Bun­des­haus­halt un­ter Kon­trol­le

Mo­de­ra­tes De­fi­zit 2011 – Auf­ga­ben­über­prü­fung hin­aus­ge­scho­ben – Kom­for­ta­ble Schul­den­si­tua­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - PE­TER MORF

Die Kri­se setzt den In­dus­trie­staa­ten zu, die Haus­halts­de­fi­zi­te sind aus­ser­or­dent­lich hoch, die Staats­schul­den ex­plo­die­ren. Nicht so in der Schweiz: Nach ei­nem Rech­nungs­über­schuss im letz­ten Jahr und ei­nem er­war­te­ten eher mo­de­ra­ten De­fi­zit 2010 stellt der Bun­des­rat in dem zur Wo­chen­mit­te ver­ab­schie­de­ten Bud­get für 2011 nur ei­nen ver­gleichs­wei­se klei­nen Fehl­be­trag ein. Und die Schul­den des Bun­des ha­ben seit 2005 nicht zu-, son­dern ab­ge­nom­men – oh­ne dass fi­nan­zi­el­le Man­gel­er­schei­nun­gen auf­ge­tre­ten wä­ren. Haupt­ver­ant­wort­lich für die kom­for­ta­ble La­ge ist die 2003 ein­ge­führ­te – zu­vor von der Lin­ken er­bit­tert be­kämpf­te – Schul­den­brem­se. An­de­re Staa­ten be­gin­nen erst da­mit, ent­spre­chen­de In­stru­men­te ein­zu­füh­ren.

Hand­lungs­spiel­raum

Ge­mäss dem von Fi­nanz­mi­nis­ter Han­sRu­dolf Merz den Me­di­en prä­sen­tier­ten Bud­get sind 2011 Ein­nah­men von 61,9 Mrd. Fr. und Aus­ga­ben von 62,5 Mrd. Fr. zu er­war­ten. Das or­dent­li­che De­fi­zit von 600 Mio. Fr. un­ter­schrei­tet die Vor­ga­be der Schul­den­brem­se: In der ak­tu­el­len Kon­junk­tur­la­ge wä­re ein Fehl­be­trag von 800 Mio. Fr. zu­läs­sig, es be­steht so­mit ein Hand­lungs­spiel­raum von 200 Mio. Fr.

Ein Wer­muts­trop­fen al­ler­dings bleibt: Der Bun­des­rat er­war­tet für 2011 aus­ser­or­dent­li­che Aus­ga­ben von knapp 2 Mrd. Fr. (Sa­nie­rung Pen­si­ons­kas­se SBB 1,1 Mrd. Fr., Ein­mal­ein­la­ge in In­fra­struk­tur­fonds knapp 0,9 Mrd. Fr.). Dar­aus er­gibt sich ein De­fi­zit von ins­ge­samt 2,6 Mrd. Fr. Für die aus­ser­or­dent­li­chen Aus­ga­ben gilt die An­fang Jahr in Kraft ge­setz­te Er­gän­zungs­re­gel zur Schul­den­brem­se, wo­nach aus­ser­or­dent­li­che Aus­ga­ben in­ner­halb von sechs Jah­ren durch Über­schüs­se im or­dent­li­chen Haus­halt kom­pen­siert wer­den müs­sen. Da­mit steigt die Ver­schul­dung nur vor­über­ge­hend leicht.

Bes­se­rer Fi­nanz­plan

Der Fi­nanz­plan für die Jah­re bis 2014 sieht we­sent­lich bes­ser aus als ur­sprüng­lich be­fürch­tet. Da­hin­ter ste­hen die auf­ge­hell­ten Kon­junk­tur­aus­sich­ten so­wie das vom Bun­des­rat be­an­trag­te Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm. Dank der ver­gleichs­wei­se gu­ten La­ge des Haus­halts muss nur ein Teil des Kon­so­li­die­rungs­pro­gramms schon 2011 um­ge­setzt wer­den, die Mass­nah­men der Auf­ga­ben­über­prü­fung sol­len erst ab 2012 in Kraft tre­ten.

Im kom­men­den Jahr wird das Bud­get über das Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm um ge­gen 800 Mio. Fr. ent­las­tet. Da­bei geht es um die Kom­pen­sa­ti­on vor­ge­zo­ge­ner In­ves­ti­tio­nen zur Kon­junk­tur­stüt­zung (180 Mio. Fr.), An­pas­sun­gen der Aus­ga­ben an die tiefere Teue­rung (440 Mio. Fr.) so­wie Mass­nah­men im Ei­gen­be­reich des Bun­des (150 Mio. Fr.). 2012 und 2013 ent­las­ten die Kon­so­li­die­rungs­mass­nah­men in­klu­si­ve Auf­ga­ben­über­prü­fung den Haus­halt dann um je über 1,5 Mrd. Fr. Da­mit kann die Schul­den­brem­se in den Fi­nanz­plan­jah­ren na­he­zu ein­ge­hal­ten und die Staats­quo­te sta­bi­li­siert wer­den.

Die Schweiz hat nicht nur den Haus­halt im Griff, son­dern auch die Ver­schul­dung. Die Schul­den der öf­fent­li­chen Hand (Bund, Kan­to­ne und Ge­mein­den) ma­chen 2010 auf der Ba­sis von Zah­len und Schät­zun­gen der OECD in der Schweiz nur 40% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) aus – im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich ei­ne Spit­zen­po­si­ti­on. Im Eu­ro­raum be­lau­fen sich die Schul­den im Schnitt auf 85% des BIP, Ita­li­en er­reicht gar 119%.

Die Ent­wick­lung der Brut­to­schul­den des Bun­des im Zeit­ab­lauf ist ein­drück­lich (vgl. Gra­fik): Aus­ge­hend von 1990 ha­ben sich die Schul­den bis 2002 (vor der Ein­füh­rung der Schul­den­brem­se) von 39 auf 122 Mrd. Fr. mehr als ver­drei­facht. Der Höchst­stand der Schul­den wur­de 2005 mit 130 Mrd. Fr. er­reicht. Seit­her ist es ge­lun­gen, sie um 20 Mrd. Fr. ab­zu­bau­en. Sie wer­den 2010 und 2011 we­gen der ver­an­schlag­ten De­fi­zi­te so­wie der Dar­le­hen an die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung et­was stei­gen, aber nicht aus dem Ru­der lau­fen.

Der Di­rek­tor der Fi­nanz­ver­wal­tung, Fritz Zur­brügg (links), und Fi­nanz­mi­nis­ter Hans-Ru­dolf Merz sind mit dem Bud­get of­fen­bar zu­frie­den.

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