wür­de.

ICBC ist für Stan­dard Bank aber nicht nur Ka­pi­tal­ge­ber. Die chi­ne­si­sche Gross­bank ver­mit­telt auch Ge­schäfts­kon­tak­te zu den vie­len Un­ter­neh­men in der Volks­re­pu­blik, die in Afri­ka Roh­stof­fe för­dern oder Ab­satz­märk­te für ih­re Pro­duk­te er­schlies­sen wol­len. 2009 Jahr flos­sen Stan­dard Bank im Ge­schäft mit Chi­na 78 Mio. $ vor al­lem aus Be­ra­tungs­ge­büh­ren zu. Das In­sti­tut hat un­ter Chi­ne­sen den Ruf, die «Af­ri­ca and Mi­ning Bank» zu sein.

Die Ver­tie­fung der Ge­schäfts­be­zie­hun­gen zwi­schen Afri­ka und Chi­na dürf­te in den kom­men­den Jah­ren für ei­nen Er­trags­schub sor­gen. Aus­ser­dem ist Stan­dard Bank gut po­si­tio­niert, um vom Wachs­tum afri­ka­ni­scher Märk­te zu pro­fi­tie­ren. Das al­les macht ein En­ga­ge­ment in die Ti­tel der Süd­afri­ka­ner reiz­voll. Schwei­zer An­le­ger ge­hen al­ler­dings ein Wech­sel­kurs­ri­si­ko ein. Der Rand ist ei­ne Weich­wäh­rung, de­ren Ent­wick­lung vom Ge­dei­hen der Roh­stoff­märk­te ab­hängt.

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