Be­frei­ungs­schlag für Mehr­wert­steu­er

Bun­des­rat schlägt Ein­heits­satz vor – We­ni­ger Aus­nah­men – Be­schleu­nig­tes Wachs­tum

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - PM

Die Mehr­wert­steu­er ist die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le des Bun­des: Sie bringt jähr­lich mehr als 20 Mrd. Fr. in die Kas­se. Sie ist aber mit ih­ren drei Steu­er­sät­zen und ei­ner Viel­zahl von Aus­nah­me­re­ge­lun­gen über die Jah­re hin­weg zu ei­nem wah­ren bü­ro­kra­ti­schen Mons­ter ge­wor­den. Be­son­ders für klei­ne Un­ter­neh­men ist die kom­pli­zier­te Steu­er fast nicht mehr zu hand­ha­ben. Dar­um hat Fi­nanz­mi­nis­ter Hans-Ru­dolf Merz ei­ne ra­di­ka­le Ver­ein­fa­chung der Mehr­wert­steu­er in die We­ge ge­lei­tet. Ein ers­ter Teil, der vor al­lem ei­ne ad­mi­nis­tra­ti­ve Straf­fung bringt, ist seit An­fang Jahr in Kraft.

Ta­xe oc­cul­te weg

Im zwei­ten Teil geht es um das Kern­stück der Re­vi­si­on: die Ein­füh­rung ei­nes Ein­heits­sat­zes in der Mehr­wert­steu­er und die Strei­chung ei­nes Gross­teils der gel­ten­den Aus­nah­men. Die­ser Schritt kä­me ei­nem Be­frei­ungs­schlag gleich, die Wirt­schaft wür­de von enor­men ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­la­gen be­freit. Zu­dem wür­de die ver­zer­ren­de Ta­xe oc­cul­te – sie ent­steht, wenn kein Vor­steu­er­ab­zug mög­lich ist – weit­ge­hend ent­fal­len.

Nach­dem das Volk im Rah­men der Zu­satz­fi­nan­zie­rung der In­va­li­den­ver­si­che­rung ei­ner tem­po­rä­ren Er­hö­hung der Mehr­wert­steu­er zu­ge­stimmt hat­te, liess Bun­des­rat Merz ei­ne Zu­satz­bot­schaft ba­sie­rend auf den neu­en Zah­len aus­ar­bei­ten. Da sich po­li­tisch heik­le Aus­ein­an­der­set­zun­gen ab­zeich­ne­ten, liess er zu­dem al­ter­na­ti­ve Vor­schlä­ge über­prü­fen.

Der Bun­des­rat hält ge­mäss der Zu­satz­bot­schaft am Ein­heits­satz fest. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung der IV-Zu­satz­fi­nan­zie­rung be­trägt der auf­kom­mens­neu­tra­le Ein­heits­satz 6,4%. Zu­sätz­lich soll als so­zi­al­po­li­ti­sches Kor­rek­tiv zu­guns­ten tie­fer Ein­kom­men 0,1 Pro­zent­punkt er­ho­ben wer­den, wo­mit sich ein Satz von 6,5% er­gibt. Das ist gut ein Pro­zent­punkt we­ni­ger als der heu­te gel­ten­de Nor­mal­satz von 7,6%. Der re­du­zier­te Satz für Gü­ter des täg­li­chen Be­darfs von 2,4% so­wie der Sond­er­satz für Be­her­ber­gungs­leis­tun­gen von 3,6% wür­den da­ge­gen an­ge­ho­ben. Zur Er­in­ne­rung: In der EU be­trägt der re­gu­lä­re Min­dest­satz 15%.

Ne­ben der Ein­füh­rung des Ein­heits­sat­zes bringt die Vor­la­ge die Strei­chung von 21 der 29 Aus­nah­men. Sol­che wer­den nur noch ge­währt, wenn die Er­he­bung der Steu­er tech­nisch nicht oder nur schwer mög­lich ist – wie et­wa in den Fi­nanz-und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­tun­gen – oder wenn der Er­he­bungs­auf­wand in Re­la­ti­on zum Er­trag un­ver­hält­nis­mäs­sig hoch aus­fal­len wür­de, z. B. in der Land­wirt­schaft.

Dem Ein­heits­satz er­wächst von zwei Sei­ten Wi­der­stand: Zu­nächst op­po­nie­ren die po­li­ti­sche Lin­ke so­wie Kon­su­men­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen. Sie ma­chen gel­tend, dass tie­fe Ein­kom­men we­gen der Ver­teue­rung der Gr­und­nah­rungs­mit­tel über Ge­bühr zur Kas­se ge­be­ten wür­den. Dem ist das so­zi­al­po­li­ti­sche Kor­rek­tiv ent­ge­gen­zu­hal­ten, von dem die Steu­er­zah­ler mit tie­fen Ein­kom­men pro­fi­tie­ren wür­den. Zu­dem wür­den ein Ein­heits­satz und ei­ne wei­te­re Ver­ein­fa­chung das ge­samt­wirt­schaft­li­che Wachs­tum för­dern. Da­von wür­den auch die tie­fen Ein­kom­men pro­fi­tie­ren. Steu­ern eig­nen sich schlecht als ver­tei­lungs­po­li­ti­sches In­stru­ment, das so­zi­al­po­li­ti­sche Kor­rek­tiv ist dar­in ef­fi­zi­en­ter.

Kampf um Pri­vi­le­gi­en

Op­po­si­ti­on kommt aber auch von den Bran­chen und Or­ga­ni­sa­tio­nen, die bis­her von den tie­fe­ren Sät­zen und den Aus­nah­men pro­fi­tiert ha­ben. Sie wer­den sich ge­gen den Ver­lust ih­rer Pri­vi­le­gi­en zur Wehr set­zen. Es ist Fi­nanz­mi­nis­ter Merz hoch an­zu­rech­nen, dass er trotz dem ab­seh­ba­ren Wi­der­stand am Ein­heits­satz fest­hält. Die Al­ter­na­ti­ven – zwei statt drei Sät­ze, mehr Aus­nah­men – wä­ren gang­bar, hät­ten aber nicht die glei­che po­si­ti­ve Wachs­tums­wir­kung.

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